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Bautzen: Gagarin-Schule macht Platz für Neues

Bautzen: Gagarin-Schule macht Platz für Neues

Lutz Seeliger ist der für den Abriss der früheren Gagarin-Schule zuständige Bauleiter der Firma Klixer Recycling und Service.

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Etwa zwei Monate dauert es vom ersten „Biss“ der Baggerschaufel an, bis die Gebäude komplett verschwunden sind.

An der einstigen Lehranstalt im Wohngebiet Gesundbrunnen tanzen derzeit die Abrissbagger Ballett. Doch wie so oft gilt: Jedes Ende ist auch ein Neubeginn.

Bautzen. In der Stadt Bautzen gab es einst 16 Polytechnische Oberschulen. Vier davon entstanden in den Achtzigerjahren des 20. Jahrhunderts im Wohngebiet Gesundbrunnen – sie trugen die Nummern 13 bis 16 (die letzte außerhalb von Gesundbrunnen errichtete war die „12. POS Kurt Pchalek“ in der Neustadt). Mit den vier Gesundbrunnen-Schulen ging es nach der Wende höchst unterschiedlich weiter: Während die Joliot-Curie-Schule noch heute als Grundschule dient und die Richard-Sorge-Schule als Mittel-, später als Oberschule weitergeführt wurde, ereilte die Einstein-Schule nach einem Intermezzo als Gymnasium der Abriss.

Die wohl wechselvollste Geschichte erlebte die frühere POS „Juri Gagarin.“ 1996 beschloss der Bautzener Stadtrat im Rahmen der Schulnetzplanung, dass die damals noch als Grundschule bestehende Gagarin-Schule zum Ende des Schuljahres 1999/2000 aufgelöst werden soll. Die Schüler lernten fortan in der Frédéric-Joliot-Curie-Grundschule. Seit 2002 wurde das Gebäude in eine Schule zur Lernförderung (Förder-schule „L“) umgewidmet. Nach dem Umzug und der Eröffnung des Förderzentrums „Am Schützenplatz“ diente die einstige Gagarin-Schule schließlich zwischenzeitlich als Ausweichquartier bei der Sanierung der Curie-Grundschule (2015 bis 2016) und der Fichte-Grundschule (2016 bis 2017) Danach verlor sie ihren Zweck und blieb seither leer. (Quelle: Stadtverwaltung Bautzen).

Zu den vielen hundert Schülern, die einst durch die Tore der erstaunlich idyllisch gelegenen Gagarin-Schule gingen, gehört auch Jens Zuschke. Der Bautzener, der heute als selbstständiger Immobilienmakler arbeitet, kann sich noch gut erinnern, was in den achtziger Jahren geschah: „Damals versenkte meine Klasse eine Zeitkapsel mit Münzen, einer Zeitung und anderen Dokumenten im Erdboden auf dem Schulgelände.“ 

Diese Kapsel, so hofft er, könnte im Zuge der nun begonnenen Abrissarbeiten wieder ans Tageslicht kommen. Am vergangenen Montag kratzte der Bagger im Rahmen eines Pressetermins über die von Zuschke beschriebene Stelle; allein die Kapsel blieb verborgen.
An anderer Stelle agiert die von der Firma Klixer Recycling und Service eingesetzte Technik erfolgreicher. So ist das hintere der beiden, durch einen Mittelbau verbundenen Schulhäuser bereits zu einem großen Teil abgetragen. Am vorderen lässt sich gut nachvollziehen, was vor dem Abriss geschieht: „Was nicht fest verbaut war, wurde aus dem Gebäude herausgebracht und, nach Kategorien sortiert, zur getrennten Entsorgung bereitgestellt“, wie Bauleiter Lutz Seeliger erklärt. Etwa zwei Monate dauert es vom ersten „Biss“ der Baggerschaufel an, bis die Gebäude komplett verschwunden sind. „Ehrfurcht“ empfindet Ex-Schüler Jens Zuschke, wenn er seine „alte“ Schule nun Stück für Stück verschwinden sieht. Wenn der letzte Gebäuderest abgetragen ist, bleibt den Arbeitern von „Klixer“ noch, das Gelände zu rekultivieren und Gras einzusäen. Doch bei diesem Zustand soll es nicht lange bleiben. Die Stadt Bautzen hat nämlich große Pläne für das Areal zwischen der früheren Gagarin-Schule und dem nunmehr ebenfalls dem Leerstand geweihten bisherigen Sitz des Landesamtes für Schule und Bildung – einst als Unterkunft für die Talsperren-Erbauer errichtet.

Dazu erklärt Oberbürgermeister Karsten Vogt (CDU): „Unsere nächste Arbeitsaufgabe ist es, ein Gutachten über die Lärmemissionen von der Autobahn erstellen zu lassen, um auf diesen sechs Hektar einen Wohnstandort zu entwickeln.“ Die Stadt habe einen Bedarf an „modernem Wohnen“, den man an dieser Stelle umsetzen wolle: „Da muss dann auch mal eine Schule weichen, wenn sie ihre Funktion verliert und es die Stadtentwicklung erfordert.“ An der zu einem früheren Zeitpunkt geäußerten Idee, im früheren LaSuB-Gebäude die Verwaltung des Bauforschungszentrums „Living Art of Building“ anzusiedeln, hält die Stadt nicht mehr fest: „Dafür haben wir nun andere Standorte im Blick, zu denen wir uns aber noch nicht näher äußern können“, so der OB. So bleibt die Gagarin-Schule Teil einer Entwicklung – in ganz anderer Form als ihre drei „Schwestern“ in Gesundbrunnen.

Uwe Menschner / 05.04.2025

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