Bautzen, Wirtschaft

„Kein Spaß in anormalen Zeiten“

von Tobias Schilling – 20.03.2009

Einen Oberlausitz-Tag legte am vergangenen Montag der sächsische Finanzminister Georg Unland ein. Neben einem Besuch der Gedenkstätte Bautzen und Unternehmen in Königswartha stand auch ein Besuch beim Fensterbauer Eibel an. Hier warben die Bürgermeister von Guttau und Malschwitz um Unterstützung für ihre Mittelschule.

Eibel (v.r.), Schiemann, Unland, Skomudek, Seidel (hier beim Rundgang bei Eibel): Der Minister weiß jetzt von den Sorgen der Malschwitzer.

Eibel (v.r.), Schiemann, Unland, Skomudek, Seidel (hier beim Rundgang bei Eibel): Der Minister weiß jetzt von den Sorgen der Malschwitzer.

Malschwitz. Es gibt Fragen, die sollte man einem Finanzminister in diesen Zeiten besser nicht stellen. Etwa, ob ihm sein Job auch Spaß macht. Dann kommt auch dem sächsischen Finanzminister Georg Unland eine Antwort nur schwer über die Lippen. Nach einigem Überlegen folgt der Verweis auf die „etwas anormalen Zeiten“, in denen man sich befinde. „Das Amt macht keinen Spaß, aber jeder muss seinen Job machen“, lässt sich der 55-Jährige doch noch entlocken.

Aber er hat es selbst so gewollt, er, der schon so vieles gemacht hat in seinem Leben. Er war beim Darmstädter Haarpflegeunternehmen Wella AG, beim Zementproduzenten Krupp Polysius, Professor für Maschinenbau, an der Bergakademie Freiberg und zuletzt deren Rektor. Nicht zuletzt ist er verheiratet und hat vier Kinder. Aber was ist das schon gegen den Job des Finanzministers, mit dem er sich quasi in das Auge eines Finanz- und Wirtschaftskrise genannten Orkans katapultierte?

Um so erfreuter war Unland darüber, mit dem Fensterbauunternehmen Eibel etwas Positives zu Gesicht zu bekommen. Auch wenn sich Geschäftsführer Herbert Eibel sicher ist, dass die Krise an seinem Unternehmen nicht spurlos vorbeigehen wird. „Derzeit spüren wir aber davon noch nichts.“ Eine Wohltat für Unlands Ohren, in denen sonst eher die Forderungen nach Staatshilfen für den Chip-Hersteller Quimonda dröhnen. Aber auch bei Eibel kann man nicht von Ruhe sprechen, als der Firmenchef den Minister mit dem Landtagsabgeordneten Marko Schiemann, Kreisdezernent Steffen Domschke und den Bürgermeistern Andreas Skomudek (Guttau) und Matthias Seidel (Malschwitz) im Schlepptau das Eibelsche Werk besichtigte. Hier sorgten die Produktionsmaschinen für die passende Beschallung. Denn auch wenn ein Finanzminister zu Besuch weilt, wollen die 120 Mitarbeiter ihre rund 2.000 Fenster in der Woche produzieren.

Georg Unland zeigte sich am Unternehmen Eibel und den einzelnen Produktionsschritten sehr interessiert.

Georg Unland zeigte sich am Unternehmen Eibel und den einzelnen Produktionsschritten sehr interessiert.

Unland selbst zeigte sich sehr interessiert an dem Unternehmen und den einzelnen Produktionsschritten. Kein Wunder, denn Unland ist ein Politik-Quereinsteiger und hat vorher Produktionsluft in „richtigen“ Unternehmen geschnuppert. Als Doktorarbeit soll er sogar ein Ultraschallzerstäubungsgerät entwickelt haben. Firmenchef Eibel überraschte das Interesse des Ministers keineswegs. „Ich habe mich vorher bei Wikipedia über den Minister und seinen Lebenslauf schlau gemacht“, meint Eibel später. Dazu kommt, dass ein verstorbener Bekannter von Unland ebenfalls eine Fensterfirma besaß. Kein Wunder also, dass der Minister seinen Besuch mit den Worten „Es war schön, mal wieder einen Fensterbaubetrieb zu sehen“ beschließt.

Bevor Unland jedoch zu seinen weiteren Terminen aufbrechen konnte, war es an Andreas Skomudek und Matthias Seidel, den Minister um seine Unterstützung für die Malschwitzer Mittelschule zu bitten. Die soll saniert und erweitert werden, allerdings werde man von den entsprechenden Ministerien immer wieder vertröstet. Ein entsprechender Antrag, so sei durch die Blume signalisiert worden, habe wohl wenig Aussicht auf Erfolg. „Wir wollen jetzt auf die Prioritätenliste“, forderte Matthias Seidel. Denn wie auch Kreisdezernent Domschke sieht er Eile geboten: Die Malschwitzer Schule sei im Bautzener Norden – von dem Sonderstatus der Schule in Radibor abgesehen – die einzige öffentliche Schule. Sonst gebe es nur noch freie Schulen, deren Qualität allgemein oft zweifelhaft sei. Ein Argument, dem sich der Minister mit einem Blick auf die Landkarte nicht verschließen konnte. „Sie sind ja von den Privaten förmlich umzingelt.“ Zu einem konkreten Versprechen ließ sich Unland zwar nicht hinreißen, aber die beiden Bürgermeister und Firmenchef Eibel waren dennoch zufrieden. Zumindest hat der Minister nun von den Malschwitzer Sorgen gehört. Bleibt zu hoffen, dass sie im Krisen-Konzert der großen Beschwerden nicht untergehen.