Kamenz, Vermischtes

Mit Fleiß und Glück zum Wirtschaftsstandort

von Katrin Geipel – 18.12.2009

Das bevorstehende Jahresende ist nicht nur ein Zeitpunkt, um einmal auf die vergangenen zwölf Monate zurück zu blicken. OLK-Redakteurin Katrin Geipel unterhielt sich mit dem Kamenzer Oberbürgermeister Roland Dantz auch über bevorstehende Aufgaben wie die für 2010 geplanten Investitionen und die Ausrichtung des „Tages der Sachsen“ im Jahr 2011.

Was freut Sie besonders, wenn Sie auf das vergangene Jahr in Kamenz zurückblicken?

Roland Dantz: Besonders stolz können wir darauf sein, dass sich in diesem Jahr wieder viele Bürgerinnen und Bürger ehrenamtlich, zum Beispiel in Vereinen, engagiert haben. Nur so war auch die Bewrbung für den Tag der Sachsen denkbar. Aber auch die kulturelle Ausstrahlung unserer Stadt hat weiter gewonnen und im Hinblick auf Investitionen ist eine ganze Menge angelaufen, auch wenn wir vieles davon schon als dauerhaft gegeben wahrnehmen. Insgesamt ist die Stadt im Jahr 2009 gut vorangekommen.

Der Kamenzer Oberbürgermeister Roland Dantz blickte zurück und auf bevorstehende Aufgaben.

Der Kamenzer Oberbürgermeister Roland Dantz blickte zurück und auf bevorstehende Aufgaben.

Zu den Höhepunkten 2009 zählt sicher auch der Zuschlag, den Kamenz für die Ausrichtung des „Tages der Sachsen“ 2011 erhalten hat. Welche Erwartungen haben Sie an dieses große Ereignis?

Roland Dantz: Wir richten unsere Stadt her wie eine Braut zum Hochzeitstag. Schließlich ist dieses Wochenende im September 2011 eine Hoch-Zeit für uns. Die Festvorbereitungen sind anstrengend, das weiß jeder aus seinem privaten Leben. Aber ich denke, dass wir für hunderttausende Sachsen und andere Gäste eine guter Gastgeber sein werden. Auf die Stadt und die Region hat so ein Festwochenende einen großen Effekt.

Erfreulich ist, dass dies Vielen schon bewusst ist und wir gar nicht für viel Zuspruch werben müssen. So hat sich die Domowina bereits mit uns verbündet, damit wir dem „Tag der Sachsen“ einen ganz besonderen kulturellen und auch zweisprachigen Akzent geben können, nicht nur weil es der 20. ist. Das wird ein Schwerpunkt sein, für den jetzt schon die entsprechenden inhaltlichen Vorbereitungen laufen. Ich denke, damit sind wir sehr früh dran.

Welchen Zeitplan haben Sie sich dafür gesetzt?

Roland Dantz: Für das Jahr 2010 stehen unmittelbar drei Schwerpunkte an. Einmal ist das die Vorbereitung unseres Auftrittes zum „Tag der Sachsen 2010“ in Oelsnitz. Bis Februar soll das Programm abgerundet sein. Dazu gehört der kulturelle Auftritt, den wir als darauffolgender Veranstalter zeigen, die Teilnahme am Festumzug mit drei bis fünf Schaubildern und schließlich die Staffelstab-Übergabe, die in Oelsnitz erfolgen wird.

Wir haben bereits pfiffige Ideen, die, um die Spannung zu erhöhen, aber noch nicht verraten werden sollen. Anschließend geht es schon in die „heiße Phase“ der Vorbereitungen für 2011. Da wird uns der Organisationsleiter, der zurzeit noch gesucht wird, längst zur Seite stehen. Auf der anderen Seite haben auch viele Bürger ihre Bereitschaft signalisiert, als Helfer zu arbeiten. Das freut mich sehr, gerade wenn ich an die Seniorenweihnachtsfeier zurückdenke, bei der die Kamenzer Senioren sofort ihre Hilfe zusicherten.

Außerdem haben wir starke Partner wie die Cityinitiative und MIT, die mit eingebunden werden. Und es gibt den Vorschlag, dass zusätzlich zur Projektleitung, die bewusst sehr schmal gehalten ist, um zügig Entscheidungen treffen zu können, ein Beirat installiert wird. Dieser Beirat wird offen sein als Ideenschmiede für alle interessierten Bürger. Im Januar wird es einen Termin mit den Bürgermeistern der Umlandgemeinden geben, auf die der „Tag der Sachsen“ auch einen Effekt hat. Auf deren Unterstützung sind wir aber auch angewiesen, unter anderem wenn es um Übernachtungsmöglichkeiten für die Gäste geht.

