Görlitz, Vermischtes
Eklat: Sommerfest-Beirat tritt komplett zurück
von Frank-Uwe Michel – 17.01.2010Das Rothenburger Sommerfest geht unsicheren Zeiten entgegen. Nach Querelen mit Bürgermeisterin Heike Böhm will sich der komplette Fest-Beirat bei der nächsten Sitzung des Stadtrates am 20. Januar abberufen lassen. Das Vertrauensverhältnis sei nachhaltig gestört, hieß es zuvor in einer von den acht Ehrenamtlichen unterzeichneten Erklärung.

Rothenburg. Das Programm-Paket des Sommerfestes für das Jahr 2010 ist geschnürt. Doch zur Umsetzung kommt es wahrscheinlich nicht. Denn die, die sich Gedanken über den Inhalt des größten Volksfestes im nördlichen Teil des Kreises Görlitz gemacht haben, werden schon in Kürze dafür nicht mehr verantwortlich sein. „Das schmerzt“, sagt Henry Wittig. „Aber ich kann wieder ruhiger schlafen“, meint der Chef des vom Stadtrat eingesetzten Beirates. Am 20. Januar will sich das Gremium von den Räten abberufen lassen. „Es geht nicht mehr. Auf der momentanen Basis können wir nicht weitermachen“, begründet der Beiratsvorsitzende.
Die Gründe für ihr kollektives Ausscheiden haben Henry Wittig, Michael und Katrin Kutter, Sieglinde Brußig, Hagen Herrmann, Udo Hübner, Egbert Stephan und Raik Poskowski in einen Schreiben an die Bürgermeisterin und die Stadträte formuliert. Ausschlaggebend sei das „gestörte Vertrauensverhältnis“ zwischen Heike Böhm und dem Fest-Beirat. Die Vorstellungen der Bürgermeisterin zur „Durchführung eines erfolgreichen Sommerfestes stehen deutlich im Widerspruch zu unserer bisherigen Arbeit“, heißt es in dem Brief. Die Rathauschefin habe unterstellt, dass es sich mit niemandem so schwer arbeiten lasse wie mit den Beiratsmitgliedern. Ein weiterer Vorwurf laute, dass man sich „gegenüber neuen Ideen und Vorschlägen sowie hinzu gekommenen Beiratsmitgliedern“ sperre.
Wittig und seine Mitstreiter sind enttäuscht und fühlen sich von der Bürgermeisterin brüskiert. „Früher waren wir eine große Familie. Da hat jeder gewusst, was er zu machen hat. Heute ist davon nichts mehr übrig. Frau Böhm hat es geschafft, diese Gemeinschaft zu zerstören.“ Das erste Jahr nach ihrer Wahl zur Bürgermeisterin habe sie die Festvorbereitung neutral begleitet, sich danach aber immer mehr eingemischt. „Es mag sein, dass sie das als Chefsache sieht. Wir denken aber, eine Rathauschefin hat wichtigere Dinge zu tun, als ein Volksfest zu organisieren. Dafür gibt es einen Beiratsvorsitzenden und einen Stellvertreter, durch die sie sich regelmäßig auf den aktuellen Stand bringen lassen kann. Mehr aber auch nicht!“ Durch ihre Einmischungspolitik habe Heike Böhm den Ehrenamtlichen das Wasser abgegraben. „Sie weiß wahrscheinlich gar nicht, welcher Zeitaufwand und welches Engagement mit der erfolgreichen Durchführung eines solchen Festes verbunden sind.“
Neue Ideen einzubringen sei gut und richtig, man dürfe Bewährtes jedoch nicht komplett über Bord werfen. „In der heutigen Zeit von 60.000 Gästen auszugehen, ist – vorsichtig ausgedrückt – blauäugig. Diese Zeiten sind vorbei. Alle Volksfeste in der Region erleben derzeit einen Besucherschwund. Das hat viele Faktoren – den Bevölkerungsrückgang, die demografische Entwicklung, die Wirtschaftskrise und auch die inflationäre Zunahme an Festen in den Sommermonaten. Da gibt’s ja an jedem Wochenende drei, vier Veranstaltungen.“ Wenn sich der Rothenburger Gästestrom auf konstant 30.000 einpegeln würde, „dann könnten wir schon zufrieden sein“, so die Mitglieder des scheidenden Beirates.
Das Auseinanderdriften in den Ansichten von Beirat und Bürgermeisterin hat offenbar schon kurz nach Ende des vergangenen Sommerfestes begonnen, als es um die Auswertung der Veranstaltung ging. In der Oktobersitzung brachte die Rathauschefin einen Anwalt mit, „der über die Rechte und Pflichten unseres Gremiums referieren sollte. Das hat gereicht – wir sind aufgestanden und gegangen. Man kann uns nicht wie kleine Kinder behandeln. Viele von uns organisieren das Sommerfest schon seit Jahren und wissen, was zu tun und zu lassen ist“, so Michael Kutter, bisher für die Pressearbeit der Veranstaltung zuständig. Danach habe es zwischen den Organisatoren und der Bürgermeisterin „richtig gekracht“. In Gesprächen untereinander seien die Mitglieder des Beirates zu der Auffassung gelangt, dass man „diese Bevormundung nicht mehr mitmachen“ müsse.
Auch eine von Carsten Weber, dem Chef des Ältestenrates im Rothenburger Stadtrat, moderierte Sondersitzung aller Beteiligten am 8. Januar brachte keine Wende mehr. Die gegenseitigen Vorwürfe wurden nicht ausgeräumt. Kitten lässt sich da offenbar nichts mehr! „Die Abberufung ist für uns der letzte logische Schritt“, so Henry Wittig, der offen lässt, ob und in welcher Form man sich mit einem künftigen Organisationsteam über bisherige Erfahrungen austauschen will. „Wir werden sehen, wie sich die Sache entwickelt.“
Lesen Sie auch:

Bildergalerien
Videos
Downloads


Wir sind Görlitzer und viele Jahre nach Rothenburg zum Sommerfest gefahren, manchmal alle Tage. Die Gemütlichkeit der Kleinstadt, ein schöner geschmückter Markt und eine Tanzfläche an bzw. auf der Bühne waren etwas Besonderes. Auch die Musik gefiel uns gut. Schlagersänger und tanzbare Musik zogen uns nach den ersten Takten aufs Parkett. Doch in den letzten Jahren ging es bergab. Gigantismus hat unserer Meinung nach das Fest zerstört. Es war nur noch laut, eng und ungemütlich. Der Charme war einfach weg! Schade. Am Eintrittspreis hat es nie gelegen. Vielleicht besinnen sich die Verantwortlichen wieder auf das, was Rothenburg ausgemacht hat: Gemütlichkeit, Lebensfreude, ein Fest unter Freunden und Bekannten und mit Freunden und Bekannten!!!!