Bautzen, Nachrichten

Kälber im Kreis doch Beute von Wölfen?

von Monika Lenz – 24.07.2010

Es war eine verregnete Nacht in Niedergurig, die Nacht zum 27. Mai. Viele Rinder hatten sich unter die Bäume verzogen, um etwas gegen den Regen geschützt zu sein. Auch ein drei Wochen altes Kalb. Das wurde ihm möglicherweise zum Verhängnis.

Niedergurig. Gertraude Jurk erinnert sich noch, wie ihr Enkel Gabriel sie rief. Sie solle sich das ansehen. Und dann sah sie die Überreste eines Kalbs, außerhalb der Koppel. Nicht so sehr das halb aufgefressene Kalb machte sie stutzig. Es war vielmehr das Verhalten der Herde. Die Kühe, die sonst friedlich sind und auf Zuruf kommen, zeigten sich extrem aggressiv. „Wir konnten nur mit Traktoren in die Koppel, die haben uns nicht rangelassen“, erzählt die Bäuerin.

Gabriel Jurk vor der Herde Charolaisrinder in Niedergurig. Schon zwei Kälber sind auf ominöse Weise ums Leben gekommen. Sowohl er als auch seine Großmutter Gertraude Jurk glauben, dass der Wolf sie gerissen hat. Das Wolfsbüro geht dagegen von Krankheiten aus.

Innerhalb der Koppel, nahe an der Stelle wo Gabriel Jurk den Kadaver des Kalbs gefunden hatte, war das Gras zertrampelt. „Es sah aus, als wären viele Kühe an dieser Stelle gewesen“, sagt Gertraude Jurk. Und ihr Geschäftspartner Siegfried Wetzel fügt hinzu: „Als hätten sie versucht, das Kalb zu retten. Aber wegen des Elektrozauns konnten sie nicht heran.“ Der Verdacht, dass der Wolf das Kalb geholt hatte, war sofort da. „Was sollte das sonst sein“, fragt Gertraude Jurk.

Sie rief beim Wolfsbüro an, das schickte einen Gutachter. Der gab später Entwarnung. Das Ergebnis: Das Tier sei nicht gerissen worden, sondern vermutlich eines natürlichen Todes gestorben. Erst danach seien Aasfresser herangegangen, wie Füchse oder Marder. „Nach dem Ablösen des Fells zeigte sich, dass keine Unterhautblutungen vorhanden waren, was ein eindeutiges Indiz dafür ist, dass das Kalb nicht zu Lebzeiten gebissen wurde, sondern die Fraßverletzungen erst nach dem Tode entstanden sind“, sagt Jana Schellenberg vom Wolfsbüro.

Genau das aber bezweifeln Gertraude Jurk und Siegfried Wetzel. „Der Wolf hat sich das schwächste Kalb aus der Herde geholt.“ Und obwohl die Landwirtin reagierte – seither dürfen die Kälber erst mit mindestens acht Wochen auf die Weide, weil sie sich dann nicht zu weit entfernen – ist es noch einmal passiert. Am 1. Juli wurde erneut ein Kalb gerissen. Diesmal sogar mitten auf der Koppel. Ein Zwillingskalb. „Normalerweise lassen die Kühe nichts an ihre Kälber ran“, sagt Siegfried Wetzel. Nicht einmal der Hund dürfe in die Koppel.

„Vermutlich war die Mutter abgelenkt, hat sich um den einen Zwilling gekümmert, so dass der Wolf sich den anderen holen konnte“, sagt Manfred Uhlemann, Vize-Hauptgeschäftsführer des sächsischen Landesbauernverbandes. Er geht klar davon aus, dass beide Kälber von Wölfen gerissen wurden. Jetzt sucht er das Gespräch mit dem Ministerium. „Wir müssen versuchen, eine Regelung für die Bauern zu finden“, sagt Uhlemann. Unbedingt müsse die Beweislast umgekehrt werden. Es könne nicht sein, dass die Landwirte verpflichtet seien, nachzuweisen, dass ein Wolf die Tiere gerissen hat. „Es muss doch umgekehrt sein. Der Staat muss beweisen dass es kein Wolf war.“

Das hat das Wolfsbüro versucht. In allen sechs bisher bekannten Fällen, bei denen Kälber tot aufgefunden wurden, seien Wölfe ausgeschlossen worden, sagt Jana Schellenberg. Alle Verletzungen seien nach dem Tod zugefügt worden. Doch auch hier meldet Manfred Uhlemann Zweifel an. „Hier wird scheinbar alles dafür getan, dass der Wolf als Verursacher ausgeschlossen wird“, sagt Uhlemann. „Wie kann man sonst erklären, dass der Gutachter das Fell abzieht? Würge- und Bissspuren sind somit überhaupt nicht mehr nachzuvollziehen.“ Auch die Landesuntersuchungsanstalt könne dann nicht mehr viel untersuchen.

Sein Rat an betroffene Landwirte: Statt des Wolfsbüros sollen sie beim Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie anrufen. „Die dortigen Gutachter sind hoffentlich objektiv.“ Uhlemanns Misstrauen basiert auf seinen bisherigen Erfahrungen. „Hier wird alles getan, um eine Diskussion um Wölfe, die Rinder reißen, zu unterbinden“, sagt er. Die Landwirte trauten sich schon gar nicht mehr den Mund aufzumachen. „Da geht die Angst um“, meint Uhlemann. Für ihn ist klar: Die derzeitige Situation dürfe nicht zu Lasten der Tierhalter gehen.

Das sieht auch Gertraude Jurk so. Den Kadaver des zweiten Rindes hat sie obduzieren lassen. Das Ergebnis: halbkreisförmier Substanzverlust am rechten Hals, leichte Rötung der Subkutis, eitrige Peritonitis und fibrinöse Abomasitis. Oder auf Deutsch: Das Kalb hatte einen Biss am rechten Hals, die Unterhaut war leicht gerötet. Außerdem wurden eine eitrige Bauchfellentzündung und eine zähflüssige Labmagenentzündung festgestellt. Und obwohl die Rötung auf eine Blutung der Unterhaut hindeutet, die laut Jana Schellenberg ein Hinweis darauf ist, dass das Kalb zu Lebzeiten gebissen wurde, heißt es abschließend im Protokoll der Landesuntersuchungsanstalt Dresden, die Bissverletzungen seien nach dem Tod zugefügt worden.

Ein Ergebnis, das sich mit der Statistik des Wolfsbüros deckt. Auch in den vergangenen Jahren wurden in Sachsen vereinzelt tote Kälber an das Wolfsmanagement gemeldet. In keinem dieser Fälle – so Jana Schellenberg – seien Wölfe die Verursacher gewesen. „Bei der Tierseuchenkasse Sachsen werden übrigens die Krankheiten, die in den letzten Jahren in Sachsen an Rindern und anderen Nutztieren aufgetreten sind, erfasst. Daraus geht hervor, dass das Verenden von Kälbern auf Grund von Krankheiten keine Seltenheit ist“, so Schellenberg weiter.

Sie beruft sich auf einen Bericht der Tierseuchenkasse 2009 Darin heißt es: „Auffällig war weiterhin, dass sich 33% der Kälber in einem sehr schlechten Ernährungszustand befanden und/oder starke Austrocknungserscheinungen aufwiesen.“ Das war bei beiden Kälbern in Niedergurig allerdings nicht der Fall. So wird im Untersuchungsprotokoll der „gute Ernährungszustand“ des Kalbes bescheinigt. „Wir haben nur starke Kälber“, sagt Siegfried Wetzel. Trotz seiner 37,5 Kilogramm sei dieses Kalb dennoch eines der Schwächeren gewesen. „Und das hat sich der Wolf geholt, ergänzt Gertraude Jurk.

Daran besteht auch für Enkel Gabriel kein Zweifel. Allein die Tatsache, wie aggressiv die Tiere in der Folge waren, sei ein klares Zeichen. „Wenn ein Kalb stirbt, darf man es zum Beispiel nicht gleich wegschaffen“, erzählt er. „Die ganze Herde steht darum herum und trauert dann.“ Wenn man ihnen diese Zeit nicht lasse, könne es passieren, dass man von der Weide gejagt werde. „Dass sie nach den Rissen so aggressiv waren, zeigt, dass da ein Räuber gewesen sein muss. Und sie haben hilflos zuschauen müssen, wie er das Kalb gefressen hat“, so Gabriel Jurk.

Für Gertraude Jurk stellt sich nun das Problem, wie sie künftig in einem solchen Fall verfahren soll. „Was soll ich tun, wenn der Wolf wieder ein Kalb holt? Und das wird passieren“, prophezeit sie. Mal abgesehen vom wirtschaftlichen Schaden, der bei 400 bis 700 Euro pro Kalb liegt, fürchtet sie, dass ihre Kühe vor Angst verrückt werden könnten. „Noch kommen sie, wenn wir rufen“, stimmt Siegfried Wetzel zu. „Aber wie lange noch?“

71 Kommentare

Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.
  1. Im Artikel wird fortwährend von “Rissen” gesprochen, von “klaren Zeichen”, dass der böse Wolf die Kälber geholt hat, obwohl alle Untersuchungen das wiederlegen. Da werden Verschwörungstheorien bemüht: „Hier wird scheinbar alles dafür getan, dass der Wolf als Verursacher ausgeschlossen wird“. Wenn das keine Stimmungsmache ist! Etwas mehr Objektivität wäre angebracht.

  2. Aus meiner Sicht war es keine gute Idee, in einem so dicht besiedelten Gebiet, wie es Sachsen bzw. Deutschland nun mal ist, Wölfe anzusiedeln. Solange sie noch Schafe und Kälber reißen mag es ja noch gehen. Doch wenn der Hunger die Wölfe die Scheu vor dem Menschen verlieren läßt, wird es schlimm. Auch die Beweislast bei halb aufgefressen Haustieren, den Tierhalter aufzuerlegen, ist eine schlimme Lage. Wenn ein Gutachter von der einen Stelle den Wolfsriß bestätigt. Kommt anschließend ein anderer, der das wieder anders sieht. Die Verlierer ist nicht immer die Rechthabenden sondern immer die finanziell Schwächeren. In den meisten Fällen sind es die Tierhalter.

  3. Mir stellt sich da ehrlich gesagt doch die Frage, wie verbohrt diese Landwirtin sein kann. Nicht nur, dass das Wolfsbüro xmal Wolfsrisse bei Schafen, Ziegen etc. bestätigt hat, wenn es denn welche waren, somit also anscheinend absolut ehrlich ist; auch das Ergebnis der Obduktion, welche sie selbst in Auftrag gegeben hat, wird jetzt einfach ignoriert und weiter von Wolfsrissen geredet? Autsch. Das ist schon bemerkenswert ausdauernde Ignoranz der Fakten.

    Nebenbei, die Wölfe in der Lausitz wurden keineswegs angesiedelt, was ja einen Eingriff des Menschen bedeuten würde, sie sind einfach aus Polen eingewandert und geblieben, weil sie ausreichend gute Lebensbedingungen vorgefunden haben. Und die Schäden an Nutztieren sind, aufgrund der besseren Aufklärung seitens der Behörden und des Wolfsbüros = besserem Schutz auch sehr stark zurückgegangen, dazu gibt es offizielle Zahlen.
    Es wurden schon Hunderte von Schäden anstandslos erstattet, wenn der Vorwurf begründet war, warum also nun diese Hetze?

    Verwirrte Grüße

  4. Erschreckend ist ja eigentlich schon, dass 1/3 der Kälber in einem schlechten Ernährungszustand sind. Das sollte doch mehr zu denken geben, als dass der Wolf ein oder zwei Kälber frisst.

