Ein neuer Rundweg und vier Fragen in Kamenz

Ein bisschen Spaß muss sein: Die Verpflegung der Gäste erfolgte nach Art der NVA durch Mitglieder des Tomogara-Vereins aus der Gulaschkanone.

Solche Tafeln informieren die Besucher wie hier am – noch unsanierten – Mannschaftsgebäude III über die einzelnen Objekte.
Der neue Garnisonsweg im Norden von Kamenz erinnert an einen bedeutenden Aspekt der Stadtgeschichte – mit wichtigen Bezügen zur heutigen Zeit.
Kamenz. Wie wäre wohl die Entwicklung von Kamenz verlaufen, wenn sich hier nie Militär angesiedelt hätte? Über diese Frage kann trefflich spekuliert werden, allerdings ist dies unnütz. Denn spätestens ab 1897 war die Lessingstadt auch eine Garnisonsstadt, beherbergte innerhalb ihrer Grenzen Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften in wechselnder Anzahl. „Hat das Militär unserer Stadt Glück gebracht?“, stellte am vergangenen Dienstag Oberbürgermeister Roland Dantz eine weit weniger spekulative Frage an die Runde. „Die Runde“ – das waren in diesem Fall geladene Gäste der Energie- und Wasserversorgung AG Kamenz (Ewag), welche in deren Räumen der feierlichen Eröffnung des neu geschaffenen Garnisonswegs beiwohnten.
Dabei handelt es sich um einen rund viereinhalb Kilometer langen Rundweg durch die einst militärisch genutzten Gebiete im Norden von Kamenz, der 40 Stationen miteinander verbindet. Die meisten davon befinden sich auf dem Areal der früheren Offiziershochschule – dem heutigen Verwaltungszentrum. Doch auch die Schwimmhalle, der Flugplatz, zahlreiche Wohnhäuser und das frühere Schweitzer-Gymnasium stellen Objekte dar, die es ohne das Militär in Kamenz wohl nicht – oder doch zumindest nicht in dieser Form – gegeben hätte. Hat das Militär also Glück nach Kamenz gebracht? Roland Dantz beantwortet diese von ihm selbst gestellte Frage zweigeteilt: „In zwei Phasen – vor den und während der beiden Weltkriege – sicher nicht.“ In den Jahren ab 1950, als Frieden herrschte, habe die Offiziershochschule sehr wohl einen wichtigen Faktor für das Gedeihen von Kamenz dargestellt. Denn schließlich brachte sie neben umfangreichen Investitionen auch viele – vor allem junge – Menschen in die Stadt. Menschen, von denen die meisten wohl nie hierher gekommen wären, wenn es in Kamenz kein Militär gegeben hätte.
Torsten Pfuhl, der Vorstandsvorsitzende der Ewag Kamenz, stellte eine andere, weitaus praktischere Frage: „Warum beschäftigen wir, die wir uns normalerweise um das Wasser und die Wärme kümmern, mit der Militärgeschichte von Kamenz und gestalten einen solchen Rundweg?“ Die Antwort ist eng mit der Person von Ernst-Ferdinand Egel verbunden. Der Oberstleutnant außer Dienst und frühere Leiter des Ingenieursdienstes an der Fliegerhochschule der NVA trat mit dieser Idee als Beitrag zur 800-Jahr-Feier in diesem Jahr an die Ewag heran. „Die Arbeit unseres Unternehmens hängt eng mit der früheren Garnison zusammen“, so Torsten Pfuhl. Schließlich waren es die Ewag und ihre Vorgängerunternehmen, welche den Übergang der vormals militärisch genutzten Liegenschaften ins zivile Zeitalter – die so genannte „Konversion“ – zu bewältigen hatten. Deshalb – und weil man schon Erfahrung mit thematischen Rundwegen habe – sei die Entscheidung positiv ausgefallen. Die Konversion verlief in Kamenz erfolgreicher und schneller als an vergleichbaren Standorten – man schaue nur nach Löbau oder Zittau. Wohl auch deshalb, weil die Lessingstadt frühzeitig ein klares Konzept für die Nachnutzung hauptsächlich als Verwaltungsstandort hatte; aber auch, weil sie mit dem früheren Ministerpräsidenten Prof. Georg Milbradt einen einflussreichen Fürsprecher besaß. So präsentiert sich heute der Großteil der früheren Militärgebäude saniert und in Nutzung; Ausnahmen bestätigen die Regel. Voraussetzung dafür war allerdings die Anbindung an das öffentliche Versorgungsnetz, verfügten doch die früheren Kasernen über eigene, autarke Versorgungssysteme.
Konversion ist jedoch – möglicherweise – keine Einbahnstraße. „Wenn jetzt in Bernsdorf ein ehemals militärisches Objekt wieder für eine solche Nutzung vorbereitet wird, ist das sicher eine interessante Sache. Doch könnte es vielleicht auch der Anfang einer Wiederholung von Geschichte sein?“, so eine weitere Frage des Kamenzer Oberbürgermeisters Roland Dantz. Insofern kann der Rundgang auf dem Garnisonsweg zumindest an einigen Stellen vielleicht auch als Mahnung dienen.