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„Lausitzer“ bald im Portemonnaie?

von Frank-Uwe Michel – 20.09.2009

An Oder und Havel zahlen die Menschen damit ihre Einkäufe, in der Schweiz hat es eine bis ins Jahr 1921 zurück reichende Tradition: Regiogeld, das auch hierzulande bald eingeführt werden soll. Dazu hat sich der „Verein für regionale Wirtschaftsentwicklung“ gegründet, der von Görlitz aus die Region mit dem „Lausitzer“ beleben will.

Görlitz. Was Harald Twupack anpackt, hat in der Regel Hand und Fuß. Im Görlitzer Stadtrat hat das Wort des selbstständigen Unternehmers Gewicht, wenn es um wirtschaftliche Zusammenhänge und Entwicklungen geht. Vor einigen Monaten initiierte er zusammen mit Jens Bekersch die Ideenbörse – eine Plattform, mit deren Hilfe Chancen der Region diskutiert und neue Gedanken geboren werden sollen.

Sie sind die Gründungsmitglieder des Vereins für regionale Wirtschaftsentwicklung, der von Görlitz aus den „Lausitzer“ als Regiogeld in Ostsachsen etablieren will.

Sie sind die Gründungsmitglieder des Vereins für regionale Wirtschaftsentwicklung, der von Görlitz aus den „Lausitzer“ als Regiogeld in Ostsachsen etablieren will.

Erst jüngst hatte man wieder einen Geistesblitz, der zur Belebung der Wirtschaft im Territorium beitragen könnte – wenn er denn so funktioniert, wie sich das die Initiatoren vorstellen. Die haben inzwischen den „Verein für regionale Wirtschaftsentwicklung“ gegründet, dem in der Anfangsphase bereits zehn Mitglieder angehören. Ihr Ziel: die Herausgabe eines Regiogeldes. Nicht zu verwechseln mit echtem Geld, dessen Verwaltung dem Staat obliegt.

„Regiogeld – das sind eigentlich Gutscheine, die als Zahlungsmittel in den Geldkreislauf des Territoriums gegeben werden“, erklärt Michael Kröger, der Schatzmeister des neuen Vereins. Und die vor allem den Unternehmen auf die Beine helfen sollen, da das Geld auf Grund seiner lokalen Begrenzung nicht „abwandern“ kann. Harald Twupack: „Damit werden kleine Wirtschaftskreisläufe geschaffen, die den beteiligten Firmen durchaus helfen können.“

Im Moment befinden sich die Ideengeber des „Lausitzer“ – so soll das Regiogeld wahrscheinlich heißen – noch in der ersten Umsetzungsphase. „Wir wollen in den nächsten Wochen das Interesse der Bevölkerung und der Firmen ausloten, die letztlich die Sache in ihre Geschäftsabläufe mit aufnehmen müssen“, erläutert Twupack. Da die Verbreitung des Geldes von Görlitz aus in die Lausitz geschehen soll, will man zudem erforschen, wo die erste Ausbreitungsgrenze liegen kann. „Etwa 100 Akzeptanzstellen werden nötig sein, um das Ganze zum Laufen zu bekommen. Die wollen wir innerhalb eines Jahres beisammen haben“, nennt der Vereinschef das anspruchsvolle Ziel.

So könnte er aussehen, der „Lausitzer“. Hier noch im Entwurf, soll er in rund einem Jahr als Zahlungsmittel in der Region zur Verfügung stehen.

So könnte er aussehen, der „Lausitzer“. Hier noch im Entwurf, soll er in rund einem Jahr als Zahlungsmittel in der Region zur Verfügung stehen.

Twupack und Kröger sind sich sicher, dass durch den „Lausitzer“ eine neue Identifikation mit der Region entstehen kann. Ein Lokalpatriotismus, der Auswirkungen auf die Vielfalt und das Erblühen der hiesigen Unternehmen hat. Durch den festgelegten dreiprozentigen Wertverlust innerhalb eines Jahres wird zudem der schnelle Kreislauf des Regiogeldes gefördert. Die dadurch eingespielten Finanzen sollen gemeinnützigen Vereinen der Region zu Gute kommen.

Den Weg des „Lausitzer“ in die Herzen der Menschen schätzen die beiden Initiatoren als nicht einfach ein. „Dazu müssen wir Überzeugungsarbeit leisten, die Chancen des neuen Finanzsystems heraus stellen.“ Durch Gespräche habe man in den vergangenen Wochen jedoch gemerkt: „Das Interesse in der Bevölkerung ist groß.“ Die Leute sollten erkennen, dass das Regiogeld eine Möglichkeit sei, sich in den Zeiten der Globalisierung auch in einem begrenzten Territorium zu behaupten.

„Wenn wir nichts tun, gehen die kleinen Händler und Gewerbetreibenden irgendwann unter, weil die Konkurrenz durch Kaufhausketten, landes- und europaweit agierende Unternehmen, schließlich aber auch durch das Internet zu groß und erdrückend wird“, erläutert Twupack. Im Oktober soll das Projekt erstmals öffentlich vorgestellt werden. Ziel ist es dann, den „Lausitzer“ ab 1. Dezember 2010 zu den Menschen zu schicken.

Mehr Informationen unter:
www.lausitzer.net
www.ideenboerse-goerlitz.de

10 Kommentare

Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.
  1. So ein Quatsch …. anstatt etwas einfacher zu gestalten, soll es immer komplizierter werden!
    Wir hier in der Region haben doch eh schon drei verschiedene Währungen im Portemonnaie …. und nun noch dieser Unfug!

  2. Ich vermute, die beiden anderen Währungen sind ausländische und da liegt der vermeintliche Hase im Pfeffer. Mal genauer hinschauen.