  5. Hallo Ash, was Sie als *Hetze* bei der Frau werten, werte ich nun wieder als *Suche nach der Wahrheit*. Für Sie steht zweifelsfrei fest: “Es war kein Wolf!* Die Bäuerin hat hingegen Zweifel und bemüht sich nun um Aufklärung. Was mich betrifft, habe ich ebenfalls Zweifel an der Annahme, dass das Kalb anderweitig gestorben ist und Füchse und andere Aasfresser es so zugerichtet haben. Ich kenne die Wahrheit nicht. Deshalb kann es schon möglich sein, dass es so ist. Aber ich würde mich auch darum bemühen, dass die Sache aufgeklärt wird und die Wahrheit ans Licht der Öffentlichkeit kommt. Diese Bemühungen mit *Hetze* gleich zusetzen, trifft Meinung nach etwas am Ziel vorbei.

  6. Luc, hier geht es doch nicht darum, dass der Wolf ein oder zwei Kälber frißt. Ich wünsche ihm doch einen guten Appetit. Hier geht es doch vorallem darum, wer das Futter für den Wolf bezahlt. Den Tierhaltern wurde im Vorfeld eine unbürokratische Entschädigung bei Wolfsriss zugesagt. Und nun muss der Tierhalten bei jedem Schaf oder bei jedem Kalb durch alle Instanzen ziehen. Darum geht es doch. Auch ich spreche mich dafür aus, dass der Staat in solch einem Fall beweisen muss, dass es kein Wolfsbiss war. Ein Gutachter, der vom Staat bzw. vom Wolfsverein bezahlt wird, wird aber natürlich auch dementsprechend *gutachten*. Und der Tierhalter kann in aller Regel keinen Gutachter bezahlen und so sieht es für die Tierhalter und Bauern recht mies aus.

  7. Hallo Herr Jakob,
    wenn zweimal Fachleute attestieren, dass es eben kein Wolf war, sondern das Kalb schon vor den Bissverletzungen schwer krank war, welche Wahrheit wollen Sie denn dann noch suchen? ;-) Die, die denen gefällt, die den Wolf schuldig sehen wollen, so wie die gute Frau, der das Kalb gehörte? Ich möchte Ihnen zumindest da kein Unrecht tun, aber wenn man alles, was der eigenen Meinung widerspricht, einfach ignoriert und hofft, irgendwo dann doch noch eine Zustimmung zu finden unter kompletter Ausblendung des Offensichtlichen, dann finde ich das befremdlich, und ja, es hat auch etwas von Hetze, wenn man diese eigentlich längst haltlose Meinung auch noch publik macht. Sowas schürt Stimmungen, die nicht notwendig sind. Wenn da keine tödlichen Bissverletzungen sind, dann muss ergo das Kalb an etwas anderem gestorben sein. Aber wenn Sie der Begriff an sich stört, benutze ich auch gern stattdessen das Wort “Stimmungsmache”.

    Wenn es der Wolf gewesen wäre, ist es schade um das Kalb, aber der Lauf der Natur; dann wird entschädigt und das Leben geht weiter (man könnte sogar fragen, ob die Entschädigung letzten Endes nicht sogar vorteilhafter gewesen wäre als ein bereits erkranktes Kalb, welches wahrscheinlich bald nicht mehr verkäuflich gewesen wäre oder zumindest für teures Geld hätte behandelt werden müssen).

    Wenn er es nicht war – und danach sieht es ja nunmal aus – dann sollte man das einsehen und es darauf beruhen lassen, statt nachträglich weiter in der Presse mit Schreckgeschichten hausieren zu gehen. Es gibt genug Uninformierte, die mit falschen Wahrheiten die Menschen verunsichern, statt das Tier neutral als das zu sehen, was es ist – ein Tier, nicht bösartig, kein Killer, sondern ein scheues Wildtier. Jeder freilaufende Hund ohne Aufsicht macht mir mehr Angst – der hat nämlich keine Scheu vor mir, der Wolf schon. Respekt? Sicher. Angst? Nein.

    P.S.: Ich hoffe, meine Aussage bzgl. der Ansiedlung konnte mittlerweile von Ihnen verifiziert werden? Leider sind Sie nicht mehr darauf eingegangen.

  8. In der Hoffnung, dass der Beitrag drin bleibt, möchte ich noch etwas zum *Gutachter* sagen. Ich habe eine zweifelhafte amtliche Urkunde bekommen und zu diversen Sachverständigen geschickt. Rückmeldung: *Es bestehen erhebliche Zweifel an der Richtigkeit der Urkunde.* Eine kommt sogar aus der Schweiz und hat mich damals fast 700 DM gekostet. Knackpunkt ist hierbei nicht der Text sondern der Erstdruck des Formulares. 50% der *Gutachter* haben festgestellt, dass die besagte Vordrucke im Jahre 1991 das erste Mal gedruckt und verwendet wurde. Das bedeutet, dass die Urkunde aus dem Jahre 1992 nicht notgedrungen eine Fälschung sein muss. Aber 50 % der *Gutachter* haben wiederum festgestellt, dass die besagten Vordrucke erst 1994 das erste Mal gedruckt und verwendet wurden. Das bedeutet wiederum, dass die Urkunde aus dem Jahr 1992 notgedrungen eine Fälschung sein muss. Nun habe ich kein Geld mehr weitere *Gutachter* zu beauftragen. Ende.

  9. Tote Kälber in Niedergurig nicht von Wölfen gerissen – Leserbrief zum Beitrag „Kälber in der Region doch Beute von Wölfen?“

    Der Beitrag „Kälber in der Region doch Beute von Wölfen?“ im Niederschlesischer Kurier vom 24.07.10 ist nicht objektiv und fehlerhaft. Durch die Art und Weise der Berichterstattung wird beim Leser der Eindruck erweckt, dass es glaubhafte Belege dafür gebe, dass die am 27.05.10 und 01.07.10 in Niedergurig tot aufgefundenen Kälber von Wölfen gerissen seien, während das Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz in Rietschen dies vertuschen will. Das ist jedoch nicht der Fall, denn die Mitteilung des Kontaktbüros, dass die Kälber nicht von Wölfen gerissen wurden, beruht auf unabhängigen, amtlichen Gutachten. Das Kontaktbüro kann entgegen der Darstellung im Beitrag des Niederschlesischen Kuriers, weder Gutachter beauftragen noch selbst Gutachten erstellen, es ist ausschließlich für die Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Wolf zuständig.

    Die Vorgehensweise bei der Begutachtung von Nutztierschäden ist im „Managementplan für den Wolf in Sachsen“ geregelt. Dieser Plan ist vom Sächsischen Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft in Abstimmung mit allen betroffenen Interessensgruppen, auch dem Sächsischen Landesbauernverband, erstellt worden. Demnach darf diese Untersuchung nur von ausgebildeten Gutachtern der Landratsämter, des Biosphärenreservates Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft und dem Wildbiologischen Büro LUPUS durchgeführt werden. Im Fall Niedergurig war in Abstimmung mit dem Wolfsbeauftragten des Landratsamtes Bautzen, ein Gutachter des Biosphärenreservates vor Ort, um die toten Kälber zu untersuchen.

    Die Kälber wurden demnach nicht von einem Wolf gerissen, sondern sind an einer anderen Ursache gestorben und nach dem Tod von Aasfressern wie z.B. Fuchs oder Marderhund angefressen worden.

    Der Gutachter hat der Tierhalterin zur Untersuchung der genauen Todesursache eine Obduktion in der Landesuntersuchungsanstalt in Dresden empfohlen. Beim zweiten Kalb folgte die Tierhalterin der Empfehlung. Das Ergebnis der Untersuchung zeigte, dass das Kalb an einer Bauchfell- und Labmagenentzündung litt. Es wurde außerdem festgestellt, dass die vorhandenen Fraßspuren erst nach dem Tod des Kalbes entstanden sind.

    Es kommt immer wieder vor, dass Tierhalter amtliche Gutachten anzweifeln, wenn diese zu einem Ergebnis kommen, dass nicht ihrer Erwartung entspricht. Letztendlich entscheidet die Frage, ob ein Wolf als Verursacher festgestellt wird oder nicht, auch über die Zahlung eines finanziellen Schadensausgleiches. Die Tierhalterin in Niedergurig glaubte dem Begutachter nicht. Dieses Misstrauen wird in dem Beitrag unreflektiert an die Leserschaft weitergegeben. Das Kontaktbüro wird durch unkommentierte Zitate wie „Hier wird alles getan um eine Diskussion um Wölfe die Rinder reißen zu unterbinden“ (Herr Uhlemann, Sächs. Landesbauernverband) verunglimpft. Sogar der Befund der veterinärmedizinischen Spezialisten der Landesuntersuchungsanstalt Dresden wird im Beitrag angezweifelt. Dabei ist es nicht ungewöhnlich, dass Kälber an verschiedenen Ursachen unter anderem auch an Labmagenentzündung verenden. Im Jahr 2009 erfasste die Sächsische Tierseuchenkasse 15.323 verendete Kälber.

    Die journalistische Sorgfaltspflicht hätte es erfordert, dass sich die Autorin des Beitrages über die Regelungen bei Rissbegutachtungen informiert und die Fakten objektiv und ausgewogen darstellt, anstatt lediglich auf der Vermutung der betroffenen Tierhalterin basierend, Unterstellungen zu verbreiten und der themenbedingt sowieso schon schwierigen Informations- und Akzeptanzarbeit grundlos zu schaden.

    Fazit:
    Dass Wölfe auch vereinzelt Kälber reißen, ist aus anderen europäischen Ländern mit Wolfsvorkommen bekannt. Dies geschieht aber meist nur, wenn sich das Kalb aus der Koppel entfernen kann und somit nicht mehr durch die Mutterkuhherde geschützt wird. Während bei gemeldeten toten Schafen und Ziegen in der Vergangenheit auch Wölfe als Verursacher festgestellt wurden, gibt es bei Kälbern in Sachsen bislang nachweislich noch keinen derartigen Fall.

  10. Sehr geehrter Herr Jakob,

    die Wölfe wurden nicht in Deutschland angesiedelt, wie Ihnen “Ash” schon schrieb, sondern wanderten aus osteuropäischen Bereichen zu und blieben. Der Wolf ist ein einheimisches Tier (wurde nur zeitweilig vom Menschen aus falsch verstandenem Besitzstandsdenken ausgerottet) und kehrt lediglich in seinen angestammten Lebensraum zurück. Er ist eine wertvolle Bereicherung und Regulativ unserer Ökosysteme.

    Was “übermäßig hungrige” Wölfe angeht, so bemühen Sie bitte nicht das Schauermärchen vom rotkäppchenfressenden Wolf, das längst in jeder Hinsicht widerlegt und allenfalls mit Humor zu ertragen ist. Der Mensch entsprach und entspricht nicht dem Beuteschema des Wolfes, das in erster Linie Schalentiere wie Rehe und Wildschweine umfaßt, sehr selten auch mal Haustiere wie Schafe oder Ziegen.
    Ich empfehle doch sehr, sich einmal mit diesbezüglichen Fachtexten der Wildbiologie und Ethologie des Wolfes zu befassen. Die Geschichten der Gebrüder Grimm eignen sich da weniger…

    Daß Viehhalter unbürokratisch und schnell entschädigt werden sollten, wenn es de facto ein Wolf war, da stimme ich mit Ihnen überein. Aber das Urteil, ob Wolf oder nicht, sollte Fachleuten überlassen werden, die sich mit der Thematik auskennen, um jeglichen Mißbrauch eines Entschädigungsverfahrens auszuschließen. Der durchschnittliche Landwirt ist jedenfalls nicht qualifiziert, einen Wolfriß als solchen zu identifizieren.

