Kamenz, Kultur
Wandervogel Lessing auf der Spur
Kamenz, Breslau, Hamburg, Wolfenbüttel. Diese Lebensstationen Gotthold Ephraim Lessings sind allgemein bekannt. Hier vebrachte der große Aufklärer jeweils bedeutende Abschnitte seines Lebens, denen sich markante Schaffensperioden zuordnen lassen.

Freuen sich über das gemeinsame Werk: Marion Kutter, Anne Hasselbach und Sylke Kaufmann (v.l.n.r.)
Kamenz. Doch wer weiß schon, dass Lessing ein richtiger „Wandervogel“ war? So enthält das neu erschienene Buch „Lessing nachgereist. Eine fotografische Spurensuche“ nicht weniger als 19 Orte, die für den Lebensweg und –wandel des Dichters von mehr oder weniger großer Bedeutung waren. Neben den eingangs erwähnten Hauptstationen zählen auch scheinbar unbedeutende Orte wie Putzkau, Jork oder Bad Pyrmont dazu, die in den einschlägigen Lessing-Biographien, wenn überhaupt, nur am Rande Erwähnung finden.
„Unsere ursprüngliche Idee war es, eine Publikation zu erarbeiten, die Lessing einem breiteren Publikum erschließt“, erklärt Dr. Sylke Kaufmann, Leiterin des Kamenzer Lessing-Museums und Co-Autorin des neu erschienenen Werkes. Lessings Biographie sollte anhand der Orte, an denen er sich aufhielt, erlebbar gemacht werden. Sie und ihre Mitarbeiterin Marion Kutter holten sich die Kamenzer Fotografin Anne Hasselbach mit ins Boot, die an den einzelnen Lebensstationen des Dichters auf fotografische Spurensuche ging.
„Das war gar nicht so einfach, denn natürlich haben sich die meisten Orte sehr stark verändert und erinnern kaum noch an die Zeit, als Lessing dort war“, berichtet sie. Ihrem eigenen Gespür blieb es überlassen, aus den teils spärlichen Überresten noch ein wenig von dem Zeitgeist herauszukitzeln, der das 18. Jahrhundert prägte. Unterlegt wurden die Bildmotive mit passenden Zitaten von Lessing selbst oder von bedeutenden Zeitgenossen.
Oftmals sind es überraschende, spontan eingefangene Straßenszenen, deren Beziehung zu Lessing und seinen Aussprüchen sich erst beim zweiten Hinsehen oder Lesen erschließt. „Vor allem in den größeren Städten gibt es kaum noch Plätze, die wie zu Lessings Zeit erhalten blieben“, hat Anne Hasselbach erfahren. Andere Orte wiederum machten es der Fotografin leichter, auf Spurensuche zu gehen.
So wie zum Beispiel Kamenz, die erste Station, an der noch vieles an Lessing und seine Zeit erinnert.
Hier verbrachte der spätere große Aufklärer die ersten zwölf Jahre seines Lebens, an die er sich später noch gern und mit Freunde erinnerte. Noch sechs Mal besuchte Gotthold Ephraim seine Heimatstadt, mit der ihn „zu viele freudige Gedanken“ verbanden, als dass er sie je hätte vergessen können.
Überraschende Einblicke offenbaren auch Frankfurt/Oder, wo Lessings Drama „Miss Sara Simpson“ triumphale Urraufführung feierte, oder Dresden, wo der berühmte Bildhauer Ernst Rietzschel an dem Lessing-Denkmal für Braunschweig arbeitete. Als ausländische Stationen runden Amsterdam und Wien den Band ab. „Nur mit Mühe haben wir Anne Hasselbach davon abhalten können, auch Lessings Italienreise nachzuvollziehen“, berichtet Sylke Kaufmann schmunzelnd. Für die junge Fotografin war es das bislang größte und aufwändigste Projekt, das jetzt auch in die Gestaltung der neuen Dauerausstellung für das Kamenzer Lessing-Museum einfließen soll.
Service: Der Bildband „Lessing nachgereist. Eine fotografische Spurensuche“ (ISBN 978-3-910046-44-3) ist im Buchhandel sowie im Lessing-Museum erhältlich und kann online bestellt werden unter www.lessingmuseum.de

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