Bautzen, Wirtschaft

QVC, Internet, Center – wo shoppen Sie denn?

von Tobias Schilling – 27.03.2009

Graben Internet und Shopping-Sender dem Einzelhandelt vor Ort das Wasser ab? ­­Immer mehr Menschen erledigen ihre Einkäufe nicht mehr nur im Geschäft vor Ort, sondern gehen auch im Internet oder per Fernsehen auf Shopping-Tour. Wie reagiert der Einzelhandel vor Ort?

Bautzen. An den Verkäuferinnen und Verkäufern ihrer Stadt hat Else Brandenburger (Name geändert) eigentlich nichts auszusetzen. „Die sind immer ganz freundlich und höflich“, meint die Wilthenerin. Seit drei Jahren allerdings haben sich die Besuche der 74-Jährige bei den Wilthener Einzelhändlern reduziert. Das ist vor allem dem Umstand geschuldet, dass Frau Brandenburger nicht mehr so gut zu Fuß ist, bei dieser Witterung schon gar nicht. Aber auch die Breite des vor Ort vorgehaltenen Sortiments lässt die Seniorin häufig in die Röhre schauen.

Shoppen im Kornmarktcenter kann Spaß machen, manchmal aber wird die Einkaufsfreude – nicht nur hier – getrübt.

Shoppen im Kornmarktcenter kann Spaß machen, manchmal aber wird die Einkaufsfreude – nicht nur hier – getrübt.

In die Fernsehröhre, in der sich dann die lebhaften und teils lustigen Moderatoren des Einkaufssenders „QVC“ die Klinke in die Hand geben. Die sind mit dem Wilthener Verkaufspersonal nicht zu vergleichen, aber nach Aussage von Frau Brandenburger auch „sehr nett.“ Das Gefährliche an ihrem Fernsehverhalten – zumindest aus Sicht des örtlichen Einzelhandels – ist die Tatsache, dass die Wilthenerin die Waren nicht nur im Fernsehen bestaunt, sondern auch dort bestellt. Handtücher, Bettwäsche, Geschenke für die Verwandschaft, Kleidung und weitere Dinge haben schon den Weg vom Fernsehgerät in Frau Brandenburgers Wohnung gefunden.

Das ist kein Einzelfall. Immer mehr Menschen – das belegen Studien der einzelnen Anbieter sowie des Statistischen Bundesamtes – nutzen für ihre Einkaufstour zunehmend das Internet oder Einkaufsender wie QVC, des umsatzstärksten Senders der so genanten Home-Shopping-Branche. Dabei sind die Verkaufssender nicht länger mehr ein Thema der älteren Generation und das Internet nicht nur ein Faible von www-abhängigen Jugendlichen. Eine kleine Umfrage in Ihrem Bekanntenkreis wird zeigen: Auch Menschen unterhalb der 50 haben bereits den ein oder anderen Einkauf über das Fernsehen getätigt. „Teleshopping zählt zu den wachstumsstärksten Vertriebsformen im Einzelhandel“, heißt es daher auch beim Karstadt-Quelle-Konzern, der mittlerweile Arcandor heißt. Zum Unternehmen gehört auch der Shoppingkanal HSE24, die Nummer zwei auf dem Teleshopping-Markt – nach dem amerikanischen QVC, der sich in Besitz des US-Medienkonzerns Liberty Media befindet. Dessen deutsche Abteilung zählt rund 75.000 Anrufe täglich. Jeden Tag werden 40.000 Pakete versandt. Auch nach Bautzen oder Wilthen.

Doch das Bestellen über den Fernseher ist nur eine Front, die sich auf den ersten Blick dem Einzelhandel vor Ort eröffnet. Auch das Internet gewinnt bei vielen Menschen zunehmend an Bedeutung für den privaten Einkauf von Waren und Dienstleistungen. Laut einer Studie des Statistischen Bundesamts nutzen 27 Millionen Menschen ab zehn Jahren im Quartal regelmäßig das Internet für ihren Einkauf.

