Löbau, Nachrichten

Kulturschätze kommen in den Faktorenhof

von Steffen Linke – 31.01.2010

Am vergangenen Mittwoch begannen am Eibauer Faktorenhof die Bauarbeiten für den Ausbau des Dachbereichs. In circa zwei Jahren sollen an diesem Standort die kulturellen Schätze der Sammlung des Eibauer Museums präsentiert werden.

Bettina Beulke, Leiterin der Tourist-Information in Eibau, und Museumsleiter Christfried Heinrich im Dachgeschoss des Eibauer Faktorenhofes. Hier findet in der Perspektive das Museum seine neue Heimat.

Bettina Beulke, Leiterin der Tourist-Information in Eibau, und Museumsleiter Christfried Heinrich im Dachgeschoss des Eibauer Faktorenhofes. Hier findet in der Perspektive das Museum seine neue Heimat.

Eibau. Die Handwerker nehmen die räumlichen Vorbereitungen der Baumaßnahme für die Wärmedämmung, den Fußboden, Zimmererarbeiten, die Elektroinstallation sowie Sanitär und Heizung in Angriff. „Für die Gemeinde ist es eine finanzielle Frage in Zeiten, wo jeder sparen muss, freiwillige Aufgaben gegebenenfalls zurückgefahren werden müssen“, sagt Museumsleiter Christfried Heinrich. Denn die Kommune leistet sich damit nicht mehr zwei kulturelle Häuser, sondern nur noch eins. „Es ist sehr lobenswert, dass sich der Gemeinderat und der Bürgermeister nach wie vor für den Erhalt des Museums aussprechen“, sagt er. Indem nach Lösungen gesucht worden sei, wie die Sammlung in Eibau gehalten und den Besuchern öffentlich präsentiert werden kann – vom Krippenspiel über Schränke, Möbel, Glas bis hin zu Porzellan. „Das Museum ist doch das geistige Erbe unserer Väter“, sagt Christfried Heinrich.

Die Bauarbeiten sind dabei der eine, die inhaltliche Gestaltung des Museums bis hin zu Grafik, Texttafeln und Fotos der andere Aspekt. Die Exponate – circa 6.400 an der Zahl – kommen vom Beckenberg in den Faktorenhof. Von der zur Verfügung stehenden Fläche nehmen sich beide Standorte nicht viel. Der historische Faktorenhof hat aber eine andere Struktur als der Beckenberg. Der Dachboden mit einer „unwahrscheinlich tollen Holzkonstruktion“ zeigt Zimmererleistungen von vor 300 Jahren, als es noch nicht so moderne Werkzeuge gab wie heute. „Wir müssen Lösungen finden, dass unsere Exponate und die dazugehörigen Vitrinen diese Struktur nicht kaputt machen. Wir wollen hier eine Ausstellung aufbauen, die sich von der Farbgebung und von der Ausstellungstechnik in den Raum einpasst“, so Christfried Heinrich. Bestimmte museale Stücke können aufgrund ihrer Größe aber im Dachgeschoss gar nicht ausgestellt werden. „Die Vereinsfahnen zum Beispiel lagern wir ein“, sagt er.

Zurzeit läuft der ganz normale Betrieb wie bisher gehandhabt weiter – sowohl die nächsten Ausstellungen auf dem Beckenberg als der bekannte Service im Faktorenhof mit Führungen, traditionellen Veranstaltungen, Hochzeiten und Gastronomie. „Es wird in keiner Form Einschränkungen geben“, so Christfried Heinrich.

Die Gewerke gelangen über den Giebel ins Dachgeschoss, müssen also nicht durch die historischen Räume. „Wir wollen auch, dass die Öffentlichkeit sieht, dass hier gebaut wird, dass es losgegangen ist, dass hier Kultur erhalten wird“, sagt er.

Die Kosten für die Baumaßnahme betragen 730.000 Euro. 40 Prozent davon fließen an Fördermitteln vom Bund, 40 Prozent vom Land und 20 Prozent an Eigenmitteln von der Gemeinde Eibau.

Mit der Pächterin der Gaststätte „Zur Scheune“ Angela Kiele und nach Auslaufen des Pachtvertrages im September mit dem neuen Betreiber setzt Christfried Heinrich auf ein gutes Miteinander. „Jeder muss zu 50 Prozent auf den anderen zugehen. Das bedeutet nicht, dass das bisher nicht der Fall war. Eine Beziehung muss aber jeden Tag neu gepflegt werden“, sagt er.

So schön verschneit präsentiert sich der Beckenberg, der Hausberg der Eibauer,  im Winter.

So schön verschneit präsentiert sich der Beckenberg, der Hausberg der Eibauer, im Winter.

Die Planungen für die Eröffnung des Museums im Eibauer Faktorenhof laufen auf das Jahr 2012 hinaus. Mit diesem Umzug findet eine jahrzehntelange Odyssee des Museums ein Ende. Denn es wird in den schon in den 30er Jahren angedachten Räumen des Faktorenhofes untergebracht. „Wir haben hier damit noch einen Anlaufpunkt mehr, sodass es sich noch mehr lohnt, den Faktorenhof zu besuchen“, so Christfried Heinrich. Der Beckenberg bleibt sicher auch in der Perspektive ein lohnendes Ausflugsziel. Mit dem Beckenbergfest und dem Sonnenwendfeuer haben sich zwei kulturelle Höhepunkte auf dem Hausberg der Eibauer etabliert.

Vielleicht gelingt es dem Humboldtverein, der Gaststätte und dem Museum, obwohl das Museum eines Tages dann nicht mehr dort oben ist, dass der Berg seinen Ruf behält und ausstrahlt. Christfried Heinrich schwärmt allein schon von der herrlichen Aussicht: „Einfach mal hochfahren und die Seele baumeln lassen.“

Was halten Sie, liebe Leserinnen und Leser, davon, dass die Sammlung aus dem Beckenbergmuseum in der Perspektive in den Faktorenhof Eibau umzieht? Schreiben Sie uns Ihre Meinungen an den „Oberlausitzer Kurier“, 02763 Zittau, Neustadt 16, oder per Mail an folgende Adresse: steffen.Linke@LN-Verlag.de

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