    Mit freundlichen Grüßen
    Grauer Wolf

  11. Ash, gern gehe ich auf Ihren Beitrag ein. Eines habe ich ja schon gesagt, dass es aus meiner Sicht keine gute Idee war hier Wölfe heimisch werden zu lassen. Das sehen viele so wie ich und viele sehen es ganz anders. Ich achte die Menschen, die eine andere Meinung haben genauso sehr, wie die, die meiner Meinung sind. Doch darum geht es hier nicht. Hier geht es um einen Schadensausgleich, falls der Wolf ein Kalb, ein Schaf oder andere Tiere von Züchtern gerissen hat. Im vorliegenden Fall stehen zwei Meinung im krassen Widerspruch. Im Gegensatz zu Ihnen kenn ich die Wahrheit nicht. Aber ich würde sie gern kennen. Goethe: *Ich weiß viel. Doch möcht ich alles wissen*.

  12. Hallo Herr Jakob,

    danke für Ihre Antwort; ich gehe allerdings nunmehr davon aus, dass die Erläuterung des Kontaktbüros Wolfsregion Lausitz zu dem Thema Gutachten und Glaubhaftigkeit derselben Ihnen auch ein wenig weitergeholfen hat ;-) Ich zumindest habe tatsächlich keine weiteren Fragen mehr.

    Und ich respektiere, wenn Sie der Rückkehr der Wölfe eher skeptisch gegenüberstehen – das ist völlig legitim, solange man seine Meinung nur verbal und sachlich vertritt, ohne Fakten auszulassen oder verändert darzustellen. Lediglich Panikmache, Selbstjustiz und was nicht noch alles so zu dem Thema an anderen Orten zu finden ist, werden von mir verurteilt ;-)

    Einen schönen Abend,
    Ash

  13. Grauer Wolf, ein ganz prima Kommentar, dem ich uneingeschränkt zustimme. Dass Menschen nicht in das Beuteschema von Wölfen passen, ist richtig und das weiß ich auch. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass da nichts passieren wird. Aber der Mensch paßt auch nicht in das Beuteschema von Hunden und immer wieder werden diesbezügliche Vorfälle gemeldet. Ich weiß auch, dass hier nicht der Hund sondern der Mensch bzw. der Hundehalter die Schuld trägt. Der letzte Wolf wurde wohl vor einigen Hundert Jahren hier abgeschossen. Damals möglicherweise aus Angst, dass er Kinder wie Rotkäpchen fressen könnte. Doch sehr viele mit denen ich gesprochen habe, vertreten die Meinung, dass unser Gebiet nicht für Wölfe frei gegeben werden sollte. Es wurde anders entschieden und ich habe nun mit dieser Entscheidung auch keine Probleme. Zurück zum eigentlichen Problem – der Entschädigung bei Wolfsriß. Hier hat der OLK jetzt eine ganz wunderbare Erklärung gebracht und dafür möchte ich in aller Form DANKE sagen. Wenn zweifelsfrei festgestellt wurde, dass es kein Wolf war, dann betrachte ich die Sache als beendet!

  14. Oh, ich bitte um Entschuldigung! Ich habe versehentlich einen Kommentar dem OLK *untergeschoben*, dabei war er vom >Kontaktbüro Wolfsregion Oberlausitz<. Dann ist alles wieder offen. Das heißt, die offenkundigen Beweise wurden vom Kontaktbüro als offenkundige Beweise bezeichent. Und das Kontaktbüro sagt: "Es war kein Wolfsriß." Das zählt für mich nicht. Zählen würde für mich, wenn der OLK sagt: *Es war kein Wolfsriß!* Ansonsten richte ich mich gern nach Winsten Cherchill/sinngemäß): *Ich glaube nur an Gutachten, die ich selbst gefälscht habe.*

  15. Ash, hier ist es leider zu einem Irrtum bzw. Missverständnis gekommen. Ich dachte der Artikel kam vom OLK. Da er aber von einer parteiischen Seite kam, ist alles wieder offen. Ich glaube nur an Gott und den Beweis. Bzw. einen Vertrauensmann, der den Beweis als Beweis anerkennt. Wenn der OLK sagt: *Kein Wolfsriss*, dann hat das bei mir einen anderen Stellenwert als wenn das Kontaktbüro sagt: *Kein Wolfsriss”.

  16. Kein MENSCH braucht diesen Wolf. Es ging viele Jahre ohne. Würde man einen Volksentscheid initieren und die Lausitzer fragen, ob sie ihn wollen oder nicht, würden sich sicher einige erschrecken und in Deckung gehen. Grauer Wolf nennt ja jetzt schon keinen richtigen Namen. Im Prinzip verstehe ich sogar die Stellungnahme des Wolfsbüros. Kein Wolf = Kein Wolfsbüro. Also alles tun, dass der Wolf bleibt. Glaubwürdigkeit und Vertrauen sehen anders aus.

  17. Sehr geehrter Herr Kappe,

    beim Wolf geht es nicht um brauchen oder nicht brauchen. “Es ging viele Jahre ohne” ist lediglich ein Euphemismus dafür, daß der Mensch aus purer Mißgunst (Konkurrenz bei der Jagd und beim Lebensraum) den Wolf vor gut 100 Jahren ausgerottet hat.
    Der Wolf war und ist immer ein Teil der hiesigen Natur und hat als Art nicht weniger Lebensrecht als Rehe, Hirsche oder Wildschweine. Darum geht es!
    Zudem kann er sich nur positiv auf die hiesige Natur auswirken, da er (ohne jetzt auf ökologische Details einzugehen, die den Rahmen eines Leserbriefes bei weitem sprengen) zu einem gewissen Maß regulierend auf die völlig überzogenen Schalenwildbestände einwirkt, nicht nur als Prädator, sondern alleine schon durch seine Anwesenheit. Zu diesem Themenbereich gibt es ebenfalls jede Menge Fachliteratur. Man muß sie nur lesen, z.B. die diesjährige Märzausgabe des National Geographic Magazine, die sich allgemeinverständlich ausführlich mit der Wildbiologie und dem ökologischen Einfluß des Wolfes auf Biotope befaßt. Oder fragen sie einmal einen Forstmann (keinen Jäger), wie er über die Wiedereinwanderung eines Großprädators in Hinblick auf die Waldökologie denkt.
    Unabhängig von den verschiedenen, persönlichen Meinungen steht der Wolf (Rote Liste Status 1) unter dem besonderen Schutz der BRD, womit jegliche Diskussionen um dulden oder nicht müßig sind.

    Wie auch immer, gegen Wolfsabneigung hilft Wolfswissen!

    Im übrigen werden die wenigsten das Glück haben, jemals einen Wolf in der freien Natur zu sehen, da er extrem scheu ist und dem Menschen aus gutem Grund aus dem Weg geht.

    Was meinen Namen angeht, so bin ich der Auffassung, daß Klarnamen im Netz außerhalb von journalistischen Beiträgen nichts zu suchen haben und auch nicht nötig sind. Pseudonyme verhindern keineswegs eine kultivierte Diskussion. Nur soviel: Ich heiße Wolf mit Vornamen und grau bin ich leider auch schon… ;)

    Mit freundlichen Grüßen
    Grauer Wolf = Dr. Wolf H. K.

  18. Viel wurde hier schon geschrieben und kommentiert.
    Für Herrn Kappe habe ich meinen “Klarnamen” angegeben.
    ( Ash und Grauer Wolf kennen mich unter meinem “konspirativen Decknamen” Grauer-Geselle )
    Genug der Einleitung :

    Herr Kappe,
    ich persönlich “brauche” auch keinen Hirsch, kein Wildschwein und was da alles im Wald wohnt. Aber es freut mich, dass es sie gibt. Genauso ist es mit dem Wolf.
    Ich habe Ihren Beitrag nun mehrmals gelesen, der tiefere Sinn bleibt mir allerdings verschlossen. Haben Sie Angst vor Wölfen ? Wenn ja, diese kann ich Ihnen nehmen. Ich muss nur meine Haustür öffnen, 2-3 km in den Wald gehen und kann Wolfsspuren finden. Aber da hab’ ich nie einen gesehen, wurde nicht umzingelt, angefallen oder gefressen.
    Ich kenne hier niemanden in meiner Umgebung, der deswegen auf’s Pilze suchen verzichten würden.

    Herr Jakob,
    wenn das Kontaktbüro sagt, es war kein Wolfsriss, dann entscheidet es nicht nach eigenem Gusto und bildet keine eigene, dem Selbstzweck dienende Meinung, sondern zitiert die Ergebnisse der Gutachter. Mehr nicht. Der Beitrag des Kontaktbüro’s weiter oben sagt eigentlich alles, da muss ich hier auch nichts unterstreichen.
    Wenn man von dessen Seite her seit mehr als 10 Jahren Wolf in Deutschland objektiv und ehrlich Risse an Schafen bestätigt, wo soll dann eigentlich das “Motiv” liegen, dies bei einem Kalb zu leugnen ???

    Ihr Vergleich zu Angriffen von Hunden auf Menschen war eigentlich unnütz. Hunde haben immer unter Menschen gelebt und Aggressivität hat da absolut nichts mit Beute machen zu tun. Da gibt es viele andere Gründe, die auf den Wolf absolut nicht übertragbar sind.

    Zum Artikel,
    Herr Uhlemann findet es befremdlich, dass dem Kalb dass Fell abgezogen wird, so angeblich Beweise für Bisse vernichtet werden.
    Dies war ein Eigentor allererster Güte !

    1. kann man so im Fell Durchbisse der Reisszähne erkennen
    2. kann man durch nun freiliegende Unterhaut Zahnabdrücke erkennen
    3. kann man vitale Reaktionen auf einen Biss ( Unterblutungen ) erkennen. Diese sind nicht durch das Fell zu erkennen.
    4. kann man solche Verletzungen dann einordnen. Ein vorher schon toter Körper kann nicht mehr mit Blutungen auf einen Biss reagieren, da der Kreislauf schon nicht mehr aktiv ist.
    5. kann man somit einen eventuellen Angriff rekonstruieren. Der “Tötungsangriff” eine Raubtieres zielt nach der Kehle des Tieres. Da bleiben vitale Spuren, denn das Fressen danach konzentriert sich auf den Körper, wo der Prädator zuerst an konzentriertes Muskelfleisch und verwertbare Innereien kommt. Also weitab der Kehle.

    Fazit:

    Ich persönlich achte die Meinung eines jeden Menschen, in diesem speziellen Beispiel zum Thema Wolf. Aber ich bin dagegen, wenn aus Unwissenheit ein Tier verteufelt wird. Dieser Kenntnisstand hat vor 150 Jahren und mehr Jahren dazu geführt, diese Tierart auszurotten.
    Dieser Meinung folgend, dürfte es in Deutschland kein Schwarzwild mehr geben. Da gibt es bekannte Angriffe auf Menschen, da sind Schäden auf Feldern, Wiesen, in Parkanlagen oder Grünflächen MITTEN IM ORT alltäglich.

    Der Wolf steht auf einer Stufe mit allen anderen Tieren, die es im deutschen Wald gibt. An seiner Berechtigung dazu sollte man keine Zweifel aufkommen lassen.

    In dem Sinne …..

  19. Mal speziell an den Oberlausitzer Kurier. Es ist ja jeden Gott sei Dank freigestellt, eine persönliche Meinung zu haben und diese auch öffentlich zu äußern. Das betrifft hier auch die betroffenen Landwirte. Aber ein Journalist sollte schon etwas gründlicher recherchieren und nicht gleich jede Äußerung unkommentiert übernehmen. Der Klarstellung durch das Kontaktbüro ist in der Beziehung nichts hinzuzufügen.
    Vielleicht gibt sich die Monika Lenz in Zukunft etwas mehr Mühe. Man sollte immer daran denken, dass solche Artikel auch Leute lesen, die von der Sache etwas mehr verstehen als man selbst. Also entweder besser informieren oder das Schreiben über Sachen, von denen man nichts versteht, sein lassen.

