Orgelabitur ist ein Novum

Annemarie Otto und Jakob Appelt legten unter Anleitung von Kreiskantorin Ulrike Scheytt ihr Orgelabitur ab – ein bisher einmaliges Projekt in Deutschland. | Foto: privat
Görlitz. In Görlitz gibt es innerhalb der Bundesrepublik wieder einmal eine Einmaligkeit: Bereits im Mai legten zwei Schüler des Augustum-Annen-Gymnasiums ihr Abitur-Wahlfach Musik mit sehr gutem Erfolg an der Orgel ab. In der Frauenkirche spielten die beiden ihr Prüfungsprogramm wenige Tage nach Pfingsten unter dem Thema „Veni creator spiritus“. Choralbearbeitungen und freie Orgelwerke von J. S. Bach, Joh. Pachelbel, César Franck und Gordon Young bestimmten das Prüfungsprogramm.
Da das Orgelspiel dem Interpreten viel Können und Ausdauer abverlangt, waren für die Schüler Annemarie Otto und Jakob Appelt zum Erreichen dieses Ziels hoher Einsatz und großes Engagement sowie Begeisterung an der Musik in den vergangenen drei Jahren nötig. Durch die Vernetzung von Musiklehrern des Gymnasiums, des Kreiskantorats und der Innenstadtgemeinde Görlitz konnte das Ziel erreicht werden. Daraus erwächst auch die Chance, den Nachwuchs an Organisten in Zukunft zu fördern und möglicherweise das Fach Orgel in der Schule im Lehrplan zu verankern.
Kreiskantorin Ulrike Scheytt, die auch die Lehrbefugnis für Musikunterricht in Gymnasien bis zum Abitur besitzt, erteilte den Unterricht an der Orgel der ehemaligen Kirchenmusikhochschule im Haus „Peregrinus“ in Görlitz. Sie entwickelte ein Unterrichtsmodell mit dem psychologisch didaktischen Ansatz, bei Laien die spielerische-kreative Begeisterung zu wecken. Wesentlich dazu beigetragen, das Projekt zu einem Erfolg werden zu lassen, haben vor allem die Schulleitung des Gymnasiums, die diese neue Art der Musikprüfung genehmigte, die Innenstadtgemeinde, die das Üben auf der Schusterorgel der Frauenkirche ermöglichte und der Evangelische Kirchenkreis, der das Vorhaben mit großem Engagement unterstützte.