Noch im Dezember gibt es außerdem Gespräche mit den landwirtschaftlichen Nutzern, weil wir zum Beispiel für das Parken Felder in Anspruch nehmen wollen und sich die Landwirte beim Bestellen der Felder natürlich daran orientieren müssen.

Eine erste Aktion für den „Tag der Sachsen“ 2011 ist bereits angelaufen: die Suche nach einem Maskottchen.

Roland Dantz: Wir haben eigentlich mit 20 bis 30 Einsendungen gerechnet. Dass es inzwischen schon fast 150 sind, hätten wir nie zu träumen gewagt. Es ist schön, dass sich schon jetzt so viele für den „Tag der Sachsen“ einbringen wollen. Beteiligt haben sich Ältere und Jüngere, Kamenzer und Leute von außerhalb. Vor allem haben sich die Schulen und Kindereinrichtungen Gedanken gemacht. Die meisten Teilnehmer waren mit viel Herzblut dabei, haben nicht nur eine Skizze eingereicht, sondern auch noch Notizen dazu gemacht, um uns zu erklären, wie dieses oder jenes zu werten und einzusetzen ist.

Jetzt wird eine Jury berufen, und im Februar soll die Entscheidung über den Preisträger bzw. das Motiv getroffen werden. Dann wird feststehen, welches Maskottchen beim „Tag der Sachsen“ 2011 zum Einsatz kommt. Ich danke schon jetzt allen, die mit Leib und Seele daran beteiligt waren. Alle Teilnehmer sind Gewinner, völlig unabhängig wie die Maskottchenwahl letztendlich ausgeht.

Mittweida hat den Tag der Sachsen in diesem Jahr mit einem großen finanziellen Defizit abgeschlossen. Wie reagiert die Stadt Kamenz darauf?

Roland Dantz: Wir haben einen ersten Grobentwurf für die Finanzplanung erstellt. Unser Ziel ist es, dass sich die Ausgaben und Einnahmen decken. Ob wir dieses Ziel erreichen, weiß man immer erst hinterher. Eins machen wir allerdings: wir schauen sehr genau, welche Aufwendungen wir vielleicht in anderer Weise umsetzen oder sogar ganz weglassen können. Aber ich denke, dass der „Tag der Sachsen“ nicht nur das Heimatfest einer Stadt oder Region ist. Es ist ein Sachsentag. Und wenn das Wochenende, wie in Mittweida, sehr gut gelaufen ist und sich der Gastgeber auch würdig präsentiert hat, so ist es nur folgerichtig, dass man so eine Stadt auch von Seite des Freistaates aus nicht im Regen stehen lässt.

Wir müssen uns aber auch bei Mittweida bedanken. Die Organisatoren dort haben sehr offen über ihre Abrechnungen und Finanzen gesprochen und uns auch Ratschläge gegeben. Das versuchen wir natürlich zu beherzigen.

Wirtschaftlich hat sich während der vergangenen Monate in Kamenz Einiges getan. In Krisenzeiten ist das keine Selbstverständlichkeit.

Roland Dantz: Richtig. Das Jahr 2009 war für uns in wirtschaftlicher Hinsicht ein außerordentlich gutes. Zu nennen ist hier zum Beispiel die Entscheidung der Daimler AG, in Kamenz den Standort Deutsche ACCUmotive zu gründen. Wir verfolgen die Entwicklung im Automobilsektor, gerade wenn es um die Entwicklung von alternativen Antrieben und Systemen geht, mit großem Interesse. Wir freuen uns auch sehr, dass SachsenFahnen seine Betriebsfläche verdoppelt und damit den Standort weiterentwickelt. Und Jägermeister hat ebenfalls eine Investition in erheblicher Größenordnung geleistet.

Im Bereich des Verkehrslandeplatzes – mit den Aktivitäten des Geschäftsführers Arnold Bock – sind wir strukturell weitergekommen und konnten die Betreibung auf sichere Füße stellen, auch mit dem Engagement des Landkreises und des Fliegerclubs. So sind 2009 Basiswerte in Kamenz geschaffen worden, an die wir vielleicht vor drei oder vier Jahren noch gar nicht denken konnten. Letztlich ist es aber nicht die Verwaltung, die Arbeitsplätze schafft, sondern die Unternehmen selbst.

Sie finden in Kamenz allerdings ein großes kulturelles und sportliches Angebot sowie gute Beziehungen zu IHK und Handwerkskammer vor, die auch für die Wahl von Kamenz als Unternehmensstandort sprechen.

16 Monate ist es inzwischen her, dass Kamenz den Kreissitz aufgeben musste. Hat die Stadt nun ihre Position im neuen Landkreis gefunden?