  20. Ein wichtiger Aspekt wird meines Erachtens in der Diskussion sehr vernachlässigt: Die Kostenlast für Nutztierhalter, die ihre Stallungen und Grundstücke speziell gegen Wölfe sichern müssen, um im Schadensfall überhaupt einen finanziellen Anspruch durchsetzen zu können.
    Sachsen schmückt sich mit der Wolfspopulation, zu Lasten derer, die sich mit ihrem Betrieb kaum über Wasser halten können.
    Das Problem sind nicht die Wölfe, wie in dem besagten Artikel ja auch deutlich herauszulesen ist. Das Problem ist die Vorsorge- und Beweispflicht, die wieder einmal zu Lasten der Schwächeren geht.

    Zu den Gutachten:
    Erhard Jakob (und seinem adaptierten Churchill-Zitat) kann man nur zustimmen: Traue keinem Gutachten, das Du nicht selbst erstellt/bezahlt hast, und keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast.

    ZITAT
    Das Wolfsbüro schreibt: Die journalistische Sorgfaltspflicht hätte es erfordert, dass sich die Autorin des Beitrages über die Regelungen bei Rissbegutachtungen informiert und die Fakten objektiv und ausgewogen darstellt, anstatt lediglich auf der Vermutung der betroffenen Tierhalterin basierend, Unterstellungen zu verbreiten und der themenbedingt sowieso schon schwierigen Informations- und Akzeptanzarbeit grundlos zu schaden. – ENDE ZITAT

    Da verwechseln Sie aber etwas. Hier wird anhand von Fakten berichtet, keine Stimmung gemacht, aber Stimmen eingeholt und wiedergegeben. Da wird nichts unterstellt, sondern zitiert.
    Wenn Sie Wunschberichtserstattung fordern, dann sollten Sie eine Vereinszeitung herausgeben.
    Homo homini lupus
    MfG
    Werner Mann

  21. HalloJens, ich wohne in Pulsnitz und wir haben die *Bärentatze* im Stadtwappen. Die Hintergrundgeschichte kennen Sie sicher. Ich will nur damit sagen, dass vor wenigen Hundert Jahren auch noch der Bär hier heimisch war. Doch aufgrund der vielen Waldrohdungen hat sich das alles verändert. Ich habe keine Angst vor dem Wolf. Eher habe ich Angst vor unberechenbaren und kriminellen Mitmenschen. Doch wenn ich ehrlich sein soll, möchte ich nicht verschweigen, dass meine Kinder und Enkelkinder nahe am Waldrand wohnen und da überkommt mich schon manchmal ein mulmiges Gefühl – obwohl noch nie etwas passiert ist. Aber einmal ist immer das erste Mal. Zumal der Mensch auch nicht zum Beuteschema des Bären gehört(e). Noch ein Wort zu den Gutachtern. Ich habe hierzu deutlich meine Meinung (Nr. 8) zum Ausdruck gebracht. Es wäre schön gewesen, wenn Sie darauf eingegangen wären. Alles Gute Erhard.

  22. Beitrag 1 – Andreas Walter schreibt:
    Wenn das keine Stimmungsmache ist! Etwas mehr Objektivität wäre angebracht.
    ———————
    Beitrag 9 – Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz
    Vermisst die journalistische Sorgfaltspflicht.
    ———————
    Doch eigentlich fordern beide nur den Maulkorb für die Journalistin, und die stille Hinnahme der betroffenen Landwirte. Man soll sich fügen, hinnehmen und glauben, aber keinesfalls zweifeln, hinterfragen oder widersprechen.

    Der Artikel berücksichtigt alle Seiten, jeder kommt zu Wort, eine tendenziöse Meinung der Autorin findet nicht statt. Jeder kann sich nach diesem Artikel seine Meinung bilden. Zu den Betroffenen, der Situation, den Ängsten, Befürchtungen und Verhaltensmustern.

    Journalismus sollte genau so sein. Die Abo- und Kaufzeitungen bieten das immer seltener. Die Diskussion beweist, dass der OLK/NSK hier etwas sehr richtig macht. Die Information kommt an, regt an, erzeugt Teilnahme. Pro und Kontra. Dafür bedanke ich mich hiermit.

  23. Dem Lob von Eva Salbach in Bezug speziell auf diesen Artikel -aber auch auf andere Artikel und Beiträge-, möchte ich mich anschließen. Auch ich freue mich, wenn ich einen Artikel lese, in dem sich der Redakteur bzw. Journalist nicht auf eine Seite stellt und behauptet: *Die ist richtig!* Auch mit unbewiesenen Anschuldigungen sollte man sich zurück halten. Die Medien -nicht der OLK- hat Jörg Kachlemann schon hingerichtet obwohl noch gar nichts bewiesen ist. Wir wissen nicht einmal wie weit die vermeintlich Vergewaltigte den Staatsanwalts belogen hat. Eine faire, sachliche und unparteiische Berichterstattung ist das, was wir *Verbraucher* wollen. In einer Zeitung las ich folgendes wunderbares Zitat:
    *Man soll eine Zeitung nicht danach beurteilen, was sie bringt sondern nach dem was sie nicht bringt!* Allerdings ist eine diesbezügliche Bewertung sehr schwer.

  24. Natürlich soll jeder betroffene Landwirt sein Geld bekommen. Das ist ja bis jetzt, soweit ich weiss, auch immer so gewesen. Welchen Grund sollte also das Kontaktbüro haben, Fehlinformationen zu verteilen? Die 500 Euro werden das Land Sachsen nicht in den Bankrott treiben. Und dass Wölfe auch mal Kälber reissen oder Fohlen ist europaweit bekannt und damit auch kein Grund etwas zu vertuschen. Ich denke, dass in Sachsen und auch in Brandenburg bis jetzt wenig Probleme gab mit Landwirten. Und das soll hoffentlich auch so bleiben.

  25. Luc, Sie fragen, welchen Grund sollte das Kontaktbüro haben?
    Einer wurde hier – nicht von mir – schon genannt. Wenn das Reißen von Nutztieren überhand nimmt, dann besteht die begründete Gefahr, dass die Wölfe geschossen und das Büro geschlossen wird.

    Wenn jemand wegen irgend was -egal was- beschuldigt wird, dann ist seine erste Reaktion bzw. Antwort: *Warum soll ich denn so etwas tun? Ich habe doch gar keinen Grund!* Ein Beispiel zur Punkt 8 genannten Problematik:
    **Ein prominenter *Gutachter* garantiert mir, dass ganz bestimmte Vordrucke erst ab 1994 gedruckt wurden!* Wenn ich jetzt zu dem hingegen würde und sagen würde: “Warum hast du mich mit deinem Gutachten getäuscht?” Dann würde er ganz sicher sagen: “Du spinnst wohl! Warum sollte ich dich täuschen? Ich habe doch gar keinen Grund!” Wenn ich zu dem anderen prominenten Gutachter hin gehen würde, der festgestellt hat, dass sie 1991 erstmals gedruckt wurden und zu ihm sagen würde: “Warum hast du mich mit deinem Gutachten getäuscht?” Dann würde er auch ganz sicher sagen: “Du spinnst wohl! Warum sollte ich dich täuschen? Ich habe doch gar keinen Grund!”

    Ob es in Sachsen bzw. Brandenburg bis jetzt viel oder wenig Probleme wegen Nichtanerkennung von Wolfsriss gab, wissen wir nicht. Schließlich geht nicht jeder Bauer zur Zeitung und schließlich berichtet auch nicht jede Zeitung darüber.

  26. Das Kontaktbüro ist gerade durch die gute Öffentlichkeitsarbeit so erfolgreich. Die gesamte offene Arbeit des Sächsischen Wolfsmanagement hat doch dazu geführt das durch Aufklärung die Wolfsrisse in einer Zeit zurückgegangen sind wo sich die Zahl der Wölfe verdreifacht hat. Das schafft niemand durch wegdiskutieren von Vorfällen sondern durch Offenen Einsatz. Mein Glückwunsch dazu kommt aus Niedersachsen.
    Uwe Martens

  27. Uwe, so richtig kann ich Ihrer Logik nicht folgen. Wie können Wolfsrisse (Wolfsmahlzeiten) zurück gehen, wenn sich die Anzahl der Wölfe verdreifacht hat? Sie meinten sicher an Nutztieren. Im Übrigen werden die Wölfe -trotz Aufklärung- nicht zwischen Nutz- und Wildtieren nicht unterscheiden. Sie werden fressen, was auf den Tisch kommt.

  28. Ein umfassendes Buch über die Wolfsproblematik ist “Wolves, behavoir, ecology, conservation” von Mech/Boitani.
    Beispiel Seite 303, – Wolfsangriffe auf Kinder in Indien im Jahr 1997. 76 Fälle, über 50 tote Kinder . Dokumentiert von Jhala und Sharma.
    Im Frühjahr 2010 wurde Candice Bergen, eine junge Joggerin in Chignik Lake, Alaska von Wölfen angefallen und gefressen.
    Photos, Videos und Dokumentationen von Wolfsangriffen zeigt die Internetseite washingtonwolf.info
    Wie kann jemand sich, seinen Mitmenschen, Haus, und Wildtieren solches Leid zumuten?

  29. *Aha*, Sie sollten versuchen diesen Kommentar in der >Sächsischen Zeitung; Lausitzer Rundschau> als Leserbrief unterzubringen. Auch sollten Sie eine Petition mit der Bitte um Abschaffung der Wölfe aus der Lausitz im Sächsischen Landtag einreichen. Ich kann mir gut vorstellen, dass viele dieses Anliegen unterstützen würden. Auch kann ich mir gut vorstellen, dass sie erfolglos bleibt und wie folgt beschieden wird: *Der Petition konnte nicht abgeholfen werde.* Schade finde ich allerdings, dass Sie hier annonym schreiben. Alles Gute Erhard.

  30. @Erhard Jakob

    Informieren Sie sich doch bitte mal etwas gründlicher über die Wölfe in der Lausitz! Es ist nicht sehr erbauend, immer diese Beiträge lesen zu müssen, wo aus jeder zweiten Zeile eine gewisse Ahnungslosigkeit spricht.

  31. Sehr geehrte(r) Frau/Herr “Aha”,

    Leider sind ihre Beispiele für Wolfsangriffe ein Eigentor und passen in die übliche Stimmungsmache gegen ein Tier, bezüglich dessen das “Rotkäppchensyndrom” immer noch weit verbreitet ist.

    Die Beispiele in Indien sind insofern unpassend, da Indien ein großes Problem mit der Verbreitung von Tollwut hat und tollwütige Caniden zum Angriff tendieren.

    Was die Joggerin Candice Bergen angeht, so wird (vorbehaltlich der DNS-Untersuchung) *stark vermutet*, daß es sich um einen Wolfangriff handelt. Es wäre der erste, nicht provozierte Angriff eines gesunden Wolfes in diesem Land. Im übrigen ist die Behauptung, daß die Joggerin gefressen wurde, schlichtweg falsch. Nach einschlägigen Berichten wurde der Körper nicht angefressen und die Verletzungen könnten genausogut von großen, verwilderten Hunden stammen.