Aber gilt das auch für Bautzen? Es gilt. So erlebt etwa die Bautzener Filiale der Textilkette Ernsting´s family einen rasanten Anstieg der Online-Nutzung im Bautzener Bereich. Kunden können hier Waren im Internet bestellen und sich in die Bautzener Filiale senden lassen. „Die Zahl der Lieferungen, die auf dieses Angebot zurückgehen, ist im Geschäftsjahr 2007/2008 um 300 Prozent gestiegen“, erklärt Stephanie Wölfel, die bei Ernsting´s family das Online-Geschäft verantwortet.

Das Kornmarktcenter Bautzen lockt täglich zahlreiche Besucher zum Einkaufen.

Das Kornmarktcenter Bautzen lockt täglich zahlreiche Besucher zum Einkaufen.

Was aber bringt den einkaufenden Bautzener dazu, sein Geld im Internet auszugeben und nicht im Laden vor Ort? Die Einzelhändler in Bautzen wiegeln ab und sehen die Situation weniger problematisch. „Das ist keine beängstigende Sache“, meint Rainer Scholze, Chef des Innenstadtvereins Bautzen, in dem sich das Gros der Bautzener Einzelhändler und Gewerbetreibenden vereint. „Die Gefahren für den Einzelhandel werden in Wellen immer wieder heraufbeschworen, das ist ein ähnlicher Fall, wie bei den Zeitungen, denen der Tod durch das Internet vorausgesagt wurde.“ Die Waffen der Händler vor Ort: Qualität der Produkte, Service und Beratung, Kundenfreundlichkeit und der persönliche Kontakt. „Das ist dem Käufer besonders wichtig“, so Scholze. Ähnlich sieht es auch Dimitre Kehaiov. Der Bulgare managt das Kornmarktcenter in Bautzen. „Ein attraktives Sortiment und Kundenfreundlichkeit sind das wichtigste Argument für unsere Kunden“, so Kehaiov. Eine Befragung unter 1.200 Kunden des Centers habe eine hohe Zufriedenheit mit Kundenfreundlichkeit und Service ergeben. „90 Prozent unserer Kunden sind damit zufrieden.“

Die Händler des Kornmarktcenters dürften Internet und Telehopping zwar nicht unterschätzen. Kehaiov: „Aktuell sehen wir darin aber keine Konkurrenz.“ Die Händler im Center würden weniger über den Preis, sondern über Kundenfreundlichkeit und den Service die Kunden ansprechen. „Es beginnt bereits damit, wenn ein Produkt kaputt ist“, meint auch Rainer Scholze. „Dann schätzen die Kunden den Service vor Ort.“

Auch wenn Else Brandenburger nichts auf die Verkäuferinnen ihrer Heimatstadt kommen lässt, das mit dem Service funktioniere auch bei der Bestellung über das Fernsehen ganz gut. „Ich hatte einmal einen QVC-Regenschirm verschenkt, der kurz darauf defekt war“, erinnert sich die Seniorin. „Das war gar kein Problem, ich hatte mein Geld ganz schnell wieder zurück.“

2 Kommentare

Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.
  1. Es ist doch nun wirklich absolut kein Wunder wenn hier Sachsen kaum ein Mensch mehr im Laden einkauft ….. das Netz hat immer geöffnet und hier im Land ist doch spätestens 22.00 Uhr schon Schluß!
    Da ist es ja im angrenzenden Raum in polnischen Niederschlesien schon etwas besser bestellt, vor allem auch am Wochenende!

  2. Wer sein Geld fortschafft und woanders ausgibt sollte daran denken, daß er den Nachbarn oder auch sich selbst schadet. Es gibt einen Kreislauf, wenn der unterbrochen wird, verdienen Andere das Geld und wir schauen in die Röhre. Jeder sollte darüber nachdenken, wo er sein Geld ausgibt und woher er sein Geld bekommt.

    HS