Görlitz, Niesky, Vermischtes
Galerie: Ausflüge an die afrikanischen Sodaseen
von Frank-Uwe Michel / Fotos: Marlen Haenchen – 31.01.2010Marlen Hänchen ist in Afrika. Die aus Rietschen stammende junge Frau hilft in Tansania zwölf Monate lang der einheimischen Bevölkerung im Rahmen des „weltwärts“-Programmes des Bundesentwicklungsministeriums. Im „Niederschlesischer Kurier“ schreibt sie über ihre Erlebnisse.
Rietschen/Karatu. Heute geht es zu zwei Ausflügen an die beiden Sodaseen – Lake Eyasi und Lake Manyara. Sie sind Teil des östlichen Arms des ostafrikanischen Grabenbruches und damit flach und salzig. Während der Trockenzeit schrumpft die Fläche der Seen erheblich zusammen, vom Lake Eyasi bleiben von den über 1.000 Quadratkilometer Seefläche manchmal nur noch Rinnsale übrig. Man kann dann über die Salzkruste wandern und viele kleine, vertrocknete Fische sehen. Am Lake Eyasi fasziniert nicht nur die Landschaft, sondern vor allem ein Jahrtausende altes Volk, das hier im schwer zugänglichen und wenig fruchtbaren Gebiet einen letzten Rückzugsraum gefunden hat.
Zu den letzten Buschmännern Tansanias
Der Weg an die Ufer des Eyasi-Sees ist beschwerlich und in der Regenzeit manchmal kaum befahrbar. Aber unser Führer, der deutsche Farmer Johannes Keppler, der seit 15 Jahren in Mang’ola auf seiner Zwiebelfarm lebt, kennt sich gut aus. So sind wir nach einer beeindruckenden Fahrt durch savannenähnliches Gelände ordentlich durchgerüttelt, aber wohlbehalten auf seiner Farm angekommen. Am nächsten Tag geht es dann in die karge Landschaft zu den letzten Buschmännern Tansanias – den Hadzabe. Dieses als Jäger und Sammler lebende Volk wird heute auf 1.500 bis 2.500 Menschen geschätzt und ihre Kultur ist wohl dem Untergang geweiht. Während sich auch dieses Volk mit anderen Ethnien vermischt, leben viele von ihnen immer noch wie ihre Vorfahren tausende, wenn nicht gar zehntausende Jahre zuvor.
Johannes ist ein guter Kenner der Hadzabe und begleitet uns in ein für Besucher offenes Camp. Hier wechseln sich die Bewohner ab. Wenn sie genug von den Fremden haben, ziehen sie in ein anderes Camp und leben von der Jagd sowie Wildpflanzen, wie es ihrer Kultur entspricht. Die Hadzabe sind sehr anpassungsfähig. Wenn sie nicht gefunden werden wollen, hat man kaum eine Chance ihnen zu begegnen.
In dem Camp hingegen kann man – gegen einen kleinen „Eintrittspreis“ – die Hadzabe besuchen und von ihnen gezeigt bekommen, wie sie Feuer machen, Pfeil und Bogen herstellen und diese auch selber ausprobieren. Leider wird das so erworbene Geld insbesondere den Männern meist sofort in der nächsten Ortschaft in Alkohol „umgetauscht“. Was dem Besuch bei ihnen einen bitteren Beigeschmack mitgibt.
Obwohl die Hadzabe als einzige nicht für ihr – ansonsten illegales – Jagen in der Serengeti belangt werden, wird ihr Lebensraum immer mehr eingeschränkt. So haben die Datoog – ein Hirtenvolk – weite Teile des früheren Hadzalandes für ihre Viehherden „gesäubert“, viele der als Nahrungsgrundlage dienenden Wildpflanzen beseitigt und wildlebende Tiere vertrieben. Im Jahr 2007 wollte gar die königliche Familie aus den Emiraten ein 6.500 Quadratkilometer großes Gebiet im Hadzaland als privaten Safari-Spielplatz kaufen. Erst nachdem es einen internationalen Aufschrei gab, wurde der Deal rückgängig gemacht und so eine weitere Einschränkung der Hadza abgewendet.
