Bautzen, Sport
Sechs Kurven auf 260 Meter und derzeit geschlossen
von Monika Lenz – 29.01.2010 „Unsere Mitarbeiter sind zur Zeit an der Bahn beschäftigt. Bitte rufen Sie später an …“ Doch auch später nützt nichts. Denn die Bautzener Rodelbahn ist geschlossen. Die Mitarbeiter, die eigentlich an der Bahn beschäftigt sein müssten, gibt es nicht mehr.
Schon seit November nicht. Und damit ist derzeit die Zukunft der Bautzener Rodelbahn völlig unklar. „Es laufen Gespräche mit dem Landratsamt. Wir versuchen wieder, jemand als Ein-Euro-Jobber zu bekommen“, sagt Bernd Fritzsche.

Die Rodelbahn in Bautzen: Derzeit ist Winterpause. Allerdings steht noch nicht fest, ob und wie es im Frühjahr weitergeht.
260 Meter ist die Betonrodelbahn in Bautzen lang, sechs Kurven und 9,6 Prozent Gefälle fordern die Rodler heraus. Eine elektronische Zeitmessanlage sorgt für Genauigkeit bei der Tempobestimmung. Im Winter kann hier nicht gerodelt werden. „Wir bekommen den Schnee nicht aus der Bahn“, erklärt Bernd Fritzsche. Die verwendeten Rodel haben auch keine Kufen, sie verfügen über Räder.
1987 begann der Bau der Bautzener Rodelbahn, im November 1989 war sie fertig gestellt. Klaus Pokorny – einer der von Anfang an dabei war – erinnert sich gern daran. „Bernd Hahn, der Weltmeister im Doppel, war einer der ersten Starter.“ Und die Bautzener stellten einige Spitzensportler. Viel Gold und Silber gab es über die Jahre hinweg für die Jugendmannschaften. 2001 holte der ehemalige Bautzener Sebastian Schmidt im Doppel bei den Deutschen Meisterschaften Gold. Derzeit trainieren noch zehn Kinder und Jugendliche in Bautzen. Vorausgesetzt, die Bahn wird wieder geöffnet.
Die derzeitige Entwicklung sieht Klaus Pokorny mit Sorge: „Wenn an der Bahn nichts gemacht wird, verwildert alles“, befürchtet er. Das sieht auch Bernd Fritzsche so. Das Gelände müsse gepflegt werden. „Sobald man hier nichts mehr tut, ist es vorbei“, ist er überzeugt. Er habe das am Beispiel von Oybin erlebt. Damals habe er gleich angefragt, als die Bahn geschlossen wurde, ob man die Ausrüstung übernehmen könne. „Da hieß es, die brauche man noch selbst“, erinnert sich Fritzsche. Kurz darauf habe er sie im angrenzenden Gelände gefunden. „Alles kaputt, zerschlagen, zerstört.“
Derzeit fragen viele Schulen und Privatleute an, wann man wieder rodeln könne. „Da müssen wir aber momentan mit den Achseln zucken“, sagt Fritzsche. „Wir wissen es einfach noch nicht.“ Was er genau weiß, ist, wie beliebt die Rodelbahn auch für Familienfeiern ist. Sogar von Görlitz kommen sie regelmäßig hierher. Hier gibt es nicht nur ein Volleyballfeld, einen Bolzplatz und einen Grillplatz, sondern auch einen Raum für bis zu 60 Personen.
Das alljährliche Hexenbrennen gehört zur Tradition. Die älteste Rodlerin auf der Bahn war über 80 Jahre alt. Sie ist noch immer mit Foto im Informationskasten verewigt. Jetzt hofft Bernd Fritzsche erst einmal auf eine Lösung im Februar. Dabei wirkt er allerdings noch etwas skeptisch: „Wenn wir niemanden bekommen, der sich um die Anlage kümmern kann, geht alles kaputt.“

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