  3. Was ist den überhaupt aus dem *Kamenzer* geworden?
    Diese Idee ist doch nicht neu! Vor einigen Jahren sollte
    doch auch schon der *Kamenzer* eingeführt werden.
    Nun hört man nichts mehr davon.

    Ich glaube nicht, dass sich die Idee durchsetzt. Ich glaube auch nicht, dass man damit der örtlichen Wirtschaft helfen kann.

    Die Betriebe auf der ganzen Welt sind so modern und so gut, dass sie in einem Jahr Produkte herstellen können, die wir in 10 Jahren nicht
    verbrauchen können. Trotzdem werden immer mehr hergestellt.
    Sehen wir uns doch die riesigen Auto-Halden an. Die alten
    *Neuwagen warten auf Käufer und es werden jeden Tag neue dazu hergestellt. Nun werden die Arbeiter entlassen und können sich erst recht keine teuren Produkte kaufen. Da hilft ihnen auch ein
    *Lausitzer* oder ein *Kamenzer* nichts. Sie brauchen
    Arbeit und einen angemessenen Lohn.

  4. Aus dem Kamenzer ist nichts geworden, richtig. Andernorts ist der Start dagegen durchaus gelungen. Wir sollten uns eher an den gelungenen Beispielen orientieren.

    Warum sollte zusätzliches Geld der Wirtschaft nicht helfen? Und wie kommen die Leute zu Arbeit und gerechtem Lohn? Könnte das nicht auch mit Geld zusammenhängen?

    Also. ich finde, dass sich einmal Querdenken zu dem Thema lohnt. Aber das ist natürlich jedem seine eigene Entscheidung…

    Im übrigen ist die Teilnahme ja freiwillig. Wers Quatsch findet, lässt es bleiben!

    Gruß
    Thomas Hempel

  5. Thomas, ich stimme Ihnen zu.

    Aber mit der Frage: “Warum sollte zusätzliches Geld der Wirtschaft nicht helfen?” komme ich nicht ganz zurecht.

    Hier geht es doch nicht um zusätzliches Geld. Sondern um vorhandenes mit einem anderen Namen. Oder, sehe ich das falsch.
    Mich persönlich trifft es weniger, weil ich durch eine Ungerechtigkeit (hier: siehe bzw. google *Petition 20.09.09*) an den Rand
    des finanziellen Ruins gedrängt wurde. Thomas, trotzdem würde ich mich freuen, wenn Sie mir bzw. uns erklären würden, welchen Vorteil der *Lausitzer* den Lausitzern aus Ihrer Sicht bringen würde?

    Mit freundlichen Grüßen

    Erhard Jakob

  6. Natürlich sind die anderen Währungen “ausländisch” …. wo gibt es denn schon in der zivilisierten Welt auch mehrere inländische Währungen. Sicher sowas ähnliches gibts z. B. in Cuba. Oder etwas vergleichbar war es auch vor Jahren in der Ostzone.
    Auf alle Fälle aber sind die von mir gemeinten Währungen hier in der Region (Euroregion Neiße!) im Umlauf …. daran sollte man mal denken.

  7. Hallo Herr Lange, schauen Sie doch bitte mal unter lausitzer.net nach. Unsere Initiative steht am Anfang. Jeder ist herzlich eingeladen, mitzumachen. Grundgedanke ist es, dem Menschen und den Unternehmen in unserer Region zu helfen. Wir würden uns freuen, wenn Sie Ihr Geld (oder vielleicht auch mal den Lausitzer) gezielt in unserer Region, bei unseren Händlern ausgeben. Ihr Händler um die Ecke wird es bedauern, wenn Sie Ihre neue Waschmaschine oder Dienstleistung in Zloty oder Kronen bezahlt haben. Sicherlich ein simples Beispiel und die Problematik ist viel komplexer zu betrachten. Ja, in schlechten Zeiten dreht man den EURO dreimal um. Aber: Bei näherer Betrachtung werden Sie feststellen, dass wir nicht nur Hilfe zur Selbsthilfe anbieten wollen. H. Twupack

  8. Ich gebe mein weniges Geld in “unserer” Region aus …. und ich gehe zu “unseren” Händlern und Dienstleistern .
    Nur ist es natürlich auch so, daß für mich die Region nicht plötzlich an einem Flüßchen namens Neiße oder an der Lausche endet, nur weil da ein anderes Staatsterritorium beginnt.

  9. Hallo Herr Lange, ein Lausitzer Regiogeld könnte ja genauso über Lausche und Neiße hinaus zirkulieren, wie wir es uns vorstellen. Wichtig ist mir dabei, ein Geld zu schaffen, was zuverlässig von Hand zu Hand geht, ohne ins Nirgendwo zu verschwinden. Zusätzlich ist dieses Geld insofern, als es die Landeswährungen ergänzt, und weiterhin, indem es durch Leistungen der Teilnehmer zusätzlich zur Landeswährung entsteht. Die Teilnehmer geben gemeinsam eine Gutscheinmenge heraus, die eben zum Einkauf bei diesen Geschäften berechtigt. Das Verfahren heißt Leistungsdeckung und wird unter anderem in Brandenburg (Potsdam), Sachsen-Anhalt und in Niedersachsen (Göttingen) mit Erfolg praktiziert. Nun eine ausführliche Erklärung wird wohl hier den Rahmen sprengen.
    Gruß
    Th. Hempel

  10. Mir ist das Thema Regiogeld nicht fremd …. und eine Zirkulation über derzeit bestehende Landesgrenzen wäre ein erheblicher Fortschritt.

    Beim Thema Region und Lausitz fällt mir dann aber auch gleich noch der LauReg als ebensolche Währung ein …. .

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