Bischofswerda, Vermischtes
Großer Bahnhof für einen kleinen Bahnhof
von Uwe Menschner – 18.12.2009Es war nicht das erste Mal, dass sich die Honoratoren der Stadt Bischofswerda und der Bautzener Landrat Michael Harig vor dem Bischofswerdaer Bahnhof trafen. Am vergangenen Mittwoch waren sie zusammengekommen, um das umgebaute Bahnhofsgebäude offiziell in Betrieb zu nehmen.
Bischofswerda. „Die Umgestaltung des Bahnhofsareals hat sich in mehreren Etappen vollzogen“, so der Landrat. Die erste Etappe umfasste die komplette Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes und wurde im Mai 2005 abgeschlossen. Seitdem steht am Bischofswerdaer Bahnhof eine nahezu lehrbuchmäßige „Übergangsstelle“ zwischen Bus und Bahn zur Verfügung.

Beim obligatorischen Bändchenschnitt dabei (v.l.n.r.): Christoph Mehnert (ZVON), Oberbürgermeister Andreas Erler, Landrat Michael Harig, MdL Patricia Wissel (CDU) und Georg Janetzki (ZVON).
Nach dem Erwerb des Bahnhofsgebäudes durch die Stadt Bischofswerda erfolgte der Abriss von großen Teilen des im 19. Jahrhundert entstandenen Gebäudes – eine Maßnahme, die nicht überall auf Zustimmung stieß und noch heute für teils kontroverse Diskussionen sorgt, wie auch die kleine Feierstunde zur Einweihung des Bahnhofsgebäudes deutlich machte. Der Bischofswerdaer Enrico Pelocke hatte in einem (nicht im Protokoll vorgesehenen) Redebeitrag den Abriss als „Schandtat“ bezeichnet und erklärt, man hätte lieber die alte Brandruine gegenüber dem Bahnhof wegreißen sollen, als „130 Jahre Eisenbahngeschichte zu vernichten.“
„Wenn unsere Vorfahren damals gewusst hätten, wie sich die Mobilität einmal entwickeln würde, dann hätten sie den Bahnhof sicher nicht in dieser Dimension errichtet“, entgegnete Landrat Michael Harig darauf. Dabei ist der Bischofswerdaer Bahnhof – ebenso wie Rom – nicht an einem einzigen Tag erbaut worden: 1845 entstand er zunächst etwa in den heutigen Dimensionen und erfuhr danach mehrere Umbauten, so 1883/84 für mehrere Wartesäle und das Bahnhofsrestaurant sowie 1934 für das Stellwerk.

Der Bischofswerdaer Bahnhof wird von wesentlich mehr Zügen frequentiert als beispielsweise der Bautzener.
An eine Besonderheit des Zugverkehrs in Bischofswerda, die es sogar in die Fernsehsendung Außenseiter-Spitzenreiter gebracht hatte, erinnerte Oberbürgermeister Andreas Erler: „Noch bis in die siebziger Jahre hinein brauchte man eine Bahnsteigkarte, um zu den Zügen zu gelangen.“
Ab 1994 begann der Bischofswerdaer Bahnhof, mehr und mehr Funktionen einzubüßen. Besonders heftige Diskussionen rief die Schließung der Toiletten hervor. Ab 2001 kam die Bahn in Bischofswerda ohne eigenen Fahrdienstleiter aus und erklärte das gesamte Bahnhofsgebäude für entbehrlich.
„Ich bin sehr dankbar, dass die Stadt Bischofswerda damals den Mut hatte, den Bahnhof zu erwerben – ein Beispiel, das als Vorbild dienen sollte“, wie Landrat Michael Harig einschätzt. Insgesamt flossen in die Umgestaltung des Bischofswerdaer Bahnhofes und seines Umfeldes 3,6 Millionen Euro (davon 75 Prozent vom Freistaat Sachsen und 25 Prozent vom ZVON). Ein letzter noch unerfüllter Wunsch ist die Sanierung des Obergeschosses, die erst bei entsprechendem Mieterinteresse erfolgen kann.

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