    Die Videos auf washingtonwolf halte ich für äußerst zweifelhaft und als Quelle unglaubwürdig. Bei der Rauferei mit dem Jogger, die da als Angriff dargestellt wird, ist meiner Meinung nach ein Siberian Husky zu sehen, der in einer kurzen Sequenz übrigens Beschwichtungungssignale(!) zeigt (züngeln). Es ist völlig unglaubwürdig, daß bei einem Angriff durch ein Raubtier ein 2. mit einer Filmkamera dabei ist und dann auch noch die Muße hat, Schuß und Gegenschuß mitsamt Großaufnahmen zu praktizieren. Mein Fazit: Ein sehr schlechtes Fake!
    Auch Angriffe auf Hunde sind ein sehr schlechtes Beispiel. In Wolfsland läßt man seinen Hund z.B. nicht frei stromern, sondern führt ihn an der Leine. Denn für den Wolf ist der fremde Hund nur ein Artgenosse (beide sind Canis lupus!), der sich in seinem Revier breitmacht und den es zu vertreiben oder zu töten gilt, weil sonst die Existenz des eigenen Familienverbandes auf dem Spiel steht.
    Sie schreiben:
    “Wie kann jemand sich, seinen Mitmenschen, Haus, und Wildtieren solches Leid zumuten?”
    Daraus spricht m.E. ein ziemliches Unverständnis über die Abläufe in der Natur und ein rein anthropozentrisches Weltbild. Wildtieren wird kein”Leid angetan”. Beute sein und Beute machen ist ein Jahrmilliarden altes Konzept. Nur aus dem Zusammenwirken von Beute und Beutegreifer ergibt sich das dynamische Gleichgewicht der Natur. Wird dieses Gleichgewicht durch Entfernung der “bösen” Raubtiere gestört, kann ein Ökosystem völlig zusammenbrechen, wie das Beispiel Yellowstone eindrucksvoll zeigt. Im übrigen erkenne ich auch hier wieder die Einstellung “niedliches”, armes Bambi, das von bösen Räubern gefressen wird. Sie sollten vielleicht mal drüber nachdenken, daß es in Nordwest-Schottland eine Hirschpopulation gibt, die aktiv Jagd auf Jungvögel/Küken macht und sie frißt (Deckung des Calciumbedarfes), eine biologische Besonderheit. Wie paßt dies in Ihr Weltbild? Wollen Sie jetzt alles Hirsche eliminieren, weil sie kleinen, niedlichen Küken ein “Leid antun” könnten?
    Übrigens hat m.M.n. der Mensch das geringste Recht, von “Leid antun” zu reden, wenn man sich seine Art des Fleischkonsums und seinen allgemeinen Umgang mit der Umwelt anschaut. Wölfe holen sich das was sie brauchen, nicht mehr und nicht weniger, wie jedes andere tier auch. Und meine in diesem Zusammenhang immer wieder gestellte “Gretchenfrage”: Essen Sie kein Fleisch, keine Wurst?
    Wer soll übrigens derjenige sein, der seinen Mitmenschen was antut? Die Wölfe hierzulande wanderten schlicht zu. Da war kein, wie fälschlich immer wieder behauptet wird, menschliches Eingreifen im Spiel.

    Wie ich schon oben schrieb: Gegen Wolfsabneigung und Wolfsangst hilft Wolfswissen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Grauer Wolf

  32. Wir leben in einer Demokratie und in einer Demokratie geht es um Mehrheiten. Ich bin dagegen, dass wegen jeder *Hundehuxt* bzw. wegen jedem *Kröten-Tunnel* eine Volksbefragung oder ein Volksentscheid herbei geführt wird. Solche “kleinen” Sachen sollten die Volksvertreter schon allein entscheiden. Schließlich haben wir ihnen unser Vertrauen ausgesprochen. Die haben bereits entschieden und zwar, dass die Wölfe bleiben sollen. Diese Entscheidung akzeptiere ich. Doch, wenn es zu einer Volksbefragung bzw. zu einem diesbezüglichen Volksentscheid kommen sollte, dann werde ich nach meinem besten Wissen und Gewissen abstimmen. Dabei werde ich weniger an mich (61) denken, sondern mehr an meine Kinder und Kindeskinder.

  33. @ Beitragsschreiber/in AHA: Für sie scheint der “böse” Wolf Leid zu verbreiten. Wo wollen wir anfangen ? Bei der Amsel, die den Wurm lebendig zerreisst, beim Sperber, der den niedlichen Singvogel im Flug mit den Krallen erdolcht, beim Fuchs, der dem Kaninchen die Kehle zerbeisst ? Was sie als Leid ansehen, ist in der Natur wie für uns Menschen Essen gehen im Restaurant oder Kochen in der Küche. Nur dass die “blutige Arbeit” da von anderen gemacht wurde. So normal für uns das Essen ist, ist es für die Tiere auch. Wer die Vorgänge in der Natur heute als Leid bezeichnet, hat schon als Kind im Biologieunterricht geschlafen, oder es irgendwie nicht begriffen.

    Wirklich leiden mussten bewiesenermassen Leute, die nach einem Zeckenbiss schwer erkrankten, die allergisch auf Insektenstiche reagieren, die von Hunden verletzt oder getötet wurden usw. usw ! Davon lesen wir regelmässig in der Presse, aber es wird abgetan und vergessen wie die tägliche Meldung über einen tödlichen Verkehrsunfall oder einen Raubmord. Weil es jetzt seit ein paar Jahren wieder Wölfe hier gibt, die noch NIE aggressiv einem Menschen gegenüber aufgetreten sind, fühlen sie sich berufen, hier über LEID wehzuklagen ?! Sie sollten sich dafür einsetzen, dass Schadens- und Todesfälle von Menschen aus oben genannten und noch 1000 mehr Gründen vermieden werden ! Aber es ist ja leicht, hier mal eben zu schreiben, das der Wolf, unterstützt von einigen bösen Menschen, eine Gefahr darstellt, die unbedingt gebannt werden muss !

    Sie scheinen gern zu lesen und im Web zu recherchieren ! Bitte tun sie dies weiter ! Zum Thema WOLF. Ich verspreche Ihnen, Ihre Meinung wird eine ganz andere werden !

  34. Sehr geehrter Herr Jakob,

    Sie schreiben: “Dabei werde ich weniger an mich (61) denken, sondern mehr an meine Kinder und Kindeskinder…”

    Bei einer solchen Abstimmung kann es, wenn wir an die Zukunft denken, nur eine einzige Entscheidung geben: Für die Natur, für die Artenvielfalt, für den Wolf, auf das auch zukünftige Generationen noch den melodischen Gesang der Wölfe in den Wäldern hören können und dieses faszinierende Tier nicht nur noch als Karikatur seiner selbst im Zoo zu sehen bekommen…

    Jede Tierart, die wir verlieren, macht unsere Welt ein wenig kälter, ein wenig ärmer, ein wenig weniger lebenswert: Ein unersätzlicher Verlust, für den der Mensch irgendwann mit seiner Seele zahlt. Möchten Sie in einer Welt leben, in der es keine wilden Tiere mehr gibt, die nichts ursprüngliches mehr an sich hat? In der ich Kindern nichts mehr über Wölfe, Luchse oder Füchse erzählen kann? Wo nur noch der Knuddelfaktor (Bambi!) zählt, alles nur niedlich und geordnet sein muß? Die nur noch GEZÄHMT ist? Wenn Sie diese Frage mit “Ja” beantworten, dann stimmt mich das sehr traurig. Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der wilde Tiere im Sinne des Wortes, zu denen auch die 3 großen Beutegreifer unserer Heimat Wolf, Luchs und Bär gehören, keinen Platz mehr finden…

    Mit nachdenklichen Grüßen
    Grauer Wolf

  35. Hallo Wolf,
    Sie begreifen sich hier als Meinungsmacher und wollen mir eine (Ihre) Meinung machen. Doch wie gesagt – ich bin 61 Jahre alt – und habe meine eigene Meinung! Leider lautet sie: *Seit ich die Menschen kenne – liebe ich die Tiere.* Auch ich bin traurig, wenn ich hören muss, dass Tag für Tag so und so viele Tierarten aussterben und der Mensch die Schuld trägt. Auch ich spreche mich gegen die Verdoppellung der Menschheit in wenigen Jahren aus. Doch heute lebe ich in einem dichtbesiedelten Sachsen. Hier Bären und Wölfe heimisch werden zu lassen, wäre aus meiner Sicht unverantwortlich gegenüber den hier lebenden Menschen. Wie gesagt, das ist meine Meinung. Sie muss nicht richtig sein. Trotzdem habe ich sie und stehe zu ihr. Das hat aber nichts damit zu tun, dass ich auch Ihre Meinung respektiere und Sie als Person achte. Alles Gute Erhard.

  36. Ich bezweifele, dass wir als Menschen überhaupt das Recht haben per Volksentscheid oder wie auch immer über das Lebensrecht anderer Lebewesen zu entscheiden. Und damit ist wohl alles gesagt. Ende dieser sinnlosen Diskussion.

  37. Ich glaube die Wenigsten der hier Diskutierenden kommen wirklich aus der Lausitz. Wieso macht Ihr Eure Experimente nicht vor der eigenen Haustür? In Bayern werden die Bären einfach abgeschossen. Knall. Bum. Aus die Maus. Wieso sollen ausgerechnet unsere Menschen und Bauern für Experimente herhalten? Und Luc: Ich glaube nicht, dass Sie das Recht haben, die Diskussion für beendet zu erklären! Wahrscheinlich sind Sie mit Ihren Argumenten einfach am Ende!

    Ich meine, dass kein Bürger erst Wissenschaftler oder Forscher sein muss, um den Wolf gut zu finden. Ich meine, dass jeder Mensch eine eigene Meinung, Ängste und Wahrnehmungen hat. Und auch diese sollten ernst genommen werden. Von allen Diskutierenden und Verantwortlichen! Mit belehrenden Beiträgen, erreicht man das Gegenteil. Abneigung und Verdruss!

  38. Ich schließe mich der Meinung von Uwe an. Niemand – auch Luc nicht – hat das Recht Mitmenschen *das Maul zu verbieten*. Jeder kann hier offen seine Meinung sagen. Und wenn sie dem anderen nicht passt, kann er es ja sagen und basta. Wenn einer *mit seinem Latein am Ende ist*, den anderen das Wort zu verbieten, geht dann wohl doch etwas zu weit.

  39. Uwe Kappe, ich kann Sie beruhigen, ich komme aus der Lausitz und bin kein Wissenschaftler. Hier macht auch niemand Experimente, wie kommen Sie denn darauf?

    Selbstverständlich kann jeder seine eigene Meinung haben und heute auch öffentlich vertreten. Jedoch sollte man von der Sache (oder dem Tier), zu der man sich eine Meinung bildet, auch ein Mindestmaß an Wissen haben. Was mich stört, dass selbst Leute, die öffentlich an der Meinungsbildung arbeiten (Journalisten), genau das manchmal vermissen lassen.

    Zum Wolf: Es ist irgendwie traurig, dass er für Sensationsmeldungen herhalten muß. Er eignet sich zwar recht gut dafür, ist er doch ein großes Raubtier und hinterläßt eindrucksvolle Beutereste. Ein Pressefoto von einer halb aufgefressenen Hirschkuh macht schon was her. Außerdem macht er sich gut, um z.B. von den vielen anderen Problemen z.B. der Landwirtschaft abzulenken. Dann sind da noch die alten Ängste. Viele haben vieleicht die Wildwest-Romane gelesen, wo Wolfsrudel die Leute am Lagerfeuer umkreisen…
    Also Knall, Bumm, aus die Maus, Probleme gelöst?

