Görlitz, Löbau, Wirtschaft, Zittau
Kiesabbau bald am Berzdorfer See?
von Redaktion – 7.02.2010Die Landesdirektion Dresden hat jetzt den Kiesabbau an der Ostseite des Berzdorfer Sees für möglich erklärt, allerdings im Ergebnis der Raumordnungsprüfung die Anzahl der Abbaufelder halbiert.
Landkreis. Die Landesdirektion Dresden hat Ende Januar das Raumordnungsverfahren (ROV) zum Neuaufschluss von Kiessandlagerstätten im Bereich Berzdorf-Ost abgeschlossen. Unter Beachtung einer Reihe von Maßgaben kann das Vorhaben nach Auffassung der Behörde mit den Erfordernissen der Raumordnung in Übereinstimmung gebracht werden. Das Verfahren war auf Antrag der Firma Heim Niederschlesische Kieswerke GmbH & Co. KG mit Sitz in Quitzdorf in Gang gebracht worden.
Das Unternehmen beabsichtigt den Neuaufschluss einer Kiessandlagerstätte und will dort Kiese und Sande zu Betonzuschlagstoffen für die Bauindustrie abbauen und aufbereiten. Die Lagerstätte liegt zwischen den Görlitzer Ortsteilen Weinhübel im Norden und Hagenwerder im Süden. Im Osten wird die Lagerstätte durch die Neiße und im Westen durch die Bundesstraße B 99 (Görlitz-Zittau) begrenzt. Das gesamte Bergwerksfeld hat eine Fläche von 114,7 Hektar, der Abbau ist in vier Abbaufeldern auf 53,6 Hektar beabsichtigt. Der geplante Abbauzeitraum umfasst 40 Jahre bei einer jährlichen Fördermenge von 150.000 Tonnen.
Nach dem Ende des Kiesabbaus entstehen aus den einzelnen Abbaufeldern vier Kiesseen mit einer Gesamtfläche von rund 35,5 Hektar. Allerdings hat die Landesdirektion wesentliche Abstriche am geplanten Kiesabbau gemacht und insgesamt 14 zu erfüllende Maßnahmen festgelegt. Aus Gründen des Natur- und Hochwasserschutzes soll auf zwei zur Neiße hin gelegene Abbaufelder gänzlich verzichtet werden. Diese Areale grenzen unmittelbar an ein Fauna-Flora-Habitat- sowie ein Landschaftsschutzgebiet und befinden sich zudem vollständig in einem Vogelschutzgebiet.
Darüber hinaus würden die der Neiße nahen Abbaufelder als künftige Restseen die Strömungsverhältnisse im potenziellen Überflutungsgebiet der Neiße erheblich verändern. Aus Gründen des Hochwasserschutzes dürfen die verbleibenden Abbaufelder erst dann genutzt werden, wenn die Hochwasserschutzkonzeption für den fraglichen Neißeabschnitt umgesetzt ist. Weiter ist mit einer Überarbeitung der Schallimmissions- und Staubprognosen die Einhaltung der Immissionsgrenzwerte insbesondere in Bezug auf die Ortslage Hagenwerder nachzuweisen.
Der Einsatz eines Dieselaggregats zur Stromversorgung des Abbaubetriebes wird von der Landesdirektion abgelehnt. Außerdem muss das Bergbauunternehmen seine Betriebsstraße als plangleichen Knoten an die B 99 anschließen. Und es muss prüfen, ob der Kiesabtransport über die Schiene erfolgen kann. Schließlich muss in den anschließenden Planverfahren der Nachweis erbracht werden, dass es durch den Abbau nicht zur Minderung der Standsicherheit des vorhandenen Randböschungssystems des entstehenden Berzdorfer Sees kommen kann.
Der Landpfeiler zwischen dem ehemaligen Tagebau Berzdorf und dem Kiestagebau muss ausreichend bemessen und darf mit keinen Gefährdungen der öffentlichen Infrastruktur in diesem Bereich – wie Bundesstraße B 99, Bahnlinie, Neißeradweg – verbunden sein. Eine eventuelle Beeinträchtigung der touristischen Nutzung des Berzdorfer Sees sieht die Landesdirektion nicht. Lärm- und Staubbelastungen bis in den Erholungsraum hinein seien nicht zu erwarten. Das geplante Abbauvorhaben liege nicht im unmittelbaren Umfeld des Sees und sei zudem durch die B 99 und die Eisenbahntrasse räumlich vom Berzdorfer See getrennt.
Über die Zulässigkeit und endgültige Gestaltung des Vorhabens ist mit dem Abschluss des Raumordnungsverfahrens jedoch noch nicht entschieden. Vielmehr schließt sich nun ein bergrechtliches Planfeststellungsverfahren an, das beim Oberbergamt in Freiberg geführt wird.
Was sagen Sie zum Kiesabbau? Schicken Sie Ihre Meinung per Email an fum@LN-Verlag.de oder per Post an den „Niederschlesischer Kurier“, Dresdener Straße 6 in 02826 Görlitz.
Lesen Sie auch:

Bildergalerien
Videos
Downloads


Wer will schon in Nachbarschaft mit einem Kiesgrubenbetrieb seine schönste Zeit im Jahr verbringen? Urlaub in einer Kiesgrube, na sowas. – Da dürfte es schon ohne Kiesgrube ziemlich problematisch sein, den Berzdorfer See zum boomenden Naherholungsgebiet oder gar zum Renner für auswärtige Wassertouristen zu machen, da kommen schon wieder Leute, die meinen, aus dem See profitablen Waschkies in bare Münze reinwaschen zu können, ohne Rücksicht auf Verluste.
Kommerz, egal wie und ungeachtet der Folgen für die Mehrheit der Menschen und gegen deren Interessen. Hauptsache, das Geschäft mit dem Kies floriert für einpaar wenige Leute.
Zukunft und Gemeinwohl sehen anders aus!
Klaus R.