Bautzen, Nachrichten

Musterreden fliegen in den Papierkorb

von Monika Lenz – 25.07.2010

Ein Termin in Neschwitz, einer in Burk, nach Neukirch muss sie noch und am Ende der Woche gibt es im Norden des Kreises Krabat. Maria Michalk sitzt in den kühlen Räumen ihres neuen Büros auf der Hohengasse 16 in Bautzen und plant. Nach den Sitzungswochen in Berlin ist nun wieder der Wahlkreis dran.

Landkreis. Zeit zum Nachdenken, Verschnaufen, Vertiefen? „Die nehme ich mir“, sagt die Sorbin. „Ich lese mich in die Themen ein, beschäftige mich damit. Anders geht es gar nicht“, meint sie. Abends, während ihr Mann Fußball schaut zum Beispiel oder zwischen ein paar Sitzungen in Berlin. Ihre Reden schreibt sie sich selbst. Musterreden, wie sie andere oft verwenden, fliegen bei ihr in den Papierkorb. Schon deshalb, weil sie sich eigene Reden merken kann. „Wenn ich eine Rede ausarbeite, dann habe ich sie im Kopf. Dann weiß ich auch, worüber ich spreche und was ich sagen will“, sagt die 60-Jährige.

Maria Michalk ist in der Region verwurzelt. Wenn sie in der Oberlausitz unterwegs ist sammelt sie Anregungen, Hinweise und Probleme. Sie fließen in die große Politik ein.

In den nächsten zwei Wochen will sie es etwas ruhiger angehen lassen. Arbeitsurlaub zu Hause ist angesagt. „Ich komme ja zu nichts, hab einiges nachzuholen.“ Außerdem wird sie zum vierten Mal Oma. Wenn sich das Baby an seinen Termin hält, kann Maria Michalk in der zweiten Woche aushelfen, den anderen Enkel betreuen und damit die Eltern entlasten. Wenn es sich Zeit lässt, wird es kompliziert.

Maria Michalk mag ihre Familie. Eine große Familie. Viele ihrer Erfahrungen zieht sie daraus. Auch die mit Behinderten. „Weil wir auch so jemanden in unserer Großfamilie haben, hatte ich noch nie Berührungsängste“, sagt sie. Und deshalb fühlt sie sich nicht wohl, wenn der Bundesgerichtshof entscheidet, dass die Embryonen, die künstlichen Befruchtungen entstammen, genetisch untersucht und bei möglichen Schäden vernichtet werden dürfen. „Ich bin dagegen“, sagt sie klar. „Das richtet sich gegen die bedingungslose Annahme eines Menschen“, fügt sie hinzu. Hier würden Menschen nach Kriterien ausgewählt, die nicht allein entscheidend seien.

Da entscheide jemand, ob ein Mensch mit Trisomie leben dürfe oder nicht. Egal wie liebenswert solch ein Mensch sei, wie kreativ oder wie hilfsbereit. Maria Michalk will das Embryonenschutzgesetz ändern, um diese Selektion zu verhindern. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Bundestagsabgeordnete Themen in Berlin setzt, die entsprechend beraten, diskutiert und letztlich beschlossen werden. So wie die ganz aktuelle Regelung, dass Arbeitslosengeld nicht gekürzt werden darf, weil die Kinder in den Familien sich über Ferienarbeit etwas dazu verdienen. Dafür hat sich die Sorbin stark gemacht, die in drei Ausschüssen in Berlin sitzt – in denen für Arbeit und Soziales, Gesundheit und Kultur.

Ein Thema, das ihr derzeit sehr am Herzen liegt: privat Krankenkassenversicherte Unternehmer, die heute in Rente sind oder in Insolvenz gehen mussten, können ihre horrenden Krankenkassenbeiträge nicht zahlen. Zurück in die gesetzliche dürfen sie aber auch nicht. „Ich kenne Fälle, wo Freiberufler von ihrer 700-Euro-Rente 500 Euro in die Krankenkasse zahlen müssen“, sagt Maria Michalk. Solche Fälle gebe es gerade im Landkreis Bautzen sehr oft. „Diese Menschen lassen das nicht nach außen, weil sie als erfolgreiche Unternehmer gelten und sich schämen“, meint die Sorbin.

Wenn Maria Michalk in ihrem Wahlkreis unterwegs ist, ist sie auf Sammeltour. Dann hört sie die Probleme, wird mit Ideen und Forderungen konfrontiert, speichert Missstände im Hinterkopf und registriert Vorschläge. Später ordnet sie und macht diese Dinge zu Themen. „Die Leute glauben immer, große Politik wird gemacht, indem ein Herr Söder eine tolle Idee hat und dann den Minister unter Druck setzt“, sagt Maria Michalk. „Das stimmt aber nicht. Die Themen setzen wir. Deshalb ist es so wichtig, dass die Leute in der Region sagen, was sie bewegt.“

Politik sieht die Bundestagsabgeordnete lokal. „Was hier im Kleinen geschieht und die Menschen umtreibt, ist wichtig.“ Wie wichtig hat sie gemerkt, als sie Chefin des Fortbildungswerkes in Bischofswerda war und Politik nur ehrenamtlich machte. „Da musste ich nach meinen eigenen Gesetzen arbeiten. Das war eine sehr heilsame Erfahrung“, sagt sie. Eine, die sie manchem Kollegen wünscht. „Vor allem einigen jüngeren, da gibt es schon einige sehr glatte Typen.“

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