Vermischtes, Zittau

Von Expedition aus Mongolei zurückgekehrt

von Steffen Linke – 19.09.2009

Die Zittauer Autohändler Hans-Joachim Lust und Ralf Winkel sind vor wenigen Tagen von einer 26.000 Kilometer langen Expedition aus der Mongolei wieder nach Hause zurückgekehrt.

Zittau. Es ist ein bisschen Neugierde und viel Abenteuerlust. Hans-Joachim Lust tickt bei seinen schönsten Tagen im Jahr halt etwas anders als normale Touristen. Sein etwas anderer Urlaub sei im Vorfeld ordentlich vorbereitet worden. „Wir haben unter anderem die Fahrzeuge richtig durchgecheckt, besorgten uns die notwenigen Papiere, schlossen die Versicherungen ab und deckten uns mit Werkzeug ein“, berichtet der 48-Jährige.

Sehr abenteuerlich ging es auf der Expedition in die Mongolei zu. Die Fahrzeuge fuhren teilweise durch Matsch anstatt auf Straßen.

Sehr abenteuerlich ging es auf der Expedition in die Mongolei zu. Die Fahrzeuge fuhren teilweise durch Matsch anstatt auf Straßen.

Hans-Joachim Lust nebst Frau und Ralf Winkel sind mit mehreren Freunden mit drei „kräftigen“ Autos unterwegs gewesen, wobei eins davon nicht alle Kilometer fahren konnte, weil es von der Technik her sehr anfällig war. Nachts sei es vor allem durch Russland sehr gefährlich, zu fahren. „Es gibt zwar befahrbare Streckenabschnitte. Straßen, Beschilderung und Beleuchtung sind aber sehr schlecht“, sagt er.

Hans-Joachim Lust kam jedenfalls in seinem Urlaub voll auf seine Kosten: „Es sind immer wieder Erlebnisse und Einrücke, auf die ich im Nachhinein nicht verzichten möchte.“ Es sei zum Beispiel sehr schön, wenn sich die Bedürfnisse des Menschen auf ganz geringe Dinge beschränken. „Wenn ich irgendwo in der Wildnis bin, freue ich mich über ein Lagerfeuer, einen trockenen Schlafsack und die Möglichkeit, sich irgendwo zu waschen. Da kommt der Mensch zu seinen Wurzeln zurück.“ Die Crew lebte quasi völlig zeitlos, hätte gar keine Uhr mehr gebraucht. „Für den Körper ist es sicherlich anstrengend, der Kopf ist aber völlig frei“, sagt er.

Hans-Joachim Lust lernte vor Ort Land und Leute kennen. Da sein polnischer und sein litauischer Freund perfekt die russische Sprache beherrschen, gab es auch keine Verständigungsprobleme. Zwischen einer Russin und einem Russen hat der Abenteurer große Unterschiede ausgemacht: Die dortigen Frauen sind sehr fleißig und machen was aus sich. Die Männer sehen ein bisschen verwahrlost aus, sind häufig faul. Der Schnaps ist billiger als Mineralwasser. „Ich kann mir aber natürlich kein pauschales Urteil erlauben“, sagt er.

Bei Pannen an den Autos luden die Gastgeber die Frauen ein und kochten gemeinsam Abendbrot, während die Männer mit dem Schlosser in der Dorf-Werkstatt die Fahrzeuge reparierten. Es ging aber nicht immer ganz so glimpflich ab. In Irkutsk war ein Verteilergetriebe kaputt gegangen, das nicht dorthin lieferbar war. „Wir haben es dann aus Österreich besorgt und über eine Firma nach Irkutsk transportieren lassen. Der russische Zoll hat zwölf Tage gebraucht, um diese Sendung zu bearbeiten“, erzählt er. In dieser Zeit müsse man abschalten und sich den Gegebenheiten anpassen. Einen direkten Ablaufplan gebe es bei solch einem Urlaub sowieso nicht.

Jede Menge Abenteuer und romantische Sonnenuntergänge – die Crew hat einiges in Russland erlebt.

Jede Menge Abenteuer und romantische Sonnenuntergänge – die Crew hat einiges in Russland erlebt.

In der Mongolei, 250 Kilometer außerhalb von Ulan Bator im Niemandsland, zerbrach ein Teil der Radnabe, sodass eine Weiterfahrt völlig unmöglich war. „Dort mussten wir uns von unserem zweiten Auto trennen, weil es keinen Handykontakt mehr gab“, berichtet er. Der MAN sei daraufhin an eine Stelle gefahren, wo wieder „gefunkt“ werden konnte. Ein russischer Lkw habe die Crew dann mit nach Ulan Bator genommen.

„Wir haben dort versucht, das Ersatzteil zu beschaffen. Das war nicht möglich, weil die Handelsvertretung in Österreich Urlaub und der Hersteller in Italien Werksferien hatte. Einen Händler konnten wir aber im Urlaub erwischen“, erzählt er. Der schickte dann seine Mitarbeiterin in die Firma. Die brachte das Ersatzteil aus dem Lager nach Passau und schickte es von dort mit der Post nach Zittau. „Wir lernten in der Zwischenzeit in Ulan Bator einen jungen Mann kennen, der in Cottbus studiert hat. Der wiederum hatte einen Bekannten, dessen Schwester Stewardess war. Sie flog immer von Berlin nach Ulan Bator und wieder zurück“, erzählt er.

Über diesen Weg kam die Crew wieder an das Ersatzteil heran. Nach so vielen Kilometern in den „Knochen“ war Hans-Joachim Lust am Ende der Expedition froh, wieder zu Hause zu sein: „Es war ein schönes Gefühl, als ich die ,Hütte‘ verlassen konnte.“ Denn nach zwölf, 13 Stunden am Tag im Auto hatte der Geschäftsmann Probleme, wieder die Knie gerade zu bekommen. Von den circa 2.000 Fotos auf seiner Digitalkamera sortiert Hans-Joachim Lust sicher noch einige aus. Die nächste Tour ist aber in den Köpfen schon in Vorbereitung. Es soll in den östlichsten Zipfel von Russland gehen.

Könnte der Abenteurer auch ganz normalen Urlaub machen? „Ich habe mir auch schon in Frankfurt am Main die Sehenswürdigkeiten angesehen. Das halte ich aber nicht länger als eine Woche aus“, antwortet er.

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