Bautzen, Bischofswerda, Kamenz, Vermischtes

Neue Abfallsatzung für den Müll?

Hohe Wellen schlägt der Vorschlag für eine neue Abfallsatzung im Landkreis Bautzen. Ab 2011, so sieht es das Papier vor, über den der Kreistag erst noch abstimmen muss, sollen die Haushalte für mindestens acht Tonnen Restmüll zahlen.

Das aber – so die einhellige Meinung der Leser, die sich bisher dazu zu Wort gemeldet haben – ist unmöglich. Der Tenor: Bei konsequenter Mülltrennung fällt kaum Restmüll an. Der geplante Müllzwang sei eine Abzocke.

Hintergrund: Ab 2011 sollen die unterschiedlichen Systeme der Altkreise zusammengeführt werden. Das heißt, ein Teil des Abosystems im Altkreis Kamenz soll übernommen werden. Eine der Vorgaben dabei: Die Restmüllmengen müssten „zur Auslastung der vom RAVON bei der TA Lauta vertraglich gebundenen Abfallbehandlungskapazität“ maximiert werden. Zugleich wolle man die Gebührenbelastung minimieren.

Kerstin Lubensky mit ihrer fast leeren Restmülltonne. Maximal zwei bekommt sie im Jahr voll. Sie weiß nicht, was noch hinein soll.

Kerstin Lubensky mit ihrer fast leeren Restmülltonne. Maximal zwei bekommt sie im Jahr voll. Sie weiß nicht, was noch hinein soll.

Die aber würde sich für die Bautzener teilweise vervierfachen. So wie für Kerstin Lubensky aus Breitendorf, die nicht mehr als zwei Tonnen Restmüll im Jahr produziert.
Tatsächlich produzieren die Einwohner im Altkreis Bautzen weit weniger Müll als die im Altkreis Kamenz. Für Kerstin Lubensky absolut plausibel. „Hat sich schon mal jemand das Durchschnittsalter im Altkreis Kamenz angesehen? Wenn dort viele jüngere Familien wohnen, ist es doch klar, dass mehr Müll anfällt. Allein schon wegen der Windeln.“
Ein Argument, das schlüssig klingt. Denn wirklich ist der Altersdurchschnitt hier deutlich niedriger als im Altkreis Bautzen. Der Altkreis Kamenz stellt mit Ralbitz-Rosenthal sogar die jüngste Gemeinde in Sachsen. Während die Sachsen laut Statistischem Landesamt in Kamenz durchschnittlich 45,7 Jahre alt sind, bringen es die Ralbitz-Rosenthaler auf gerade mal 39,4 Jahre.

Dass vor allem Windeln die Mülltonnen füllen, bestätigt eine junge Mutter aus Schwepnitz. Sie habe vor der Geburt des jüngsten Kindes gerade mal sechs Tonnen Müll im Jahr produziert. Inzwischen reiche das nicht mehr. Sie musste sich eine größere Tonne bestellen. Silke Zwjatkow aus Bautzen gibt noch etwas zu bedenken. Dass die Kamenzer seit Jahren wesentlich mehr Müll produzieren als die Bautzener liegt ihrer Meinung nach an der höheren Kaufkraft im Westen des Kreises Bautzen: „Mehr Kaufkraft – mehr Konsum – mehr Müll.“

Sie hat sich einmal die Mühe gemacht, die Statistik genauer zu lesen. Das Ergebnis: Der Altkreis Kamenz liegt mit 167 Kilogramm pro Kopf um 30 Prozent über dem sächsischen Durchschnitt von 127 Kilogramm. Auch das Argument, die Bautzener würden ihren Müll illegal über den gelben Sack entsorgen, entkräftet sie mit Statistik. Die Rechnung: Jeder Kamenzer packte 2008 36 Kilogramm in die gelbe Tonne, jeder Bautzener 34. Hätten die Bautzener illegal Restmüll entsorgt, hätten sie 101 Kilo in die gelbe Tonne füllen müssen.

Ihr Fazit: „Die Bautzener sind also keine Müllsünder, sondern Vorbild bei der Müllvermeidung.“

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Ein Kommentar

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  1. ich habe da schon vor längerer zeit einen vorschlag gelesen, dass im jahr 8 mülltonnen abgegeben werden sollen aber geteilt in restmüll und biotonne. das wäre schon eher machbar. der o.g. vorschlag ist purer wahnsinn, soviel schuhe kann man gar nicht abtragen, wie entsorgt werden sollen.

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