Niesky, Vermischtes
Eine Bockwurst für die Briten
von Redaktion – 19.04.2009Klappe auf. Ein Filmteam aus England drehte auf der Crazy Horse Ranch in Steinölsa.
Steinölsa. Mit Kameras und Filmarbeiten kennt sich Robert Remus inzwischen aus. Lokale Fernsehsender haben ihn bereits häufig interviewt. In Gernstls Deutschlandreise für den Bayerischen Rundfunk wurden er und sein Verein auch schon vorgestellt. Und auf den Mund gefallen ist Remus auch nicht. Doch als vor einigen Wochen ein Filmteam aus England bei ihm anklingelte war er beinah sprachlos. Nur beinah, denn sonst wäre es wohl nicht zu dem Treffen in Steinölsa gekommen.

Finale im Schaukampf zwischen Kavallerist und Indianer: Das Kameratema aus England hält noch mal voll drauf
„Zwölf Leute sind hier angerückt“, erzählt Robert Remus und kann es immer noch nicht fassen. An einem Tag war die Crazy Horse Ranch Drehort für ein komplettes Filmteam. Hauptakteure waren Robert Remus, seine Frau Simone Heß, seine drei Kinder und die restlichen Mitglieder des 19-köpfigen Vereins für Indianistik. Stundenlang fragten die Briten Remus Löcher in den Bauch, stapften durch Schneematsch und über halbgefrorene Wiesen, schauten sich das kleine Indianermuseum auf dem Gelände an und filmten einen Schaukampf der Vereinsmitglieder. Im Indianermuseum überwiegen Replikate, selbstgefertigte Ausstellungsstücke, die „alle noch benutzt werden“. Darauf legt Robert Remus wert. Hier gebe es kein Berührungsverbot. Im Gegenteil. Neben den Indianerkleidern seiner Frau hängen da auch die Kittel der Kinder. Da gibt es eine Coup-Lanze und dort einen Traumfänger, einen Tomahawk oder eine Keule.
Robert Remus kennt sich mit der Geschichte der Besiedlung Nordamerikas aus. Dass die Pferde von den Europäern mitgebracht und von den Indianern als Geisterhunde bezeichnet wurden, dass es auch unter Frauen hochangesehene Krieger gab und nicht nur die Häuptlinge reichen Federschmuck trugen – dieses Wissen gibt er gern weiter. Unter anderem mit einem eigenen Programm, das der Verein Kindern bis zwölf Jahren anbietet – die Reise ins Indianerland. Dabei stellen Robert Remus und seine Mitstreiter das Leben der Indianer und der Weißen dar, laden ins Tipi und führen kleine Episoden vor. Speer- und Hufeisenwerfen oder Stockballspiele gehören zum Programm. Und das kommt offenbar gut an. Schulklassen aus Brandenburg oder Dresden haben die Crazy Horse-Ranch bereits besucht. Für die Schaukämpfe – zu Pferd und zu Fuß – haben Robert Remus und Simone Heß jahrelang trainiert. Das Problem: Die Schreckhaftigkeit von Pferden. Normalerweise zumindest. Nicht so in ihrem Fall.
Die robusten Westernpferde sind jahrelang auf Kreischen, Lärmen, Aufeinanderzustürmen und sogar Platzpatronen trainiert worden. Heute zeigen sie sich völlig ungerührt, wenn ihre Reiter derartige Sperenzchen vollführen. Eine Tatsache, auf die Robert Remus und seine Frau stolz sind. „Pferdefreunde, die unsere Schaukämpfe sehen, sind immer wieder fassungslos“, erzählt Remus. „Für die sind wir eine Art reitende Magier. Vor allem, wenn wir sagen, dass unsere Pferde keinerlei Ohropax in den Ohren haben“, fügt er hinzu und schmunzelt.
Die Kämpfe wollten auch die Engländer sehen. „Wo man hintrat, standen ein Kameramann oder eine Kamera, überall stolperte man über Crew-Mitglieder“, erinnert sich Remus. Noch einen Tag vor der Anreise hatten die Vereinsmitglieder mit dem Wetter zu kämpfen. Es fiel jede Menge Neuschnee, dann taute es, überall gurgelte Schmelzwasser in Rinnsalen über das Grundstück. Der Boden verwandelte sich in Matsch. Das Tipi, das sie aufbauten, war innerhalb von Sekunden mit einer dicken Schneeschicht bedeckt, was das Einschlagen des Leders fast unmöglich machte. „Die Plane war extrem schwer und kaum zu bewegen“, erinnert sich Simone Heß. Regelrechte Blizzards habe es gegeben. „Einen Tag später war alles vorbei, wunderschöner Sonnenschein, kein Schnee, ideales Wetter“, erzählt Remus. Er gerät ins Schwärmen, wenn er an den Besuch von der Insel denkt. Die Atmosphäre sei herzlich gewesen, ein „Wahnsinnsklima“. Man habe sofort einen Draht zueinander gehabt.
Für die Bewirtung hatten die Indianistiker anfangs an Kekse und Tee gedacht. „Typisch englisch eben“, meint Remus. Aber ein Freund habe ihm gesagt, er könne den Engländern mit Sicherheit mehr Freude mit Bock- oder Bratwurst machen. Der Tipp entpuppte sich als Knaller. „Die Bockwurst kam prima an“, erzählt Simone Heß und fügt lachend hinzu: „Sie haben sich regelrecht drauf gestürzt, allerdings immer schön ordentlich mit Messer und Gabel.“ Dass die Aufnahmen unter anderem für die BBC – konkret für die Sendung „Paul Merton in Europe“ – gemacht wurden und der Beitrag international gesendet werden soll, wussten Robert Remus und seine Mistreiter zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Auch dass die Crazy Horse Ranch in Steinölsa der einzige Ort in der Lausitz ist, der in dieser Folge vorkommen wird. Als er es schließlich vom Team erfuhr, war er zum zweiten Mal beinah sprachlos. Aber nur beinah.
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