Görlitz, Nachrichten
Bauarbeiten laufen wegen Kälte auf Sparflamme
von Frank-Uwe Michel – 5.02.2010Der klirrende Frost bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Bauarbeiten im Kaisertrutz, dem Veranstaltungsort der Sächsischen Landesausstellung 2011 in Görlitz. Statt mit Hochdruck wird derzeit auf Sparflamme gebaut und saniert. Trotzdem bleibt das Ziel: Abschluss zum Jahresende 2010!
Görlitz. Norbert Seibt nimmt die momentane Situation mit Galgenhumor: „Der Winter hat unseren Vorsprung aufgebraucht, jetzt müssen wir sehen, dass wir nicht in Rückstand geraten.“ Doch der Chef der Bautzener Niederlassung des Sächsischen Immobilien- und Baumanagements (SIB) bleibt optimistisch: „Es werden auch wieder wärmere Zeiten kommen. Da holen wir auf, was wir derzeit versäumen.“ Rund 15 Zimmerleute, Maurer und Eisenbieger verlieren sich derzeit in dem mittelalterlichen Gemäuer, das seit Juni 2009 fit gemacht wird für die Sächsische Landesausstellung 2011.

Zuerst wurde abgebrochen und rückgebaut, beide Seitenflügel sind entkernt. Anschließend widmete man sich der Erneuerung von Decken und Treppenhäusern. Momentan jedoch wird nur das Nötigste gemacht. „Wir blasen zwar Wärme in die einzelnen Etagen, achten aber natürlich auf Verhältnismäßigkeit. Bei minus sieben Grad hält nunmal kein Putz an den Wänden. Auch Kabel verlegen ist erst bei fünf Plusgraden möglich“, so Seibt. Auf fünf Etagen, vom Keller bis zum 2. Obergeschoss, entstehen knapp 1.900 Quadratmeter Ausstellungsfläche.
Ein transparent gestalteter Fahrstuhl verbindet die einzelnen Ebenen und schafft barrierefreie Erreichbarkeit für behinderte Besucher. Die bisher größten Herausforderungen mussten die Handwerker mit zwei Holzbalkendecken aus dem 17. bzw. 19. Jahrhundert bestehen. „Wir hätten sie eigentlich abstützen müssen, aber das wäre für die Ausstellungsleute ein Graus. Deshalb haben wir uns zusammen mit den Statikern für den Einsatz von Holzbetonverbundplatten entschieden, die die Kräfte über eine Spannweite von neun Metern übertragen und mit insgesamt 14.000 Schrauben befestigt sind“, erläutert der SIB-Chef.
Gussasphalt komme als Verschleißschicht drauf. „Die Räume selbst werden von uns sehr spartanisch ausgestaltet. Denn die Aufmerksamkeit soll sich ja auf die Ausstellung richten.“ Im Keller, der in früheren Zeiten Erdgeschoss war, hat man zwar keinen Goldschatz, dafür aber einen alten Pfeiler entdeckt, der einst wahrscheinlich Bestandteil der Stadtmauer war. Zu sehen ist er aber künftig nicht, denn in diesem Bereich wird die Heizungsanlage untergebracht. Gehen die Arbeiten aktuell eher verhalten vonstatten, wird es im und um den Kaisertrutz „spätestens im Frühjahr wimmeln wie in einem Ameisenhaufen“, sind sich Norbert Seibt und Joachim Paulick einig.
Denn dann beginne auch in der unteren Berliner Straße der erste Bauabschnitt. Zudem würden der Demianiplatz und der Platz des 17. Juni umgestaltet, erläutert der Oberbürgermeister. Auch hiermit wolle man Ende 2010 fertig sein. Parken können die Besucher der Landesausstellung übrigens im einstigen Waggonbau-Gelände an der Christoph-Lüders-Straße, das derzeit in Teilbereichen für den Sitz der Polizeidirektion Oberlausitz-Niederschlesien umgebaut wird. „Dort entstehen 150 Pkw-Stellflächen und 38 Plätze für Reisebusse“, weiß Arne Myckert, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft WBG. Dafür müssen zwei Fabrikhallen weichen.
Auch die kulturelle Vorbereitung schreitet auf verschiedenen Ebenen voran. Bürgermeister Dr. Michael Wieler: „Wir hatten mit der ARGE ein sehr gutes Gespräch, bekommen für zwei Jahre bis zu 25 Langzeitarbeitslose, die Kontakte zu den Ländern entlang der via regia knüpfen sollen. Uns geht es nicht nur um ein kulturelles Begleitprogramm sondern darum, Angebote zu schaffen, damit Görlitz-Besucher rund um die Landesausstellung länger in der Stadt bleiben.“ Weitere Aufgabe der „Ranger“, wie sie Dr. Wieler bezeichnet, soll es sein, „die Leute während der Veranstaltung konkret auf andere Termine aufmerksam zu machen, die anderswo in Görlitz oder im Umland stattfinden“.
Dazu werde es zwei oder drei Stände geben. Motto: „Heute in Stadt und Region“. Lutz Thielemann, Geschäftsführer der Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH, hat mit seinen Mitarbeitern parallel dazu das Marketing in Gang gebracht. Schon in diesem Jahr sollen großformatige Werbebanner an 27 markanten Stellen in Görlitz auf das kulturelle Ereignis hinweisen. Zwischen 2.000 und 2.500 Euro kostet solch ein Exemplar. „Wir sind mit den Immobilieneigentümern im Gespräch, um die Banner aufhängen zu können. Und mit Sponsoren, um dies auch finanziell abzusichern“, erläutert Thielemann.
Zudem habe man Kontakt zu Busreiseveranstaltern aufgenommen, 25 davon hätten sich im Herbst 2009 bereits in Görlitz umgesehen. Ebenso wie Journalisten überregionaler Medien, die den Ruf der Neißestadt in alle Ecken Deutschlands tragen sollen. Für das so genannte Innenmarketing führt die Europastadt GmbH 15 Workshops für Hoteliers, Pensionsbetreiber, Stadtführer und andere Leistungsanbieter durch. Ziel ist es, „das Bestmögliche für die Touristen zu leisten“, wie Thielemann formuliert. Immerhin würden allein zur Landesausstellung rund 300.000 Gäste erwartet, zuzüglich jener Interessenten, die Görlitz sowieso auf ihrem Reiseplan stehen haben.
Gerade diese Menge ist es jedoch, die den Marketingexperten Kopfzerbrechen bereitet, denn die 1.500 in der Neißestadt registrierten Gästebetten dürften 2011 überwiegend vergeben sein. „Deshalb setzen wir uns mit den Hoteliers aus dem Umland zusammen, um weitere Kapazitäten zu binden“, informiert der Geschäftsführer, der sich auch von den Görlitzer Einwohnern die nötige Aufgeschlossenheit wünscht. „Wir brauchen eine euphorisierte Bevölkerung, die voll hinter diesem Event steht. Diese Welle der Begeisterung sollen auch unsere Besucher spüren.“

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