Bautzen, Kamenz, Niesky, Vermischtes

Die Wölfe müssen von Orten ferngehalten werden

von Uwe Menschner – 20.03.2009

Im Nordosten des Altkreises Bautzen formiert sich weiterer Widerstand gegen die Wolfspolitik des Freistaates Sachsen: In Halbendorf/Spree (Gemeinde Guttau) hat sich kürzlich eine neue Bürgerinitiative unter der Bezeichnung „Sicher leben unter Wölfen“ gegründet.

Halbendorf/Spree. „Auslöser dafür waren die Vorfälle, die sich im Spätsommer 2008 in unserem Dorf ereigneten“, erklärt der Sprecher der Initiative, Tino Zimmermann. Damals hatten Wölfe in unmittelbarer Nähe des inmitten ausgedehnter Wälder liegenden Dorfes mehrere Schafe gerissen. Ein Blutfleck im Buswartehäuschen wurde damit in Verbindung gebracht – „es handelt sich um dieselbe Bushaltestelle, an der meine Kinder jeden Morgen auf den Schulbus warten“, wie Tino Zimmermann betont.

Mit einem zehn Monate alten Rüden wurde am Freitag der Vorwoche ein zweiter Lausitzer Wolf mit einem GPS-Sender ausgestattet.    Foto: Lupus

Mit einem zehn Monate alten Rüden wurde am Freitag der Vorwoche ein zweiter Lausitzer Wolf mit einem GPS-Sender ausgestattet. Foto: Lupus

Vor mehreren Jahren, als sich die Wölfe noch ausschließlich auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz aufzuhalten schienen, habe ihn diese Problematik nicht sonderlich interessiert, bekennt der Familienvater. „Doch jetzt, wo sie unmittelbar vor der eigenen Haustür herumlaufen, herrscht in Halbendorf und Umgebung Alarmstimmung.“ Die Bürger fürchteten um die Sicherheit ihrer Kinder, die früh im Dunkeln auf den Bus warten und nachmittags mit dem Fahrrad durch den Wald fahren. Die vom Staat finanzierten zuständigen Stellen würden die Sorgen der Bürger nicht ernst nehmen, sondern setzten lediglich auf Beschwichtigung.

„Wir fordern nicht, dass die Wölfe in der Oberlausitz ausgerottet werden“, stellt Tino Zimmermann klar. „Doch in Ortschaften und ihrer unmittelbaren Nähe haben sie nichts zu suchen. Von dort müssen sie mit allen Mitteln ferngehalten werden.“ Den entsprechenden Radius setzt er bei 300 Metern an. Mittlerweile haben sich 80 Bürger, vor allem aus den Gemeinden Guttau, Malschwitz, Großdubrau und Königswartha, der Initiative angeschlossen.

Für Christian Lissina ist es logisch, dass sich die Wölfe immer ungenierter in die Nähe menschlicher Behausungen trauen. „Durch die völlig verfehlte sächsische Wolfspolitik haben sie schnell gelernt, dass ihnen vom Menschen keinerlei Gefahr droht“, erklärt der Vorsitzende des Vereins „Sicherheit und Artenschutz“ e.V. Es sei nur eine Frage der Zeit, dass es zu ernsthaften Vorfällen zwischen Wolf und Mensch kommen werde, erklärt Lissina, und verweist dabei auf russische Presseberichte, nach denen erst unlängst ein Wolf einen zehnjährigen Jungen angefallen und getötet hat.

Das Bild zeigt einen Wolfswelpen des Nochtener Rudels, der im Januar von einem Zug überfahren wurde. Wenig später wurde die tote Wölfin bei Reichwalde gefunden. Sie stammte ebenfalls aus dem Nochtener Rudel. Foto: Lupus

Das Bild zeigt einen Wolfswelpen des Nochtener Rudels, der im Januar von einem Zug überfahren wurde. Wenig später wurde die tote Wölfin bei Reichwalde gefunden. Sie stammte ebenfalls aus dem Nochtener Rudel. Foto: Lupus

Der Vereinsvorsitzende zweifelt die offiziellen Angaben über die Anzahl der Wölfe in der Lausitz an – „es müssten mittlerweile mindestens um die hundert sein“ – und stellt auch in Frage, dass sich die sächsische Wolfspopulation auf natürliche Weise entwickelt hat und dass es sich um reinrassige Wölfe handelt. Dabei stützt er sich auf Aussagen von Wildbiologen aus Finnland, Russland und den USA – allesamt Länder, in denen es umfangreiche Erfahrungen zum Zusammenleben zwischen Wölfen und Menschen gibt. „In Sachsen hingegen“, so betont Lissina, „gibt es trotz aller gegenteiligen Beteuerungen keinen wirklichen Sachverstand zu diesem Thema.“

Die Bürgerinitiative „Sicher leben unter Wölfen“ und der „Sicherheit und Artenschutz“ e.V. beteiligen sich an der Erarbeitung des Managementplanes für den Wolf in Sachsen. Allerdings hat Tino Zimmermann nur wenig Hoffnung, dass ihre Forderungen in den Plan einfließen werden. „Die sächsische Staatsregierung weicht keinen Zentimeter von ihrer ideologisch geprägten Pro-Wolf-Einstellung, von der mittlerweile viele Leute recht gut leben, ab“, meint er.

Die Annäherung an menschliche Siedlungen werde in den bisherigen Entwürfen als „unproblematisch“ eingeschätzt: „Dies ist für uns als Bewohner einer betroffenen Ortschaft völlig inakzeptabel. Wir wollen uns auch künftig dafür einsetzen, dass in der Abwägung der Interessen der Mensch und seine Sicherheit oberste Priorität haben“, betont Zimmermann.

Mehr Informationen unter:
www.unterwoelfen.de.vu