Bautzen, Vermischtes
Weißdorn und Schilf via Satellit Landsat
von Monika Lenz – 29.06.2010„Hier entlang führt die Schneise, daneben sieht man die ehemalige Kirschplantage.“ Jakob Anders zeigt mit dem Finger auf ein Satellitenbild auf seinem Monitor. Grüne Flächen wechseln sich mit grauen und gelben ab. Der Achtklässler ist Teilnehmer des Projekts „Satellitengestützte Umweltbildung in der Oberlausitz“.
Bautzen. „Denn bewahren kann man nur, was man kennt.“ Das steht als Motto über dem auf zwei Jahre angelegten Modellprojekt des Christlich-Sozialen Bildungswerkes (CSB). Die sorbische Mittelschule Bautzen ist eine von sieben Schulen, die daran teilnehmen.
Was da so sperrig klingt, kommt sehr naturnah rüber. Denn neben der Arbeit am Computer ist vor allem die Arbeit draußen gefragt. Pflanzen werden gesichtet, kartographiert, in eine Datenbank eingestellt. Online ist diese für alle erreichbar. So erfährt man, dass man am Litzenteich Schilf, Sauerampfer und Kornblumen findet. Im Dubringer Moor gibt es Traubenkirschen und Buschwindröschen, östlich von Bautzen und südlich von Auritz eingiffligen Weißdorn. Klickt man auf die Nummer der kartographierten Pflanze, erhält man den kompletten Steckbrief.

Einmal in der Woche beschäftigen sich die Achtklässler der sorbischen Mittelschule mit dem Projekt. Gerade versucht Franz Bundschuh eine Aufgabe seiner Geographielehrerin Heike Haupt zu lösen. Er soll herausfinden, wie groß der Satellit Landsat ist, von dem die verwendeten Bilder stammen. Über Wikipedia kommt er allerdings nicht heraus. Die kompletten Daten gibt´s da nicht. Erst über die amerikanische Suchmaschine Google.com wird es wärmer. Die NASA-Seite schließlich verrät, dass er 4,30 Meter lang ist, einen Durchmesser von 2,80 Meter hat und 2.200 Kilogramm wiegt.
Franz arbeitet gern in dem Projekt. Auch wenn es viel Zeit verschlingt. Eins von seinen wöchentlich vier Hockey-Trainings muss er dafür regelmäßig absagen. Dafür kann auch der Einsatz draußen zum Training werden. So wie neulich, als die Gruppe ein Loch buddeln musste, um den pH-Wert im Boden zu bestimmen. „Es war total heiß, feucht, sehr anstrengend, mitten in der Sonne“, erinnert sich Franz Bundschuh. Dennoch: „Es ist schon in gutes Gefühl, wenn man weiß, dass die Daten auch durch meine Forschung gesammelt worden sind“, sagt er. Das sieht Thoral f Colin Jung genauso. Auf ihn ist die Biologierlehrerin zugekommen, hat gefragt, ob er mitmachen würde. „Meist ist es sehr interessant“, meint er.
Daten über die Umwelt sammeln, draußen und mit Hilfe der Satellitenbilder – das ist das eine Ziel des Projekts, das Eva-Maria Keschke leitet. Mindestens genauso wichtig sei, die Stärkung der sorbischen Sprache und das Arbeiten am Computer und im Internet.
„Alle Daten werden zweisprachig gespeichert“, erklärt die Geologin. „Man findet auf der Homepage also nicht nur die deutsche, sondern auch die sorbische Version.“ Und natürlich die lateinische.
Mehrere Lehrer betreuen die Schüler – neben der Geographie- und der Bioloielehrerin kümmert sich Katrin Ernst als Informatiklehrerin um den technischen Bereich. Eva-Maria Keschke schließlich koordiniert für das CSB die teilnehmenden Schulen.
„Das ist eine ganz andere Art, seine Heimat und Umgebung kennen zu lernen“, sagt sie. „Wenige Jugendliche gehen heute noch raus, meist sitzen sie nur noch am Computer. Aber hier bekommen wir sie über die Arbeit am Computer, mit Luftbildern und Internet raus in die Natur, wo sie dann direkt weiter forschen“, fügt sie hinzu.
Eine Sache, die sie gern auch nach den zwi Jahren weiter führen würde. Nicht nur, weil die jungen Oberlausitzer auf diese Art ihre Region erfahren. Auch, weil noch keiner all die Daten erfasst hat, die da gesammelt werden. Eva-Maria Keschke: „Mit Hilfe dieses Datenbestandes kann man später sehr gut vergleichen, ob und wie sich die Region verändert.“

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