  40. Hallo Herr Jakob,

    ich muss kurz voranstellen, dass ich weder Biologe noch Mitglied einer Organisation bin, die sich mit Deutschlands Wölfen beschäftigt.
    Der Grund, warum ich mich an dieser Diskussion beteilige, ist ganz simpel.
    Als reine Privatperson habe ich mich mit dem Tier Wolf beschäftigt, da es ja vor Jahren ca. 40 km entfernt wieder ansässig wurde, und mittlerweile auch “vor meiner Haustür” lebt. Ich habe rein für mich Freude an der Bereicherung unserer Natur. Damit habe ich auch eine eigene Einstellung / Meinung zum Wolf gebildet. Wie jeder Andere hier möchte ich diese kund tun und damit vielleicht auch ein wenig “aufklärend” wirken.
    Sicher kann ich nachvollziehen, dass viele Menschen eine Art Angst vor dem Wolf haben. Aber mich ärgert, dass diese in den Medien teils geschürt wird. Nicht aus Tatsachen heraus, sondern eben um die Auflage zu steigern. Nur ein kurzes Beispiel :
    Vor 1-2 Jahren wurde, ich glaube in der Nähe von Dresden im Winter eine tote Person auf den Stufen eines Aussichtsturmes gefunden. Davor Hundespuren im Schnee. Was macht ein sensationsgeiler Reporter der XXXX-Zeitung daraus ?

    “Der Wolfsturm von XYZ !”
    Ein Mann wurde von Wölfen auf einen Turm getrieben und starb dort ”

    Das war blanker Unsinn, aus den Fingern gesogen !!

    Genau solche Artikel sind es aber, die ein absolut falsches Bild verbreiten und den Menschen Angst machen. DAGEGEN und eben auch gegen andere Unwahrheiten möchte ich hier schreiben. Leider werden eben auch Meinungen, wie ich sie habe, sehr schnell als “schulmeisterisch belehrend” abgetan und deswegen vollkommen anders interpretiert. Ein Beitrag von Herrn Kappe ( Nr. 37 ) ist ein gutes Beispiel dafür.

    Niemand will hier belehren, mit “erklären” trifft man das richtige Wort.

    Was ist denn wirklich Tatsache ? Vor Jahren kamen die Wölfe aus Polen. Da hat keiner nachgeholfen. ( Man setze einen Wolf irgendwo in D aus, er geht wohin er es für richtig findet ) Also auch keine “gezielten Experimente ! ( Meinung Herr Kappe )

    Ja, Wölfe haben Schafe gerissen und tun es immer noch. Das ungeschützte Tier nachts auf der Weide ist wie ein 20-Euro-Schein auf dem Feldweg. Den steckt jeder ein. Die Halter haben sich darauf eingestellt und es wird viel weniger.

    Von neugegründeten Vereinen unter Beihilfe von wahrlich zweifelhaften ausländischen “Experten” wurden Wolfsangriffe zeitnah vorhergesagt. Nichts davon ist eingetroffen ! Zu erwähnen ist, dass sich deren Reihen aus gutbetuchter Jägerschaft rekrutierten. Der Selbstzweck ist zu sehen, nicht nur zu erahnen.

    Die Realität ist doch diese. Seit mehr als 10 Jahren Wolf in D ist kein Mensch nur irgendwie bedroht oder angegriffen worden. Zur Pilzzeit sind die Waldränder voller Autos, Menschen schneiden ihr lecker Abendbrot da, wo vor Stunden noch ein Wolf gelaufen ist. Niemand bemerkt ihn wirklich. Hier in meiner Gegend lebt der Wolf, ab niemand hat Angst ! Er ist nicht mal ansatzweise Thema im “Ortsklatsch” !

    Wenn es wohl auch schwer ist, mit meiner Meinung und meinem eigenen Erleben gegen die Presse und gegen aus Unwissenheit gebildete Einstellungen, den Versuch der Erklärung/Aufklärung zu betreiben, wage ich ihn trotzdem.

    Wenn das Denken normal wird, dass man vor dem Wolf nicht mehr Angst haben muss als vor einem Wildschwein, dann wäre dies real !

  41. … warum nur verusacht ein ganz normales Wildtier unserer Fauna wie der Wolf nach 10 Jahren der Rückkehr nach D. noch immer solche Emotionen?! …

    … diffuse Befürchtungen aus Unverständnis und Unkenntnis heraus!

    Was ist nötig?

    …. Wissen und Aufklärung um den nachhaltigen Nutzen von Biodiversität und Natur in allen Regionen einhergehend mit “natürlichen” Grenzen des Wachstums in Landwirtschaft, Industrie und Handel!

    es bleibt viel zu tun ….

  42. … warum nur verursacht ein ganz normales Wildtier unserer Fauna wie der Wolf nach 10 Jahren der Rückkehr nach D. noch immer solche Emotionen?! …

    … diffuse Befürchtungen aus Unverständnis und Unkenntnis heraus!

    Was ist nötig?

    …. Wissen und Aufklärung um den nachhaltigen Nutzen von Biodiversität und Natur in allen Regionen einhergehend mit “natürlichen” Grenzen des Wachstums in Landwirtschaft, Industrie und Handel!

    es bleibt viel zu tun ….

  43. Aus dem Bericht von Ktuu vom 11.3.2010
    Autopsy von Candice Berner
    …she was probaby alive when they were moving her…
    her left arm was torn mostly off and both thigs were badly badly damaged
    dh, sie lebte möglicherweise noch als sie weggeschleppt wurde..
    ihr linker Arm war fast abgerissen und ihre Schenkel waren sehr sehr schwer zerfetzt.
    Willkommen Wolf?

  44. Hallo Jens, -auch wenn Sie es nicht glauben- bin ich mit 99,9 % Ihrer Ansicht. Ich habe den Eindruck, dass Sie mich respektieren. Und diesen Eindruck möchte ich auch gern zurück vermitteln. Wir alle wissen, dass Tiere (Wölfe) auch krank werden können. Füchse können z. B. krank werden und die Tollwut bekommen. Dann haben sie keine Angst von Menschen und beißen diese sogar. Ob ein Wolf auch Tollwut bekommen kann, weiß ich nicht. Dazu bin ich als Nicht-Mediziner der völlig falsche Mann am richtigen Ort. Vielleicht sollte hierzu mal ein Mediziner etwas sagen. Am Ende bleibe ich bei meiner Meinung. Entweder wir *verringern die Menscheit* und schützen die Natur. Oder, wir sagen. *Scheiß auf die Natur! Wir verdoppeln lieber die Menschheit!* Die Menschheit verdoppeln und die Natur schützen ist meiner Meinung nach ein Widerspruch in sich. Als Resümme möchte ich sagen: “Wir brauchen die Natur! Die Natur brauch uns nicht!”

  45. Hallo Erhard, diese Ansicht ist nicht schlecht! Bevölkerungsrückgang in Sachsen (und Deutschland) bedeutet mehr Schutz der Natur? So hab ich das noch nicht gesehen! Also auch Platz für den Wolf? “Wir” verdoppeln die Menschheit sicher nicht, das passiert wo anders. Da nun mal z.B. in Indien jährlich ca. 1000 Menschen durch Elefanten umkommen, ist es nach der Logik klar, was weg muß. Aber ich denke mal, die Inder selbst kommen gar nicht auf die Idee.

    Wölfe können sehr wohl Tollwut bekommen, und viele bekannte Zwischenfälle mit Wolf und Mensch gehen auch darauf zurück.

  46. Andreas, hier ist es offensichtlich zu einem Irrtum bzw. Missverständnis
    gekommen. Mit *Wir* habe ich nicht die Sachsen bzw. die Deutschen
    gemeint sondern die Menschen auf der ganzen Welt. Wenn ich daran
    denke, dass *wir* in Kürze 12 Milliarden sind (falls die Prognosen stimmen),
    *dann gute Nacht!*

    Alles Gute
    Erhard

  47. Um noch einmal auf das Thema des Artikels zurückzukommen.
    In der Schweiz, der Alp du Scax, wurden in den letzten beiden Wochen 3 Rinder, von einem oder mehreren Wölfen gerissen.
    Ein etwa 10 Monates altes, etwa 200 kg schweres Tier wurde lebendig, von hinten aufgefressen. Die vordere Hälfte war unverletzt.
    In Bayrischzell zwangen Wolfsangriffe auf Schafe die Tierhalter zum Almabtrieb.

  48. @aha

    Wo bitte haben Sie die Information her, daß Rind wäre *lebendig* gefressen worden? Haben Sie dafür eine belastbare, seriöse Quelle? (Bitte kein Boulevard-Blatt!) Ich habe in den einschlägigen Presseberichten nichts dergleichen gefunden. Auch die Meldung “Der Wolf frass das 200 Kilogramm schwere Rind zur Hälfte.” ist m.M.n. als unseriöse, journalistische Übertreibung zu werten. Ein erwachsener, europäischer Wolf benötigt im Schnitt 2-4 kg Nahrung pro Tag. Wie viele Wölfe wären nötig, ein 200 kg Rind “halb aufzufressen”? Mit solchen Übertreibungen, die ich als ganze klare Stimmungsmache werte, ist niemandem geholfen.
    Warten wir doch erst einmal die vollständige Auswertung der DNS-Untersuchungen und entsprechende, abschließende, *seriöse* Berichte ab, die m.W. noch nicht vorliegen. Dann wissen wir alle mehr.

    Mit freundlichen Grüßen
    Grauer Wolf

  49. Aha, hier möchte ich dem *Grauen Wolf* Recht geben. Wenn Sie hier solche spektakulären Fälle vortragen, dann sollten Sie auch gleich die Quelle mit nennen. Ansonsten würde ich es auch als *Stimmungsmache* ansehen. Die weder der einen noch der anderen Seite etwas bringt.
    Aha, Sie machen ansonsten hier Stimmung gegen die *Wölfe*. Genauso, wie vor Kurzen unehrliche und unaufrichtige Vertreter der Medien Stimmung gegen den damaligen MP-Kandidaten Christian Wulf und den vermeintlichen Vergewaltiger Jörg Kachelmann gemacht haben. Auf das Weiterverbeiten von Halb- oder Unwahrheiten sollten wir verzichten. Ich vertraue auf das Ergebnis von unparteiischen und unbefangenen Richtern und Gutachtern. Es ist nur manchmal sehr schwer einen ehrlichen Richter bzw. Gutachter von einem unehrlichen zu unterscheiden. Bei schlechten Lichtverhältnissen kann sich ein Wolf ein Schafspelz überhängen und kurzsichtige oder sehschwache Menschen bekommen den Betrug dann gar nicht mit.

  50. An AHA ( Beitrag 46 )

    Auch ich konnte keine Nachweise finden, die Ihre Info hier bestätigt.

    Ein paar Tatsachen:

    Wie schon erwähnt wurde, braucht ein Wolf 2-4 kg Fleisch am Tag. In Notzeiten kann er lange hungern und kann dann, sozusagen als Ausgleich, bis zu 10 kg Fleisch fressen. Einmalig !

    “Lebendig aufgefressen” !
    Wölfe folgen, wie alle anderen Raubtiere auch, ihrem Instinkt, Beute aufzuspüren, sich anzunähern und sie dann so gefährdungslos wie möglich zu töten. Das geht nicht ohne den gezielten Biss in die Drossel ( Kehle ). 200 kg Rind ist 5 x Wolf ! Da kann er nicht mal anknabbern, ohne von den Hufen ernsthaft bedroht zu werden !

    Und wenn wir hier schon rechnen. Ein halbes ( 100 kg ) Rind zu fressen, bräuchte es 10 gnadenlos ausgehungerte Wölfe !

    Jeder hat hier seinen Standpunkt, PRO oder CONTRA Wolf. Aber bei Ihnen fällt es auf, dass sie in Ihren Beiträgen gern etwas hier einbringen, ohne sich eigentlich über ALLE Fakten zu informieren.