Bleibt abzuwarten, wie lange die Hadza ihr traditionelles Leben weiterführen können. Einfach wird es nicht für sie. Jetzt will der tansanische Staat auch die Schulpflicht für die Hadzakinder durchsetzen, leider werden sie dadurch kaum bei ihren Eltern bleiben können, sondern müssen wahrscheinlich in den weit entfernten Schulen schlafen. Damit werden sie wohl weiter von ihrer Kultur entfernt.
Lake Manyara und ein rosa Meer aus Flamingos
Nachdem wir bisher nur im Auto unterwegs waren, sollte es an den Lake Manyara auf andere Art gehen. Dazu kann man das Angebot des „cultural tourismus“ in Mto mwa mbu (was soviel wie Mückenfluss heißt – sehr einladend!) nutzen, um den See außerhalb des Nationalparks mit dem Fahrrad zu erkunden. Auf dem Sodasee kann man Tausende von leuchtend rosa Flamingos bewundern. An den Ufern grasen Zebras, Büffel, Gnus und vieles mehr. Am Rand des Nationalparks gibt es sogar einen „Hippopool“ mit vielen trägen Nilpferden und ihrem Nachwuchs zu beobachten.
Normalerweise kann man hier auch Giraffen begegnen. Als wir allerdings dort waren, gab es eine große Trockenheit, sodass die Massai mit ihren Rinderherden an die letzten Wasserreserven am See kamen. Dadurch wurden die Giraffen von dort vertrieben. Dies ist auch die Erklärung dafür, weshalb man, wenn man nach Arusha fuhr, fast jedes Mal Giraffen am Wegesrand bewundern konnte. Sie fraßen dort gemütlich am letzten Grün der Bäume und schienen sich nicht von den Auto abschrecken zu lassen.
Allerdings muss man ihnen eine gewisse Vorsicht schon zugestehen. Als wir eines Tages nach Arusha fuhren, wollte gleich eine ganze Gruppe von vier männlichen Jungtieren die Straße Richtung Lake Manyara überqueren. Vorher schauten sie brav nach rechts und links. Die meisten Autos, die kamen, hielten natürlich an, um den nicht alltäglichen Anblick zu genießen und so überquerten die Giraffen dann ganz gesittet in einer Reihe die Straße.
Fahrt durch Bananenplantagen
Aber wieder zurück zum Lake Manyara und zu den Massai. Für die fehlenden Giraffen am Lake Manyara wurden wir schließlich durch eine nette Begegnung mit einigen Massaijungen entschädigt. Wir hielten auf dem Rückweg ins Dorf an, weil wir sahen, dass sie gerade eine tote Kuh auseinander nahmen. Die Kuh war einfach gestorben und die Jungen wollten anhand ihres Mageninhaltes herausfinden warum. Die Lösung war bald gefunden und ziemlich schockierend. Im Magen dieser toten Kuh befanden sich massenhaft unverdaubare Plastiktüten. Ich hatte schon oft Kühe und Ziegen gesehen, die diese genüsslich fraßen und mich gewundert. Anscheinend aber können sie diesen Müll doch nicht verwerten. Gegessen werden diese so verendeten Tiere nicht, was einen großen Verlust bedeutet, aber immerhin wird noch ihr Fell genutzt.
Abgeschlossen wurde unsere Safari durch eine Fahrt entlang der Bananenplantagen und mit einem Stop in einer der lokalen Bananenbierbrauereien. Dort wurde uns erklärt, wie dieses leichtalkoholische Gebräu (ca. 1,5 Prozent Alkohol) aus Bananensaft und gekeimter Hirse hergestellt wird. Probieren durften wir dieses „Sozialgetränk“ auch. Es wird nicht einfach in Gläsern ausgeschenkt, sondern muss ganz gemeinschaftlich in einem Becher die Runde machen. Danach sorgt es offenbar auch ganz sozial bei allen für gemeinschaftlichen Durchfall. Davon wurden wir Gott sei Dank verschont, allzu oft aber sollte man sich nicht an dieses Gebräu wagen. Da ist der in Flaschen abgefüllte elfprozentige Bananenwein schon eher zu empfehlen.
Wer Marlen Hänchens Arbeit unterstützen will, kann auf folgendes Konto spenden:
Konto-Nr. 22 07 62 56
BLZ 217 500 00
Nord-Ostsee-Sparkasse
Empfänger: Artefact, Stichwort: solivol – Karatu.
Für eine Spendenbescheinigung muss auch die Adresse im Stichwort mit angegeben werden.
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