Bautzen, Vermischtes

Verhasst und illegal: Spam an der Scheibe

von Monika Lenz – 21.11.2009

Klein, rechteckig, bunt und verhasst: So stecken fast jeden Tag Visitenkarten im Gummi der Scheiben von Autos auf Bautzener Parkplätzen. Unerwünschte Werbung von Autoexporteuren. Meist landen sie mit Schwung auf dem Erdboden. Ordentlichere Autofahrer befördern sie in die Türablage um sie später zu entsorgen.

Bautzen. „Nicht legal“, so das Urteil der sächsischen Verbraucherzentrale. „Das ist wie unerlaubte Telefonwerbung, genau das gleiche“, sagt Renate Janeczek. Die Möglichkeiten, dagegen vorzugehen seien allerdings begrenzt.

Das ist nicht einmal für die Katz -  und zudem illegal, die Werbung an der Autoscheibe.  Wer will kann Anzeige erstatten. Viel Hoffnung, dass sich dann etwas ändert macht, die Verbraucherschutzzentrale allerdings nicht.

Das ist nicht einmal für die Katz - und zudem illegal, die Werbung an der Autoscheibe. Wer will kann Anzeige erstatten. Viel Hoffnung, dass sich dann etwas ändert macht, die Verbraucherschutzzentrale allerdings nicht.

Eine Anzeige sei möglich, aber: „Das bringt meist gar nichts. Ich würde auch niemandem empfehlen, darauf einzugehen und dort vielleicht anzurufen. Man weiß nicht, wie sich das dann entwickelt.“ Häufig seien am anderen Ende der Leitung geschickte Verkäufer. Die könnten dem einen oder anderen dann tatsächlich etwas aufschwatzen, was man nicht wolle. Tatsächlich – das ergibt ein Test – sind am anderen Ende eher ungeschickt deutsch sprechende Ausländer. So wie der Exporteur, der hinter „Toni Export“ steckt und laut eigener Aussage in Dresden sitzt. Ein drei Jahre altes Auto das schon 100.000 Kilometer auf dem Tacho hat und kein Golf ist – da hat er Bedenken, die er auch in ungeübtem Deutsch wirkungsvoll ausdrückt. Er müsse sich das Auto anschauen.

Als klar wird, dass das Auto dann doch nicht zum Verkauf steht, lässt sein Interesse deutlich nach. Dass Visitenkarten an den Scheiben in Deutschland unerlaubte Werbung darstellen, das habe er nicht gewusst. Unbekümmert erzählt er, dass er nicht nur in Bautzen auf diese Art werbe, sondern auch in Dresden, Görlitz, Hoyerswerda. Am Ende will er das Gespräch nur noch beenden. Dafür verspricht er dann auch, seine Kärtchen nicht mehr in Bautzen zu verteilen. Ganz auf Service eingestellt ist ein Händler namens Josef, der nach eigenem Bekunden in Hoyerswerda sitzt. Tatsächlich ruft er, wie auf seiner Karte versprochen, nach einmal Klingeln, zurück. Nur 15 Minuten später. Auch er spricht nur gebrochen Deutsch. Sein Mitarbeiter stecke die Visitenkarten an, nicht er, stellt er klar. Der wisse, dass er dazu eine Genehmigung brauche. 30 Euro für 1.000 verteilte Visitenkarten zahle er ihm, erzählt er freimütig weiter. Die Autos gingen nach Russland, Afrika, Libanon.

Anrufe, in denen sich Autofahrer beschweren, weil sie diese Werbung nicht wollen, erhalte er häufig. „Es tut mir leid, wenn etwas falsch und wenn ich haben gestört“, sagt der Mann, der sich Josef nennt, als Iraker ausgibt und auch anbietet, seine Adresse zu nennen. Der dann aber doch kneift und meint: „Rufen Sie einfach an.“
Einige der Spammer setzen schon auf der Karte auf Höflichkeit: „Entschuldigen Sie bitte, dass ich ohne Ihr Erlaubnis mein Angebot an Ihren Auto angebracht habe…“, heißt es auf einer Karte, auf der ein schnittiger roter Sportwagen zu sehen ist. Ähnlich drückt es ein anderer Exporteur aus: „Entschuldigen Sie bitte, dass ich meine Karte an Ihr Auto angebracht habe.“

Entschuldigen muss das niemand. „Am besten wegschmeißen“, meint Verbraucherschützerin Renate Janeczek. „Wer sein Auto wirklich verkaufen will wird selbst tätig und lässt sich nicht von so etwas überzeugen.“ Die Gesetze, die man gegen diese Art der unerlaubten Werbung habe, seien das eine. Bei der Umsetzung lasse man die Verbraucher „wie bei so vielem“ allein. Tatsächlich haben einige dieser Händler offenbar eine besonders lukrative Einnahmequelle entdeckt. Und die liegt weniger im Kauf und Export des Autos als vielmehr darin, interessierten Verkäufern eine Gebühr aus der Tasche zu ziehen, die um die 70 Euro liegt. Dafür kommt der Wagen auf eine Liste. Sobald der Auto-Typ gesucht wird, erhält der bereitwillige Verkäufer die entsprechende Nachricht. Irgendwann. Oder nie.

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Ein Kommentar

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  1. Verhasst und illegal: “Spam an der Scheibe!” Geliebt und halblegal: *Kaffe-Fahrten!* Es geht um Geld, Geld und nochmals Geld. Und nicht um Hilfe, Hilfe und nochmals Hilfe beim Verkauf eines alten Autos! Das weiß aber auch der Verbraucher! Denn schließlich wurde er von den Medien -auch von *OLK*- oft genug darauf hingewiesen!

    Das gleiche gilt für *Kaffe-Fahrten!* Immer wieder berichten die Medien darüber, dass wieder Rentner
    *getäuscht* wurden! Aber die Rentner wurden doch im Vorfeld schon darauf hingewiesen, dass sie bei
    diesen Fahrten getäuscht werden. Trotzdem sind diesbezügliche Busse immer *gerappelt* voll. Da fragt man sich natürlich besorgt: “Warum?”. Die Antwort ist dann immer gleich: “Ich wollte doch nur die kostenlose Fahrt mit machen, unter Leute sein und einen Kaffe trinken! Ich wollte doch gar nichts kaufen!” Aber die *Kaffe-Fahrten-Veranstalter* sind doch keine Menschenfreunde sondern geldgiere Unternehmer! Das wird den Rentern zwar immer wieder *eingebläut* und trotzdem …. .

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