Bautzen, Vermischtes
Westtangente vor Baustart
von Uwe Menschner – 20.11.2009Mit dem Bau der Bautzener Westtangente wird es ernst: Nachdem in diesem Jahr vorbereitende Arbeiten ausgeführt wurden, nimmt die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und Bau GmbH (DEGES) 2010 den ersten Bauabschnitt in Angriff.
Bautzen. Dieser beinhaltet die Verbindung zwischen der Autobahnanschlusstelle Bautzen-West und der Bundesstraße 6 in Höhe des Boschdienstes. Der 28,5 Millionen Euro teure Straßenbau wurde erst durch das Konjunkturpaket II der Bundesregierung möglich. Die „Bundesstraße 96 neu“ soll den Nord-Süd-Verkehr um das Bautzener Stadtzentrum herum lenken und dieses somit vom Durchgangsverkehr entlasten. Das Vorhaben, dessen Planung bis zum Beginn der 90er Jahre zurückreicht, war allerdings in der Bautzener Bürgerschaft heftig umstritten.

Nach Abschluss des Brückenneubaus für die Bahnlinie Dresden-Görlitz kann der Baustart für die Bautzener Westtangente erfolgen.
Denn das beliebte Naherholungsgebiet der Spreeauen im Bautzener Westen wird dabei in Mitleidenschaft gezogen. Außerdem argumentierten die Kritiker, dass die Westtangente den Verkehr lediglich aus dem Stadtzentrum in andere Wohngebiete verlagere. „Die Zeit der prinzipiellen Diskussionen ist jetzt allerdings vorbei“, räumt Steffen Tech, Stadtrat der Wählervereinigung „Bürger Bündnis Bautzen“ (BBB), die aus einer Bürgerinitiative gegen die Westtangente hervorgegangen war, ein. „Der Bau der neuen B 96 ist beschlossen, unsere Einwände konnten nichts dagegen ausrichten. Jetzt geht es darum, die Bauphase für die Anwohner so verträglich wie möglich zu gestalten.“
Und dies stellt schon an sich eine große Herausforderung dar, gilt es doch, südlich der Bundesstraße 6 einen 205 Meter langen Tunnel durch das anstehende Granitgestein zu bohren, durch den die neue Straße verlaufen soll. In Vorbereitung auf diesen Abschnitt erfolgt gegenwärtig der Bau einer neuen Brücke für die Eisenbahnstrecke Dresden-Görlitz, die während des Ausbaus der Niederschlesischen Magistrale als Umleitungsstrecke für den Güterverkehr dienen soll. Die Abstimmung all dieser Vorhaben erfordert einen straffen Zeitplan. Der ursprünglich für den Sommer 2011 geplante Tunnelbau soll nach den neuesten Planungen bereits im Winter 2010/2011 erfolgen – „wir erhoffen uns dadurch eine Reduzierung der Belastungen für die Anwohner und die Nutzer der umliegenden Gärten“, erklärt DEGES-Projektleiterin Barbara Fahland.
Man wolle den Tunnelbau möglichst schonend vorantreiben, sämtliche Grenzwerte für Lärm- und Staubemissionen würden eingehalten. „Dennoch“, betont Fahland, „wird es eine harte Zeit. Es handelt sich um eine Großbaustelle, und eine solche ist nicht leise.“ Zum Abtragen der oberen, lockeren Bodenschicht will die DEGES Löffelbagger einsetzen. Dem Granit rückt sie mit Spitzmeißeln und Sprengladungen zu Leibe. Nachtarbeit ist grundsätzlich ausgeschlossen. „Wenn der Tunnel fertig ist“, versichert die Projektleiterin, „haben die Anwohner das Schlimmste überstanden. Vom Verkehr im Tunnel hört man nicht mehr als ein leises Säuseln.“ 2011 und 2012 soll der zweite Bauabschnitt, der von der Bahnquerung über die Spreewiesen und zwischen Spreebad und Waggonbau hindurch bis zur B 96 (Neusalzaer Straße) führt, errichtet werden. 2013, so die Vorgabe, muss die Westtangente komplett fertig sein.
Bedenken, dass es im Überschwemmungsgebiet der Spreeaue zu Problemen kommen könnte, sind für Barbara Fahland nicht mehr relevant: „Dies alles wurde im Zuge der Planfeststellung ausgiebig erörtert, und die Fachbehörden sind zu dem Schluss gekommen, dass es keine unkalkulierbaren Risiken gibt.“ Für die DEGES-Projektleiterin stellt „der Planfeststellungsbeschluss die Bibel“ dar: „Wir müssen alle darin enthaltenen Auflagen erfüllen, dürfen aber auch nicht mehr machen.“

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