Kamenz, Kultur

Francis Rossi: „Nicht männlich genug für echt harte Arbeit!“

von Katharina Preusche-Jehring – 1.08.2009

Nur noch zwei Wochen bis zum Besuch echter Weltstars in Kamenz. Ihr Song „In the Army now“ hat sie auch bei uns berühmt gemacht. Am 14. August geben Status Quo ein Konzert auf der Hutbergbühne. Redakteurin Katharina Preusche-Jehring sprach am Telefon mit Frontmann Francis Rossi in England über schlechte Arbeitsmoral, Männlichkeit und den Zwang, Musik machen zu müssen.

Wie geht´s Ihnen heute, Francis?

Francis Rossi: Oh, mir geht´s gut, danke! Ich habe gerade ein anderes Interview beendet und davor war ich im Fitnessstudio. Aber ich gestehe, heute habe ich mich 35 Minuten mit einem Freund unterhalten und nur ein paar wenige Klimmzüge gemacht.

Sie geben mit ihren Jungs bald ein Konzert in Kamenz. Das ist eine ziemlich kleine Stadt. Wie kommt es, dass sie dort spielen?

Francis Rossi: Sie meinen Chemnitz, oder?

Francis Rossi (Mitte) und seine Bandmitglieder von Status Quo. In zwei Wochen spielen sie auf dem Kamenzer Hutberg. Frontmann Rossi hat sich mittlerweile von seinem Markenzeichen, dem Pferdeschwanz, verabschiedet - ebenso wie von seinen ganz wilden Zeiten des Rock´n´Roll.

Francis Rossi (Mitte) und seine Bandmitglieder von Status Quo. In zwei Wochen spielen sie auf dem Kamenzer Hutberg. Frontmann Rossi hat sich mittlerweile von seinem Markenzeichen, dem Pferdeschwanz, verabschiedet - ebenso wie von seinen ganz wilden Zeiten des Rock´n´Roll.

Nein, eigentlich nicht. Sie kennen Kamenz nicht?

Francis Rossi: Nein, ich würde lügen, wenn ich das sagen würde. Aber es gibt soviele Orte an denen ich noch nicht gewesen bin. Auf jeden Fall fühle ich mich in Deutschland sehr wohl. Für mich ist das, als wenn ich nach Hause komme. Ich war das erste Mal mit 17 oder 18 da. Das Erste, was ich auf Deutsch gelernt habe war: Können sie mir den Weg to Bielefeld zeigen?

Dieses Jahr haben sie ihr 40. Bühnenjubiläum. Könnten sie überhaupt noch mehr erreichen.

Francis Rossi: Ja, immer! Das ist so im Showbusiness oder wie immer man das nennen will. Nach einer Platte denkst du schon an die nächste. Ich fühle mich nutzlos, wenn ich keine neuen Songs mache. Es muss immer was Neues kommen. Immer weiter machen, weiter machen, weiter machen und irgendwann bist du tot.

Haben Sie die ganzen Konzerte nicht manchmal satt?

Francis Rossi: Um wirklich ehrlich zu sein, ich hab´s satt seit ich 22 bin. Aber das ist immer morgens und im Laufe des Tages denke ich dann „Ja, jetzt geht´s gleich los“ und dann geht´s los und ich freu´ mich drauf. Ich brauche das. Das ist der Widerspruch eines unsicheren Selbst.

Wünschen sie sich manchmal, sie hätten einen ganz normales, langweiliges Leben mit Frau, Haus und Kindern?

Francis Rossi: Ich habe viele Ehefrauen und ein Kind, äh, eine Ehefrau und viele Kinder. Ich bin seit 22 Jahren verheiratet und habe mit drei Frauen acht Kinder, das jünste ist fast 16, das älteste 25. Anfangs dachte ich, es wäre doof, immer unterwegs zu tun, aber ich habe gemerkt, dass viele Geschäftsleute das auch tun. Wenn ich zuhause bin, dann sehr lange. Und ich bleibe auch zuhause und gehe nicht ins Pub oder zu Fußballspielen.

Seit 40 Jahren rocken Status Quo die Bühne und geben Konzerte rund um den Globus.

Seit 40 Jahren rocken Status Quo die Bühne und geben Konzerte rund um den Globus.

Gibt es eigentlich einen Job, den sie genau so gerne gemacht hätten?

Francis Rossi: Nein, ich glaube nicht. Ich hätte Eisverkäufer oder sowas werden können. Ich finde das toll, aber ich bin nicht männlich genug für harte Arbeit. Ich bin nur Mann´s genug Rock `n´ Roll zu machen und mich um meine Haare zu kümmern.

Wo wir gerade davon sprechen, sie haben sich ihre Haare abgeschnitten, warum?

Francis Rossi: Irgendwann kam eine Zeit, da hatte ich keinen Pferdeschwanz mehr, sondern eine kleine Ratte. Dann habe ich sie abschneiden lassen, das erste Mal seit ich 10 war (tut so, als ob er schluchzt). Ich fühlte mich wild. Ich dachte, ich wäre frei. Nun will ich mir die Haare kämmen und es ist nichts mehr da. Irgendwie fühle ich mich damit auch schon wieder rebellisch (lacht).

Sie sind jetzt 60 Jahre alt. Rocken sie mit ihren Jungs eigentlich immer noch die Bühne oder sind sie schon ruhiger geworden?

Francis Rossi: Wir sind immer noch fit und machen eine tolle Show, aber heute denke ich, dass die Leute den echten Menschen ohne Drogen und Alkohol sehen sollten. Letztes Jahr habe ich mal wieder eine Show unter Kokain gemacht, aber dafür bin ich echt zu alt. Das waren früher noch andere Zeiten, da gab es nur Drogen, Alkohol und jede Nacht ein anderes Mädchen im Hotelzimmer. Heute interessiert mich das alles nicht mehr.

Man sagt, dass sie noch immer sehr hart arbeiten. Sehen sie das auch so?

Francis Rossi: Wir scheinen eine Menge Shows zu machen, dieses Jahr sind es vielleicht um die Hundert. Aber ich empfinde das nicht so. Ich muss das tun, um genau dieser Typ zu sein. Es gehört zu mir und zu Status Quo. Das ist mein Grund zu existieren.

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