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Bürgerarbeit als Modell im Landkreis
von Monika Lenz – 17.07.2010„Es ist unser täglich Brot“, sagt Peter Spendler vom Amt für Arbeit und Soziales in Bautzen. „Aber diesmal gibt es ein konkretes Ziel.“ Das Ziel heißt Vermittlung in die Bürgerarbeit. Und ab Mitte Juli soll das im Kreis Bautzen möglich werden.
Landkreis. Als eine von 197 Regionen in Deutschland ist der Kreis Bautzen daran beteiligt. Das Konzept: Langzeitarbeitslose, die keine oder schlechte Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt haben, sollen im gemeinnützigen Bereich sozialversicherungspflichtig beschäftigt werden. Voraussetzung: Die Tätigkeit darf keine regulären Jobs verdrängen.
Konkret könnten das Jobs als Begleitservice für Ältere und Behinderte sein. Oder auch die Unterstützung von Übungsleitern, die Essenausgabe bei Mittagstischen für Bedürftige oder das Anlegen und die Pflege von Naturlehrpfaden.
„Es war kaum bekannt, dass wir das im Kreis machen werden, da hatte ich schon die ersten Interessensbekundungen“, sagt Peter Spendler, Leiter des Arbeitgeberservice im Bautzener Amt für Arbeit und Soziales AFAS. Kommunen und große namhafte Verbände hätten sich bereits gemeldet. Aber auch von Arbeitnehmerseite habe er schon Anrufe erhalten.
„Die Leute wollen was tun, die wollen raus und wieder nützlich sein“, sagt Peter Spendler. Wie viele diese Chance erhalten werden ist derzeit noch unklar. Deutschlandweit sind für dieses Projekt 34.000 Plätze geplant. Bis 2014 soll das Projekt vorerst dauern. In den ersten drei Phasen, die etwa sieben Monate dauern, sollen die Menschen fit für den ersten Arbeitsmarkt gemacht werden. „Etwas, das wir ohnehin tagtäglich versuchen“, sagt Peter Spendler.
Erst nach diesem Zeitraum beginnt die eigentliche Bürgerarbeit, dann erst gibt der Bund auch Geld für das Projekt. „Können wir den Betreffenden nicht in den ersten Arbeitsmarkt vermitteln, dann bieten wir ihm eine Stelle in der Bürgerarbeit an“, erklärt Spendler.
Wer eine solche Stelle bekommt, hat eine 30-Stunden-Woche, bekommt dafür 900 Euro und damit einen Mindestlohn von 7,50 Euro. Der Arbeitgeber erhält 180 Euro, mit denen er die Sozialausgaben bestreitet.
Peter Spendler rechnet mit einem regelrechten Andrang auf solche Stellen. „Das ist für die meisten unserer Kunden eine gute Chance. Für sie ist es großartig, bringt ihnen nicht nur Geld, sondern auch Selbstvertrauen“, meint er.
Dass irgendjemand daraufhin seinen Leistungsanspruch abmeldet, wie es in einer Modellregion in Bayern passiert sein soll, glaubt er nicht. „Im Gegenteil, ich denke, dass die Menschen hier froh sind, wenn sie Bürgerarbeit machen können.“ Denn klar ist nicht nur ihm: „Wir haben einfach zu wenige Stellen im ersten Arbeitsmarkt. Wir versuchen zwar alles, aber in dieser Region ist es nun mal sehr schwer.“
Die Folgen der Dauerarbeitslosigkeit sind bekannt, und sie haben die Politiker offenbar alarmiert. Von dem Projekt versprechen sie sich nicht nur, dass Arbeitnehmer langfristig ihre Qualifikation behalten.
So sollen auch die gesundheitlichen und sozialen Folgekosten, die durch Arbeitslosigkeit entstehen, wie Alkoholsucht, Isolation oder psychische Störungen, reduziert werden. „Die Menschen erhalten ihre Würde zurück“, sagt Peter Spendler, der ein ähnliches Projekt bereits vor vier Jahren betreut hatte, das „Bautzener Modell“. „Erfolgreich“, sagt er.
Von der Bürgerarbeit verspricht er sich zwar keine Wunder. Eine zielgerichtete Förderung und Vermittlung der Kunden allerdings schon. Und dafür werden die AFAS-Mitarbeiter demnächst die ersten Kandidaten ansprechen.
Peter Spendler: „Wir werden schauen, welche Fortbildungen oder Qualifikationen sind nötig. Dann können wir die Menschen konkret darauf vorbereiten.“

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