    Dies lässt Sie in dieser Runde hier auf einem relativ wackeligen Fundament stehen, da sie sich nur in eine Richtung neigen können, damit es nicht umfällt !

  51. Kann nicht sein, was nicht sein darf? Bitte recherchieren sie selbst, zb. unter
    20min.ch Artikel und Foto des ersten von mittlerweile drei auf der Alpe du Scex gerissenen Rindes. (Ausserdem 15 getötete Schafe im Juli 2010).
    “Bestätigte” Wolfsangriffe in Schweden 1997-2005, auf Nutztiere 149. Davon 14 auf Rind oder Pony. Ausserdem 151 Angriffe auf Hunde.
    siehe http://www.viltskadencenter.se (Vargar och hundar, dann pdf Datei)
    Wer will kann sich auch über die Situation in Wallowa County, USA informieren, auch dort sind in den letzten Wochen mehrere Rinder gerissen worden. (je nach zuständiger Behörde mindestens 6 “confirmed kills”).
    zb. Wallowacountywolfdefense.com
    Und, sehr verehrter “Grauer Wolf” die mehr als 50, vor 13 Jahren in Indien getöteten Kinder sind, nicht wie sie impliziert haben, von tollwütigen Wölfen, sondern über mehrere Monate hinweg, jeweils im Abstand von 3 bis 5 Tagen getötet und gefressen worden.
    (Mech/Boitani, Wolves… Seite 303). Das waren eindeutig auf Menschen spezialisierte Wölfe.
    Dieses Standardwerk wird auch auf den Internetseiten des Wolfsbüros zitiert. Die gesicherten Fakten und Statistiken über Wolfsangriffe sind allen Fachleuten bekannt.
    Die Gefahren, die von Wölfen für Menschen und Haustiere ausgehen, werden meiner Meinung nach also wissentlich in Kauf genommen.

  52. Also die Gefahr bzw. das Risiko, im Strassenverkehr ums Leben zu kommen, ist sicher viel größer als im Wald zu sterben. Egal, ob wir Wölfe haben oder nicht. Selbst wenn man absichtlich oder unabsichtlich einer Wildschwein-Rotte mit Frischlingen zu Nahe kommt, kann es unter Umständen zu einem Angriff des Keilers oder der Bache kommen. Allerdings ist das kein Angriff sondern eine Verteidungsattacke. Er/sie will seine/ihre *Kinder* schützen. Das von einem gesunden Wolf -mit einer gesunden Scheu vor Menschen- keine Gefahr ausgeht, ist ganz sicher richtig. Doch was ist, wenn er einen tollwütigen Fuchs gefressen und sich angesteckt hat. Ein tollwütiger Wolf ist ganz bestimmt eine Gefahr für den Menschen. Ich ich freue mich auch, wenn sich die Natur erholt und viele Tiere wieder heimsch werden. Ich kann mich noch an meine Kindheit erinnern und die sehr vielen Rebhühner und Hasen. Ich habe schon lange keine mehr gesehen. Sicher gibt es sie noch aber nicht mehr in der Menge.

  53. Guten Morgen,

    @ “aha”

    Wie ich schon erwähnte, Quellen aus der Boulavardpresse interessieren mit nicht. Sprüche à la “Wie sehr muß das Rind gelitten haben”, haben mit seriöser Berichterstattung m.E. wenig zu tun…

    Natürlich kommt es immer wieder zu Übergriffen auf Haustiere, die schlecht geschützt sind. Aber solche Zahlen sind in Relation zum Gesamtbeuteaufkommen zu sehen und bewegen sich im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

    Was die über 150 getöteten Hunde angeht, so liegt hier die Schuld eindeutig bei ihren Besitzern. Ich lebe selbst mit mehreren Hunden und wäre niemals so verantwortungslos, diese in Wolfsland frei laufen zu lassen.
    Ein in ein Wolfsrevier eindringender, ggf. noch laut kläffender Hund ist eine Bedrohung für den ansässigen Familienverband und wird entweder vertrieben oder getötet. Der Wolf sieht also in einem Hund (wie gesagt: Beide Canis lupus!) einen Artgenossen, der ihn um den Besitz des Reviers herausfordert.
    So sehr ich als Hundefreund die getöteten Hunde bedauere, so sehr gilt mein Zorn den Hundehaltern oder Jägern, die ihre Gefährten bewußt oder fahrlässig in eine solche Situation bringen.

    Rindertötungen in den USA oder Kanada können m.E. als Vergleich nicht herangezogen werden. Es handelt sich dort bei Wolfsvorkommen meistens um komplette Verbände und da der amerikanische Wolf erheblich größer ist als der europäische, liegt auch sein bevorzugtes Beutespektrum bei größeren Tieren, vorzugsweise Wapitis, aber gelegentlich auch kleinere Bisons. Auch dort wird sich ein einzelner Wolf sehr genau überlegen, ob er das Risiko einer Verletzung eingeht, um ein nicht geschwächtes Rind zu attackieren.

    Über die Vorfälle in Indien und vor allen Dingen deren Hintergründe werden ich mal genauer recherchieren. Beute-Fehlprägungen kommen bei Prädatoren gelegentlich vor, wurden aber m.W. immer vom Menschen verursacht (Stichwort: Menschenfresser bei Tigern und Löwen).

    Sie schreiben: “Die Gefahren, die von Wölfen für Menschen und Haustiere ausgehen, werden meiner Meinung nach also wissentlich in Kauf genommen.”
    Die Gefahr für Menschen geht statistisch betrachtet gegen Null (jede Wildschweinbegegnung ist unendlich gefährlicher!) und ist kein Grund, eine Tierart auszurotten, zumal nahezu immer der Mensch an den Konflikten Schuld trägt.
    Was Haustiere angeht, so gibt es genügend (auch subventionierte) Möglichkeiten, sein Vieh zu schützen. Bemerkungen wie “das arme Schaf” o.ä. dienen imho nur der Stimmungsmache gegen ein (de facto harmloses!) Tier, das lediglich sein Recht auf Leben einfordert. Für einen Landwirt sind Nutztiere “Schecks auf 4 Beinen” und ein gerissenes Tier ist ein rein wirtschaftlicher Verlust.
    Hier stimme ich dann auch mit der Auffassung überein, daß solche per Gutachter nachgewiesene Verluste (wenn die Sicherungsmaßnahmen durchgeführt wurden) ohne weitere Bürokratie ersetzt werden sollten. Das wäre im Sinne des Naturschutzes gut angelegtes Geld.
    Ansonsten sollten wir mal drüber nachdenken, daß der Mensch nicht die selbsternannte Krone der Schöpfung ist. Wir haben nicht das Recht, alles, was uns irgendwie stört, was unseren *Kontostand* beeinträchtigt, einfach zu vernichten.
    Ein wenig mehr Toleranz gegenüber den Geschöpfen der Natur wäre da wohl eher angesagt!

    Mit freundlichen Grüßen
    Grauer Wolf

  54. Nachtrag:
    Speziell bei der Häufung von Wolfsangriffen rund um Hazaribagh (die 50 Kinder sind wohl einem einzelnen Individuum zuzuschreiben) gibt es m.E. einen eindeutigen Zusammenhang:
    Auf der offenen Müllkippe werden nicht nur Schlachtabfälle entsorgt, sondern auch *menschliche Leichenteile* aus unzureichender Totenverbrennung. Diese Kippen sind immer auch Anlaufpunkt für Raubtiere, die dort Freßbares suchen. Da versammeln sich nicht nur Indische Wölfe (Canis lupus pallipes), sondern auch Streifenhyänen (Hyaena hyaena), Gold-Schakale (Canis aureus) und Paria-Hunde (Canis lupus familiaris).
    So kann es durchaus zur Gewöhnung einzelner Individuen an Menschenfleisch kommen und infolge dessen zu einem veränderten Beuteverhalten, das u.U. auch als “Tradition” an folgende Generationen weitergegeben wird.
    Wie ich vermutete: Die Ursache ist in menschlichem Fehlverhalten zu suchen. Die Entwicklung von “Menschenfressern” basiert m.M.n. fast immer auf menschlichem Einwirken, entweder durch schlampigen Umgang mit Leichen (in manchen Gegenden werden die einfach liegengelassen) oder durch Verletzungen des Tieres, die eine normale Jagd unmöglich machen. Auch ein schlechter Zahnstatus kann zu einer Verschiebung des Beutespektrums führen (letzteres z.B. bei Großkatzen bekannt: Löwen des Tsavo), wovon ich allerings im Zusammmenhang mit Wölfen noch nichts gehört habe.
    Bei Berichtungen über Tote durch Tiere (ganz allgemein) sollte man also nicht nur die nackten Zahlen betrachten (die in Indien relativ zur Bevölkerungsdichte und Gesamteinwohnerzahl nicht einmal mehr in Promille auszudrücken sind), sondern vor allem auch die Hintergründe, und letztlich nicht die Tiere für etwas verantwortlich machen, das wir Menschen selbst verschuldet haben.

    Wie auch immer, in den für Wölfe beutereichen (Hirschtiere “satt”), gemäßigten Zonen geht von diesen Tieren keine Gefährdung für Menschen aus (höchstens *gelegentlich* für deren Nutzvieh) und so sollten wir sie als das sehen, was sie sind: Eine Bereicherung unserer hiesigen Tierwelt, unabdingbar für das ökologische Gleichgewicht.

    Quellen:
    Norsk institutt for naturforskning
    http://en.wikipedia.org/wiki/Wolves_of_Hazaribagh
    http://de.wikipedia.org/wiki/John_Henry_Patterson
    http://en.wikipedia.org/wiki/Tsavo_maneaters
    (auch hier wieder der Bezug zu unzureichender Verbrennung von Toten durch indische Arbeiter)

    Mit freundlichen Grüßen
    Grauer Wolf

  55. Wenn in der Lausitz ein Wolf einen Menschen tötet, dann wird es wohl die angehörigen wenig trösten, ob der Wolf an der Tollwut oder einer andere
    (Zahn)Krankheit litt. Auch mich macht es traurig, dass immer mehr Tiere
    aussterben. Ich habe zum Beispiel schon lange keine Rebhühner mehr gesehen. Also gerade die Wölfe hier wieder heimisch werden zu lassen,
    ist aus meiner Sicht in unserem dichtbesiedelten Gebiet nicht die beste Lösung.

  56. Heute las ich in der SZ(3.8.10, S. 6), dass bei Reichwalde drei Schafe von Wölfen verspeist wurden. So weit so gut. Allerdings war die Koppel an einer Seite nicht eingezäunt sondern nur durch einen Wassergraben geschützt. Ob der Tierhalter trotzdem eine Entschädigung erhalten hat, geht aus dem Artikel nicht hervor.

  57. Am 7..8.2010 stand im Oberlausitzer Kurier “Wolf reißt Schaf und zwei Lämmer”.
    Meine Meinung dazu: lange galt der Wolf als ausgestorben. Um das biologische Gleichgewicht im Wald zu halten, waren Förster und Jäger in der Pflicht, krankes und überzähliges Wild zu Strecke zu bringen.
    Groß war die Freude, als Wölfe aus Polen in unsere Wälder kamen und sich ansiedelten. Aber ich glaube, dabei hat man etwas vergessen. Der Wolf ist keinesfalls ein Kuscheltier. Sein natürlicher Instinkt ist das Jagen.
    Doch bitte, was soll er jagen? Der Mensch hat das doch für ihn übernommen… Er findet kein Wild und sucht eine Alternative. Und der Wolf findet Ersatz, schließlich hat er auch Hunger! Wie auf dem Silbertablett werden ihm Schafe, Lämmchen, Kälbchen gereicht. Dass die Besitzer dieser Nutztiere außer sich sind, verstehe ich vollkommen. Und sicher muss etwas zum Schutz dieser Tiere unternommen werden. Aber, wenn der Wolf in unseren Wäldern bleiben soll, muss auch etwas für ihn getan werden.