Roland Dantz: Franz Müntefering hat einmal gesagt: „Opposition ist Mist.“ Damit hat er nicht ganz unrecht. Die Reform ist es auch und das Ergebnis sieht man. Dazu gibt es inzwischen – parteiübergreifend – einen Erkenntnisgewinn. Das Dilemma ist allerdings, dass die Reform nun einmal da ist. Die finanziellen Schwierigkeiten, die sich für 2010 ankündigen, haben in erheblichem Maße mit der Kreisgebietsreform zu tun. Betrachtet man den Altkreis Kamenz, so sieht man, dass zum Beispiel die Gebühren für Volkshochschule und Musikschule gestiegen sind.

Die Leute fragen sich natürlich, was bei der Reform unterm Strich für sie herausgekommen ist. Darüber kann man unterschiedlicher Meinung sein, aber Verbesserungen im Ergebnis der Reform sind so nicht sichtbar. Wohl aber spürbar ist, und das muss auch anerkannt werden, dass sich die Landkreisspitze sehr bemüht, die unterschiedlichen Regionen und damit auch die verschiedenen Menschenschläge zusammenzubringen. Und das kostet natürlich auch viel Kraft. Uns als Stadt ist klar, dass wir uns weiterentwickeln müssen zum Wirtschaftsstandort. Das geht nur mit viel Fleiß, Stehvermögen und natürlich einer großen Portion Glück.

Die in den zurückliegenden Zeiträumen gepflegte Sicht von Kamenz als nur Wohn- und Verwaltungsstandort ist für die Stadt völlig unzureichend. Dafür konnten von uns in den Jahren 2008 und 2009 schon große Zeichen gesetzt werden. Wir sehen uns aber auch in der Partnerschaft mit Hoyerswerda, Bautzen, Bischofswerda und Radeberg. Wir bilden – von Dresden bis Bautzen – eine Kette. Wenn zwischen den beiden großen Städten nichts ist, ist die Kette durchbrochen. In dieser Hinsicht versuchen wir Kamenz als „Kultur- und Wirtschaftsstandort“ zu setzen bzw. weiter zu profilieren.

Das spiegelt sich auch aktuell im nächsten Haushaltsplan der Stadt wider. Welche Projekte werden 2010 realisiert?

Roland Dantz: Beendet werden die Sanierungsarbeiten an der Wiesaer Grundschule sowie an den Turnhallen in Wiesa und der Grundschule am Forst. Damit sind unsere Grundschulstandorte wirklich tiptop in Ordnung. Das freut mich an dieser Stelle ungemein. Bis in das nächste Jahr hinein wird auch im Herrental der Abriss und damit die Renaturierung weitervorangetrieben. Außerdem soll der Hutbergturm aufgestockt und letztendlich bis Januar die Sanierungsarbeiten am Hutberghaus geleistet werden. Damit ist das Haus von der Grundstruktur her in Ordnung.

Auch die Sanierung der Hutbergbühne – die Kosten liegen bei fast 900.000 Euro – wird bis zum Mai 2010 abgeschlossen. Dann ist die Bühne, die 10.000 Zuschauer fasst, in einem neuen Kleid zu erleben. Auf dem Plan stehen aber auch diverse Sanierungen an Kindereinrichtungen, zum Beispiel eine städtische Beteiligung am 1. Bauabschnitt im Kinderhaus AWO an der Neschwitzer Straße.

Ein ganz wichtiges Vorhaben ist das weitere Voranbringen des Radweges zwischen Thonberg und Kamenz bis zur Kreuzung Nebelschützer Straße. In der Innenstadt wird in der Elstraer Straße und am Malzhaus gebaut. Ein weiteres Vorhaben ist die Jesauer Straße zwischen dem ehemaligen Altersheim bis in die Ortslage hinein. Im Rahmen der Ansiedlung im Gewerbegebiet am Ochsenberg wird das Straßennetz mit einer Planstraße parallel zum Terrain der Firma Jägermeister erweitert.

Auch ein grundhafter Ausbau entlang der Scheunen an der Königsbrücker Straße steht an. Dort geht es um einen Fußweg, möglicherweise auch um einen Radweg in Richtung Hutberg. Das sind Dinge, die ein Stück weit schon mit dem „Tag der Sachsen“ mitschwingen. Hinzu kommt, dass wir das Lessing-Museum durch eine neue Dauerausstellung aufwerten. Das ist möglich durch Unterstützung des Freistaates und des Bundes, der Ostsächsischen Sparkasse und durch städtische Mittel.

Nicht erst mit Weihnachtsmarkt und Spectaculum hat die Weihnachtszeit in Kamenz Einzug gehalten. Wie wird denn der Heiligabend in der Familie Dantz gefeiert?

Roland Dantz: Die Kinder kommen und es gibt Kamenzer Würstchen mit Kartoffelsalat. Davor geht es natürlich noch zum Hosianna-Singen auf dem Kamenzer Marktplatz.

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