Bautzen, Vermischtes

Laserbrücke. Ein Fall zum genaueren Hinsehen

von Monika Lenz – 23.05.2009

Daran erinnert sich Horst Richter heute noch: Nach dem Krieg holte man die Kühe aus den Ställen der Bauern. Sie sollten in Genossenschaften leben. Einer Kuh namens Susi gefiel das allerdings nicht. Sie büxte aus und marschierte die fünf Kilometer nach Hause, in ihren Stall in Siebitz. Dabei lief sie direkt über die Laser-Brücke.

Siebitz. „Die Bäuerin hat ganz schön geguckt“, erzählt der 83-Jährige lachend. „Das war ein wirklich langer Weg, so weit war Susi noch nie von zu Hause weg gewesen.“ Die Brücke gibt es noch heute. Geht es nach dem Kreis Bautzen, allerdings nicht mehr lange. Das Landratsamt will die Brücke abreißen lassen. Ein entsprechender Antrag liegt seit Monaten bei der Landesdirektion in Dresden. Die Begründung: Die Brücke zwischen Siebitz und Techritz habe keinerlei Verkehrsbedeutung. Gerade mal 45 Fahrzeuge nutzten sie pro Tag überhaupt. Außerdem müsste sie saniert werden. Kosten: rund 100.000 Euro.

Die Laserbrücke bei Siebitz: Der Landkreis will sie abreißen lassen, die Siebitzer protestieren dagegen. Noch steht eine Entscheidung in Dresden aus.

Die Laserbrücke bei Siebitz: Der Landkreis will sie abreißen lassen, die Siebitzer protestieren dagegen. Noch steht eine Entscheidung in Dresden aus.

Wenn Horst Richter diese Argumente hört, kommt ihm die Galle hoch. „Keine Verkehrsbedeutung, von wegen“, schimpft er. Für Schulkinder und alte Leute gleichermaßen sei die Brücke wichtig. Für Bauern sowieso. Sie müssten irgendwie auf die andere Seite der durch die Eisenbahnstrecke zerschnittenen Landschaft zu ihren Feldern gelangen. Immerhin liegen 26 Felder an dieser Stelle. Die Laser-Brücke sei einfach zu wichtig. „Es gibt ja direkt daneben noch eine Brücke“, meint Holm Felber, Pressesprecher in der Landesdirektion Dresden, und meint die Woitabrücke. Die verbindet Siebitz mit Drauschkowitz. Tatsächlich liegt sie nur wenige hundert Meter weiter.

Für Horst Richter, der vor einigen Jahren extra eine Bürgerinitiative für den Erhalt der Laser-Brücke ins Leben gerufen hatte, ist das aber kein Argument. „Das ist ein Umweg von sechs Kilometern“, sagt er. „Den muss man erst mal laufen oder mit dem Traktor fahren.“ Bürgermeister Peter Beer in Göda versteht den Mann. „Die beste Variante für die Bürger ist wirklich die Laserbrücke“, sagt er. Für die Wirtschaft sei wiederum eine ganz andere Variante interessant: Eine ausgebaute Anbindung
von Oberförstchen ausgehend an die S 106. Damit findet er ähnlich wenig Anklang beim Landkreis wie Horst Richter mit seinen Argumenten für den Erhalt der Laser-Brücke.

Relativ sicher ist derzeit lediglich die Woitabrücke. Sie steht unter Denkmalschutz. Pläne der Bahn, die Strecke zu elektrifizieren, schweben deshalb ebenfalls nur über der Laserbrücke wie ein Damoklesschwert. Würde man diese oben entlang führen, müsste die Brücke ohnehin höher liegen. Bei einer unten entlang führenden Induktionsleitung wäre die Laser-Brücke zumindest bahntechnisch wiederum nicht gefährdet. „Man muss das alles gegeneinander abwägen“, sagt Holm Felber.

Ursprünglich sollte die Landesdirektion im ersten Quartal des Jahres über das Schicksal der Brücke entscheiden. Dass das noch nicht geschehen ist, liegt unter anderem daran, dass erst seit kurzem die angeforderte Stellungnahme der Bahn vorliegt. „Und es zeigt, dass das ein Fall ist, wo man noch etwas genauer hinsehen will“, sagt Holm Felber. Für die 200 Siebitzer, von denen alle schon vor Jahren bei einer Unterschriftensammlung den Erhalt der Brücke gefordert haben, ist das ein Hoffnungsschimmer. Auch wenn Horst Richter skeptisch ist. „Die warten doch nur, bis ich in der Kiste liege“, sagt er und grinst dann verschmitzt. „Aber bis dahin mache ich weiter. Die Laserbrücke muss bleiben.“

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