  58. Lieber Herr Jakob, wir können gerne jedes Mal wieder darüber diskutieren: Die betroffenen sächsischen Gemeinden sind in etwa so “dicht besiedelt” wie der Kongo oder die Vereinigten Staaten. Oder, um Ihnen etwas entgegenzukommen: Die Bevölkerungsdichte von Boxberg und Rietschen ist etwa sechs- bis achtmal geringer als jene von Pulsnitz. Das ist einfach keine dicht besiedelte Region. Da wohnt kaum einer, besonders nicht auf dem Truppenübungsplatz und in den “rekultivierten” Tagebauen, wo die Wölfe mit Vorliebe herumstreifen.

  59. Hallo Julian,
    wir können einen Meingsaustausch führen. Aber Sie und auch ich haben eine
    relativ gefestigte Meinung und die sollten wir auch behalten. Natürlich ist die *Fortser-Ecke* wesentlich weniger besiedelt als die *Dresdner- bzw. Pulsnitzer-Ecke*. Das weiß ich schon. Natürlich ärgere ich mich auch, dass Tag für Tag das Artenstreben der Tiere zu nimmt. Auch ärgere ich mich, dass der Urwald immer mehr abgeholzt wird. Zurück zum Wolf. Wenn der Wolf hier heimisch werden soll, dann sollten wir uns für riesige Wälder und nicht für riesige Besiedlungsgebiete für Menschen einsetzen. Denken sie bitte auch daran, dass wir in Kürze 12 Milliarden sind. Zwar nicht in Deutschland bzw. Europa aber auf der Erde. Alles Gute Erhard.

  60. Hallo Erhard,

    natürlich wächst die Bevölkerung der Erde weiterhin rasant, auch wenn mir schleierhaft ist, woher sie die 12 Milliarden nehmen. Alle Prognosen der UNO, selbst die “negativen”, gehen von höchstens 10 Milliarden Menschen im Jahr 2050 aus. Und dieser Zuwachs geschieht zumeist zu Lasten der Großstädte in den sogenannten Entwicklungsländern, nicht zu Lasten ländlicher Regionen in Mitteleuropa. Was die Lausitz, Polen, Brandenburg und Mecklenburg angeht, so sind unsere Wälder hier “riesig” genug, um Platz für Wolf und Mensch zu bieten. Wo es zu Interessenskonflikten kommt, wo bspw. Nutztiere gerissen werden, dort wird ja schon seit Jahren vermittelt und entschädigt. Es ist – und damit meine ich nicht Ihre Kommentare – teilweise schon absurd, wie sehr sich manche Interessensgruppen in der Lausitz und darüber hinaus abmühen, um den Wolf als etwas hinzustellen, was er nun einmal einfach nicht ist: eine gefährliche Bestie. Wir Menschen haben die ungewöhnliche Gabe, uns auf alles Mögliche einstellen zu können. Dann werden wir es wohl auch schaffen, unsere Kühe, Schafe und Ziegen vor ein paar Dutzend wandernden Wölfen zu bewahren.

    Grüße,
    Julian

  61. Hallo Julian,
    ich gebe Ihnen doch mehr Recht, wie Sie vielleicht ahnen. Ich selbst habe keine Angst vor dem Wolf bzw. den Wölfen in unserer Region. Mir geht es doch mehr um meine Kinder und Kindeskinder. Und wenn paar *Nutztiere* >verspeist< werden und die Tierhalter entschädigt werden, geht es doch auch weiter. Mir geht es mehr darum, wenn Krankheiten auftreten. Z.B., wenn ein Wolf einen tollwütigen Fuchs frißt usw.. Zu der *Vermehrung* der Menschheit haben wir sicher verschiedene Informationen erhalten. Aber das spielt -wie Sie schon richtig sagen- in unserer Gegend weniger eine große Rolle. Alles Gute Erhard.

  62. Frau Stolle schrieb am 09.08. u.a. das der Wolf kein Wild findet. Bei allem Respekt, aber wer mit offenen Augen durch die Welt geht oder fährt sieht sehr wohl Wild (Rehe, Füchse, Hasen, Kaninchen usw.) oder Wildschäden (Kaninchenbaue an Strassenböschungen oder umgegrabene Strassenränder, verursacht von Wildschweinen). Es ist nur die Frage zu beantworten WARUM die Wölfe sich Schafe usw. “jagen”. Es ist doch viel einfacher, sich das Essen vom Teller zu nehmen, als es vorher zu besorgen. Im Klartext: bleibt der Wolf weiterhin in dieser Schutzklausel, werden auch weiterhin Zuchttiere von ihm “bejagt”. Der Wolf sollte als Wildtier geachtet bleiben, aber, wenn er den Dörfern und Städten zu nahe kommt, auch bejagt werden können.

  63. @GrauerWolf: Die Infos bezüglich der Angriffe um Hazaribagh in Indien werden laut “Linell et al. 2001: The fear of wolves – A review of wolf attacks on humans” anders gedeutet:

    Es waren wohl meistens mehrere Individuen involviert, in einem Fall werden bis zu drei Rudel verdächtigt.
    Grund für die Spezialisierung auf Kinder, ist das geringe Vorkommen von anderen Beutetieren in der Gegend, die Gebiete sind weitläufig entwaldet, werden landwirtschaftlich genutzt und die Bevölkerungsanzahl ist extrem hoch (> 600 km2). Die meisten Familien sind sehr arm und sehr kleine Kinder müssen bereits Nutzviehherden betreuen, was sie natürlich zu leicht angreifbarer Beute macht.


    Die Angst vor einem tollwütigen Wolf in Deutschland ist meiner Meinung nach im Moment unbegründet. Seit 2008 gilt Deutschland als frei von terrestrischer Tollwut. In 2005 konnten lediglich fünf Tollwutfälle bei Füchsen nachgewiesen werden (Quelle: Wikipedia). Wenn man das Internet durchstreift, dann ist die Hauptodesursache für Füchse der Tod durch Erschießen (ca. 600.000 Füchse pro Jahr -> http://www.fuechse.info).

    Wenn man seinen Kindern und Kindeskindern wirklich etwas für den Lebensweg mitgeben will, dann sollte man ihnen Beibringen respektvoll mit der Natur umzugehen.

    Von einem Auto tödlich verletzt zu werden/sich selbst totzurasen, negative Kontakte mit Drogen und Alkohol (Komasaufen bei Jugendlichen), vor dem Computer zu versauern, von den Anforderungen in der Schule erdrückt und depressiv zu werden, an einer tödlichen Krankheit zu erkranken, sind meiner Meinung akutere Probleme, die Kinder heute haben als ein Wolf, den man aufgrund seiner Scheuheit im Wald nicht mal zu Gesicht bekommt.

  64. Lacerta,
    Ihre Worte in Gottes Gehörgänge.

    Es ist ganz sicher richtig, dass die Gefahr anderweitig ums Leben zu kommen viel größer ist als von einem kranken oder hungrigen Wolf angegriffen zu werden. Aber einmal ist immer das erste Mal.

  65. Ach Erhard, jetzt hören Sie doch bitte mit diesen Allgemeinplätzen á la “Es gibt immer ein erstes Mal” auf. Das will doch keiner hören. Im Straßenverkehr sterben jährlich Tausende Menschen. Sind Sie schon mal auf die Idee gekommen, übermüdete Truckerfahrer, merkbefreite Rentner oder betrunkene Jugendliche am Steuer deswegen über den Haufen zu schießen? Na also.

  66. Also Julian, auf diese Idee bin ich nun wirklich noch nicht gekommen. Aber andererseits finde ich es als eine gute Idee von der Polizei, die von Ihnen genannten Personen, aus dem Verkehr zu ziehen.

  67. In Pulsnitz sind die meisten Dächer mit Dachziegeln gedeckt. Da fällt auch ab und zu einer runter. Sollte man da noch ohne Schutzhelm den Bürgersteig benutzen?
    Bis jetz ist glaub ich noch niemand getroffen worden,”aber einmal ist immer das erste Mal”.
    (Besser wäre Dachziegel verbieten!)

  68. ”aber einmal ist immer das erste Mal”

    Ich denke, das ist keine Lösung für die hier diskutierten Probleme. Die meisten von uns gehen durch’s Leben ohne von einem Dachziegel getroffen oder in einen größeren Autounfall verwickelt zu werden. Der Grund dafür ist ganz einfach, man ist vorsichtig und hält sich an gewisse Regeln.
    Auch für den Umgang mit dem Wildtier Wolf gibt es Empfehlungen, was zu vermeiden bzw. zu tun ist, wenn man überhaupt mal ein Individuum zu Gesicht bekommt. Mit Wildschweinen ist es ja auch nicht anders.

    Ich kartiere häufig in einem Biotopbereich, in dem Wildschweine vom Jagdpächter gekirrt werden. Bin selbst kein großer Fan davon Wildschweinen zu begegnen, bisher habe ich allerdings auf über 20 Kartiereinsätzen nicht mal eine einzige Sau gesehen, obwohl sie überall regelmäßig ihre Spuren hinterlassen. Die stören mich nicht bei meiner Arbeit und ich störe sie nicht.

    Wir würden in diesen Diskusionen viel weiter kommen, wenn sich Menschen, die Angst vor dem Wolf haben oder ihn in irgendeiner Form als Problem betrachten, sich selbst die Chance geben und ihre Nase in Infomaterial stecken würden. Wichtig ist es sich genau die Dinge aufzuschreiben, vor denen man in Bezug auf den Wolf Angst hat und genau diese Dinge zu recherchieren oder einen Experten zu fragen und sich erklären zu lassen, wo man eventuell falsche Vorstellungen hat.
    Man muss kein Wolfsfan werden, man muss sich auch nicht belehrt fühlen, aber es wäre trotzdem schön, wenn alle auf der gleichen Wissenbasis diskutieren könnten.

  69. Der Beitrag von Lucerta, finde ich ganz großartig! Ich selbst bin auch der Ansicht, dass der Wolf ein sehr menschenscheues Tier ist und ich selbst habe auch keine Angst vor ihm. Zumal ich mitten in der Stadt wohne. Und wenn ich mit Freunden im Wald bin und Pilze suche usw., habe ich auch keine Angst. Ich denke da eher an meine Kinder und Kindeskinder, die nahe in einem Dorf und am Waldrand wohnen. Sei wie wie es sei. Ich habe Verständnis für die Leute, die sagen: *Der Wolf sollte hier nicht mehr heimisch werden.* Und ich habe Verständnis für die Leute die sagen: “Der Wolf gehört zu uns, wie jedes andere Tier.* Jeder sollte bei seiner Meinung bleiben und deshalb den anderen -der eine andere Meinung hat- nicht gering schätzen.

  70. Lieber Erhard,

    dann wäre doch ein erster Schritt die Kinder und Enkel zu fragen, wie sie mit dem Thema “Wolf” umgehen. Haben diese überhaupt Angst? Wissen die Kinder, wie sie sich zu verhalten haben, wenn ihnen überhaupt mal ein Wolf begegnet?
    Was denken Sie denn, was in einem solchen Falle ratsam wäre?

  71. Lacerta,

    also meine Kinder sollten sich zu diesem Thema selbst äusern.
    Im Normalfall ist es so, dass sie ganz andere Vorstellungen
    haben, wie ihre Eltern und Großeltern.

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