Vermischtes, Zittau

Dozentin und Student: Es funkte an der kleinen Uni

von Steffen Linke – 6.02.2010

Das ist schon ein ganz seltener Fall von grenzüberschreitender Liebe im Dreiländereck. Die deutsche Dozentin Hannah Szynal, geborene Fieber (28 Jahre),  und der polnische Student Krzysztof Szynal (28) lernten sich am Internationalen Hochschulinstitut Zittau kennen. Die beiden sind heute ein Paar, haben zwei Kinder.

Zittau. Für ihr Studium in Dresden musste  Hannah, geboren in Bonn,  ein Unterrichtspraktikum absolvieren: „Das Internationale Hochschulinstitut in Zittau suchte noch Studenten.  Ich habe mich dort beworben – mit Erfolg.“ Krzysztof sah an seiner Universität in Hirschberg Plakate vom Internationalen Hochschulinstitut in Zittau und entschied sich, an diesem Standort zu studieren.

Die Familie Szynal wächst mit ihren Kindern zweisprachig auf.

Die Familie Szynal wächst mit ihren Kindern zweisprachig auf.

Hannah unterrichtete in Zittau zusammen mit anderen Lehrerinnen Deutsch. Krzysztof  studierte hier Wirtschaftsingenieurwesen. Beide hatten kurz zuvor ihre Beziehungen beendet, waren also ledig. Hannah fiel Krzysztof schon beim Eingangstest auf: „Sein Kugelschreiber war alle. Er war ganz verzweifelt, weil er nicht wusste, wie er den Test schreiben soll. Er bekam dann einen neuen Stift von uns Lehrerinnen.“ Richtig gefunkt habe es dann etwas später. „Ich mochte vor allem seine witzige Art und sein verschmitztes Lachen“, erinnert sie sich. Krzysztof  fand Hannah während des Sprachkurses sehr sympathisch: „Sie war zwar immer so ein bisschen altmodisch, aber auf eine positive Art und Weise.“

Im Unterricht versuchte Hannah nicht mit ihm zu flirten. „Ich musste doch den Stoff durchkriegen. Außerdem fand ich das unprofessionell“, erzählt sie. Allerdings habe das Krzysztof nicht daran gehindert, mit ihr zu flirten. „Sie hat es aber nicht erwidert. Das spornte mich noch mehr an“, sagt er. Bis es Klick machte.

Manchmal trafen sich die beiden abends nach dem Unterricht – aber nicht öffentlich,  damit es nicht so auffiel. „Als der Kurs dann vorbei war, tauschten wir unsere Telefonnummern aus, waren also richtig zusammen“, berichten die beiden. Dann ging alles ganz schnell. Denn: „Wir wussten irgendwie von Anfang an, dass wir zusammen gehören.“ Mittlerweile leben Hannah und Krzysztof in Dresden, haben zwei Kinder. Ihre Hochzeit feierten die beiden im Heimatort ihres Mannes. „Als ich schwanger war, war klar, dass wir heiraten möchten, bevor das Kind auf die Welt kommt“, sagt sie.  Krzysztof machte ihr einen Antrag unter einem blühenden Kirschbaum in der Altstadt von Dresden.

„Zunächst war klar, dass wir in Deutschland und ganz konkret in Dresden bleiben, damit ich mein Studium abschließen kann. Wir lieben diese Stadt“, schwärmen sie. Die beiden können von  hier aus schnell nach Polen zu Krzysztofs Familie fahren und ebenso schnell mit dem Flugzeug zu ihrer Familie fliegen. „Wir haben einen super Kindergarten für den Großen gefunden und eine super Tagesmutter für den Kleinen. Wir können gar nicht mehr aus Dresden wegziehen“, sagt sie.

Krzysztof  spricht sehr gut Deutsch. Ihr Polnisch ist noch nicht so gut: „Ich verstehe zwar in einem Gespräch, worum es geht und komme im Alltag ganz gut klar. Mein Gegenüber muss  aber langsam und deutlich reden.“

Zu Hause sprechen die beiden  miteinander Deutsch, weil das einfacher ist. Ihre Kinder Filip (drei Jahre) und Julian (sieben Monate) wachsen  zweisprachig auf. „Ich spreche mit ihnen Deutsch, mein Mann Polnisch“, sagt sie.

Liebe geht natürlich auch durch den Magen. Zurzeit kocht Hannah, „weil ich mich momentan in der Elternzeit befinde.“ Ihr Mann steht eher selten am Herd, wenn dann am Wochenende. „Bei uns kommen nicht nur deutsche und polnische Speisen, sondern Gerichte  aus der ganzen Welt auf den Tisch. Hauptsache es schmeckt“, sagen sie.

Die Charaktere der beiden sind wohl landestypisch. Hannah: „Er ist sehr kreativ, hat für jede erdenkliche Problemsituation eine Lösung und legt sehr viel Wert auf die Familie.“ Krzysztof: „Meine Frau ist sehr strukturiert und hat für alles einen Plan, an den sie sich hält. Bei den Sachen, die ihr wichtig sind, achtet sie sehr auf Details.“

So würden auch die Vorteile einer deutsch-polnischen Beziehung überwiegen. Denn: „Die Kinder lernen zwei Sprachen, werden einmal so gut organisiert sein wie ein Deutscher und so improvisativ wie ein Pole.“

Die beiden haben viele Zukunftspläne. „Ich möchte ab August wieder arbeiten. Wir wollen ein Haus bauen und eine gute Schule für die Kinder finden. Wenn die Jungen größer sind, konzentriere ich mich mehr auf meine Karriere. Ich möchte gerne an der Uni arbeiten.“ Krzysztof will sich  im Bereich Qualitäts- und Produktionsmanagement weiterbilden.

Und wer hat nun in einer deutsch-polnischen Beziehung die „Hosen“ an? „Wir ergänzen uns gut. Jeder hat in seinem Bereich das Sagen. Da ordnet sich der andere dann auch gerne unter“, antwortet sie. Krzysztof meint: „Das ist  unterschiedlich. Bei der Hausordnung, dem Vermögensaufbau und der Wohnungsgestaltung gehören die ,Hosen’ mir. Wenn es um die Kindererziehung und Behördenbesuche geht, hat meine Frau mehr zu sagen als ich“.

Übrigens: Als Deutschland in einem Fußballspiel Polen gegenüber stand, drückten beide ihrer jeweiligen Nation die Daumen. Als Deutschland dann gewann, war ihr  Mann aber auch zufrieden, denn die deutschen Tore schoss Lukas Podolski, ein Pole.

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